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Brillenglas

1 Definition

Das Brillenglas ist ein Medizinprodukt, das Fehlsichtigkeiten korrigiert und präventiv gegen einige Augenkrankheiten verwendet wird. Brillengläser lassen ein optimiertes Zwischenbild entstehen und haben keine direkten Auswirkungen auf das Auge.

2 Brillenglaswerte

Brillengläser werden nach individuellen Parametern gefertigt:

2.1 Zylinder-Schreibweisen

Man unterscheidet zwischen der Plus-Zylinderschreibweise (auch DIN-Schreibweise) und Minus-Zylinderschreibweise. Hierbei zeigt die Sphäre jeweils zwei Hauptschnittwerte des zylindrischen Glases an und der Zylinder die Differenz zwischen den Hauptschnitten.

Umrechnung:

  1. Sphäre wird mit Zylinder addiert
  2. Vorzeichen des Zylinders wird geändert
  3. Die Achslage dreht sich um 90° (Achslage wird um 0-180° angegeben)

Beispiel:

  • Minuszylinder: R : Sph. +2,50 Cyl. -1,50 Achse 105°
  • Pluszylinder: R : Sph. +1,00 Cyl. +1,50 Achse 15°

2.2 Weitere Parameter

Brillengläser können weiter optimiert werden, um Abbildungsfehler zu mindern und die Verträglichkeit zu verbessern:

  • Individualparameter: Hier werden je nach Hersteller individuelle Daten berücksichtigt z.B. Fassungsscheibenwinkel, Vorneigung, Hornhautscheitelabstand u.v.m.
  • Abbildungsfehler höherer Ordnung

Werden diese Parameter berücksichtigt, wird das Brillenglas individuell berechnet. Dadurch kann es sein, dass die verordneten Werte von den Brillenglaswerten abweichen.

3 Materialien

3.1 Kunststoff

Kunststoff ist als leichtes Material geeignet für empfindliche Haut und aufgrund der Bruchfestigkeit gebräuchlich für Kinder und beim Sport. Im Gegensatz zu Glas sind Kunststoffgläser empfindlich gegen Kratzer. Wenn Kunststoff entspiegelt wird, kann die Beschichtung durch die Ausdehnung des Materials bei Wärme reißen. Kratzer und Risse in der Beschichtung können das Kontrastempfinden senken.

3.2 Glas

Glas ist beständig gegen Kratzer und weist eine bessere Abbildungsfähigkeit als Kunststoff auf. Da es nicht bruchfest ist, können beim Bruch entstandene Splitter zu Verletzungen führen. Dennoch erhöht sich die Verträglichkeit bei Patienten mit hohen Werten oder Prismen aufgrund der vergleichsweise hohen Abbe-Zahl.

3.3 Konstanten

Brillengläser unterliegen Konstanten, die sich auf die Verordnung auswirken können.

  • Brechungsindex: Optische Dichte, je höher der Wert, desto dünner kann das Glas bei gleichbleibendem Wert gefertigt werden. Bislang weisen gängige Materialien einen Index von 1,5-1,9 auf.
  • Dichte [g/cm³]: Gibt an, wie schwer das Brillenglas ist
  • Abbe-Zahl: Gibt an, wie anfällig ein Material für Abbildungsfehler ist. Je höher dieser Wert, desto besser ist die Abbildungseigenschaft des Materials

4 Glastypen

4.1 Einstärkengläser

Einstärkengläser haben nur eine Stärke, sodass man hierbei die geringsten Einschränkungen im Blick- und Gesichtsfeld hat. Sie werden bei Weit- oder Kurzsichtigkeit verwendet.

4.2 Nahkomfortgläser

Bei Nahkomfortgläsern wird die Stärke im Geradeausblick für eine Raum- oder Bildschirmdistanz gefertigt. Mit Blick nach unten schaut man durch den Nahbereich. Verwendet bei Alterssichtigkeit, etwa für die Arbeit am Computer.

4.3 Gleitsichtgläser

Gleitsichtgläser sind aufgebaut wie Nahkomfortgläser mit einem Fernpunkt (F) und einem Nahpunkt (N) in einem progressiven Verlauf. Der Nahpunkt ist zum Fernpunkt immer etwas nach nasal versetzt (siehe Abbildung). Gleitsichtgläser besitzen im Randbereich Unschärfen, die als Flächenastigmatismus bezeichnet werden. Je höher die Brillenglaswerte sind, desto ausgeprägter wird dieser. Scharfes Sehen ist nur außerhalb der Randunschärfen möglich, was bedeutet, dass immer der Kopf mitgenommen werden muss. Je früher man mit einer Gleitsichtbrille beginnt, umso besser ist die Verträglichkeit. Dieses Phänomen hängt mit dem Nahzusatz aus der fortschreitenden Alterssichtigkeit und den damit immer größer werdenden Unschärfenbereichen in der Peripherie zusammen. Eine erste erfolgreiche Gleitsichtkorrektur in hohem Alter ist selten verträglich und muss gut bedacht sein.

4.4 Mehrstärkengläser

Mehrstärkengläser sind Brillengläser mit sichtbarem Nahteil. Das Nahteil kann in verschiedenen Formen gefertigt werden. Typisch und bewährt ist die in der Abbildung gezeigte Form.

4.5 Sondergläser

4.5.1 Lentikularglas

Bei Lentikulargläsern kann die Glasstärke kann - wie bei einem Einstärkenglas - auf jede Entfernung angepasst werden. Sie besitzen außen einen Tragrand und haben eine kleinere optisch wirksame Zone. Auf diese Weise kann sie bei starker Weitsichtigkeit von -10 bis -30 dpt bzw. bei starker Kurzsichtigkeit mit +8 bis +30 dpt angewendet werden. Durch die kleine optische Zone werden Abbildungsfehler wirksam reduziert und das Brillenglas kann mit besserer Verträglichkeit und weniger Gewicht gefertigt werden.

4.5.2 Prismenglas

Prismenwerte werden in der Verordnung auf beide Seiten gleichmäßig aufgeteilt, in erster Linie wegen der Verträglichkeit. Prismengläser werden nach PMZ oder Formel-Fall bestellt. Die PMZ (Pupillenmittenzentrierung) besagt, dass während der Messung die Messbrille nicht nachgestellt wurde. Der Formel-Fall besagt, dass die Messbrille pro 4 cm/m um 1mm gegen die Basis verstellt wurde.

4.5.3 Exekutiv

Exekutiv- oder Franklin-Gläser sind die Vorreiter der heutigen Mehrstärkengläser. Sie sind in der Mitte waagerecht geteilt und unten mit Nah- und oben mit Fernwerten versehen.

5 Gravuren

Hochwertige Brillengläser haben Gravuren, die sich bei genauerem Hinsehen, z.B. gegen Licht, erkennen lassen. Sie sind herstellerabhängig und können wichtige Informationen liefern. Wenn Gravuren vorhanden sind, befinden sich auf dem Glas bilateral identische Gravuren die gerade zum Fassungsrahmen stehen sollten. Grobe Fehler lassen sich so ohne Fachkenntnisse erkennen und könnten ein plötzlich schlechteres Sehen mit Brille erklären. Dazu gehören verdrehte Gleitsichtgläser, die zu einem schlechten Nah-Visus führen können. Hohe Astigmatismuskorrekturen können bei verdrehten Gläsern den Visus in allen Bereichen senken. In der Beispielabbildung sind die Gravuren schleifenförmig.

6 Weitere Optionen

Licht aus dem Blau-Violetten-Wellenlängenbereich von 380-440 nm gilt als potentiell schädlich und wird als Mitverursacher der Photoretinitis bertachtet. Daher werden Brillen mit Blaufilter angeboten. Sie sind z.T. gering gelb verfärbt.

7 Weiterführende Literatur

  • Kommnick et al.: Augenoptik in Lernfeldern. 22. Auflage, 2013. Verlag Handwerk und Technik
  • Gerhard K. Lang: Augenheilkunde. 5. Auflage, 2014. Thieme Verlag

Fachgebiete: Medizinprodukt

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