Digitale Subtraktionsangiographie
Englisch: digital subtraction angiography
Definition
Die Digitale Subtraktionsangiographie, kurz DSA, ist ein radiologisches Verfahren zur Darstellung von Blutgefäßen mithilfe von Röntgenstrahlung und Röntgenkontrastmittel. Durch digitale Subtraktion eines zuvor aufgenommenen Referenzbildes werden knöcherne und Weichteilstrukturen aus dem Bild entfernt, sodass die kontrastmittelgefüllten Gefäße isoliert sichtbar werden. Die DSA ist ein Verfahren der Projektionsradiographie und wird vor allem in der interventionellen Radiologie eingesetzt.
Prinzip
Die DSA basiert auf der digitalen Verarbeitung mehrerer aufeinanderfolgender Röntgenaufnahmen. Zunächst wird ein Maskenbild aufgenommen, bevor Kontrastmittel im Gefäßsystem vorhanden ist. Dieses Bild enthält alle stationären Strukturen im Strahlenfeld, insbesondere Knochen und Weichteile. Anschließend wird ein Röntgenkontrastmittel appliziert und eine schnelle Bildserie aufgenommen, während sich das Kontrastmittel im Gefäßsystem verteilt. Bei der digitalen Subtraktion wird das Maskenbild pixelweise von den nachfolgenden Bildern abgezogen:
- Maskenbild − Kontrastbild = Gefäßdarstellung
Da sich Knochen und Weichteile in beiden Bildern gleich darstellen, werden diese Strukturen durch die Subtraktion weitgehend entfernt. Sichtbar bleiben vor allem die kontrastmittelgefüllten Gefäße.
Technische Umsetzung
Die DSA wird mit speziellen Angiographieanlagen durchgeführt, die aus folgenden Komponenten bestehen:
- Röntgenröhre
- digitaler Flachdetektor
- Hochleistungs-Generator
- digitale Bildverarbeitungseinheit
Während der Untersuchung werden typischerweise mehrere Bilder pro Sekunde aufgenommen, sodass die Dynamik der Kontrastmittelverteilung verfolgt werden kann. Da bereits kleine Patientenbewegungen die Subtraktion stören können, besitzen moderne Systeme Verfahren zur Bewegungskorrektur (Image registration).
Kontrastmittelapplikation
Das Kontrastmittel wird meist intraarteriell oder intravenös über einen Katheter appliziert. Dazu wird im Rahmen einer Angiographie ein Katheter z.B. über die Arteria femoralis oder Arteria radialis in das Zielgefäßsystem vorgeschoben.
Verwendete Kontrastmittel sind:
- Iodhaltiges Kontrastmittel (Standard in der DSA)
- Kohlendioxid (CO₂) als alternatives Kontrastmittel bei Kontrastmittelunverträglichkeit oder Niereninsuffizienz
Anwendungen
Die DSA ermöglicht eine hochauflösende Darstellung von Gefäßen und deren Durchblutung. Typische diagnostische Fragestellungen sind:
- Stenosen oder Okklusionen von Arterien
- Aneurysma
- Arteriovenöse Malformation
- Tumorvaskularisation
- Gefäßverletzungen
Die zeitliche Bildserie erlaubt zusätzlich die Beurteilung der Kontrastmitteldynamik, also des arteriellen, kapillären und venösen Blutflusses.
Die DSA wird häufig nicht nur diagnostisch, sondern auch während interventioneller Eingriffe eingesetzt. Beispiele sind:
Während dieser Eingriffe dient die DSA der kontinuierlichen Kontrolle der Katheterposition und des Behandlungserfolgs.
Nachteile und Risiken
Die Untersuchung ist mit bestimmten Risiken verbunden:
- Strahlendosis durch wiederholte Röntgenaufnahmen
- mögliche Nebenwirkungen iodhaltiger Kontrastmittel
- Komplikationen der Katheterangiographie (z.B. Gefäßverletzungen oder Blutungen)
Daher wird die DSA meist nur durchgeführt, wenn eine hohe diagnostische Genauigkeit erforderlich ist oder gleichzeitig eine interventionelle Therapie geplant ist.