Amussat-Zeichen
Englisch: Amussat’s sign
Definition
Das Amussat-Zeichen bezeichnet einen quer verlaufenden Einriss der Intima der Arteria carotis communis unterhalb der Karotisbifurkation, der typischerweise im Rahmen von Strangulation oder Erhängen auftritt. In Kombination mit begleitenden Einblutungen in die Gefäßwand gilt es als Hinweis auf eine intravital entstandene Gewalteinwirkung.
Pathophysiologie
Das Amussat-Zeichen entsteht durch eine Kombination aus direkter Kompression der Halsgefäße und gleichzeitiger Überdehnung der Gefäßwand.
Beim Erhängen führen eine direkte Druckeinwirkung durch das Strangwerkzeug und eine indirekte Zugbelastung durch das Körpergewicht (Gravitation) zu einer Scherbelastung der Gefäßwand, insbesondere im Bereich unterhalb der Karotisbifurkation, wodurch es zu einem Intimaeinriss kommen kann.
Differentialdiagnosen
Neben dem klassischen Auftreten beim Erhängen kann ein Intimariss der Karotis auch bei folgenden Traumata entstehen:
- stumpfes Halstrauma
- extreme Überstreckung
- Beschleunigungs-/Schleudertraumata
Postmortale Gefäßveränderungen, artifizielle Läsionen im Rahmen der Präparation sowie atherosklerotische Plaquerupturen müssen differenzialdiagnostisch ebenso berücksichtigt werden. Die Bewertung erfordert stets die Zusammenschau aller Befunde und der Todesumstände.
Rechtsmedizin
Erst die Kombination aus Intimariss und vitaler Einblutung erlaubt die sichere Interpretation als intravital entstandene Läsion. Das Amussat-Zeichen tritt häufig gemeinsam mit weiteren typischen Befunden auf, wie Strangmarken, Weichteilblutungen und Verletzungen der Kehlkopfstrukturen. In seltenen Fällen können zusätzlich schwere Gefäßverletzungen bis hin zu partiellen oder vollständigen Rupturen der Karotiden beobachtet werden.[1]
Einzelne Fallberichte zeigen, dass trotz schwerer Verletzungen atypische Konstellationen auftreten können. So kann das Strangwerkzeug am Auffindeort fehlen oder eine kurzfristige Handlungsfähigkeit erhalten bleiben. In beschriebenen Fällen konnten Betroffene nach der Strangulation noch eine Strecke von mehreren hundert Metern zurücklegen.[1]
Die Todesursache kann dabei nicht nur in der Strangulation selbst liegen, sondern auch in deren Folgen, beispielsweise in einer Blutaspiration infolge massiver Verletzungen der Halsorgane mit nachfolgender Asphyxie.[2]
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 Klein et al., Amussat-und andere typische Zeichen der Strangulation., 2016
- ↑ Hejna et al., Amussat’s sign in hanging—a prospective autopsy study., 2011
Literatur
- Pollak et al., Strangulation–Erhängen. , 2022