Agatston-Äquivalent-Score
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Loslegennach dem US-amerikanischen Kardiologen Arthur Agatston (* 1947)
Englisch: Agatston equivalent score
Definition
Der Agatston-Äquivalent-Score ist ein einheitsloses Maß zur Quantifizierung der Kalzifikation der Koronararterien. Der Score wird mittels Mehrschicht-CT (MSCT) anstelle der Elektronenstrahltomographie (EBT) ermittelt.
Hintergrund
Der Agatston-Score wurde 1990 von Arthur Agatston und Kollegen zur Quantifizierung der Verkalkung der Koronararterien eingeführt und ursprünglich mittels Elektronenstrahltomographie bestimmt.[1] Die EBT galt lange als Referenzverfahren der koronaren Kalzium-Score-Bestimmung, ist heute jedoch weitgehend durch die Mehrschicht-CT abgelöst. Da der Score inzwischen regelhaft an MSCT-Geräten erhoben wird, hat sich für diese Werte die Bezeichnung Agatston-Äquivalent-Score etabliert.
Messung
Die Berechnung folgt dem klassischen Agatston-Algorithmus. Erfasst werden Verkalkungen oberhalb eines Schwellenwerts von 130 Hounsfield-Einheiten (HU). Die Fläche jeder Läsion wird mit einem dichteabhängigen Gewichtungsfaktor (1 bis 4, je nach maximaler CT-Dichte) multipliziert und über alle Läsionen summiert.[1] Damit MSCT-Werte mit der EBT-Skala vergleichbar bleiben, werden standardisierte Akquisitionsparameter verwendet.
Kleinere Abweichungen zwischen den Modalitäten entstehen vor allem durch Unterschiede in räumlicher und zeitlicher Auflösung, Schichtdicke, Bildrauschen und Herzfrequenz. Wegen der stufenförmigen Dichtegewichtung des Algorithmus können bereits geringe Dichteunterschiede zwischen zwei Geräten zu einem Wechsel des Gewichtungsfaktors und damit zu unterschiedlichen Punktwerten führen.[2]
Vergleichbarkeit
MSCT- und EBT-basierte Agatston-Werte korrelieren eng (Korrelationskoeffizienten von r = 0,96–0,99) und gelten innerhalb definierter Äquivalenzgrenzen als statistisch gleichwertig.[3] In der Multi-Ethnic Study of Atherosclerosis (MESA) zeigten beide Verfahren eine vergleichbare Reproduzierbarkeit der Kalzium-Messung.[4]
Trotz der guten Übereinstimmung ist die Gleichwertigkeit nicht absolut. Zu den Faktoren, welche die Vergleichbarkeit beeinflussen, zählen:
- die verwendete CT-Technik (Dual-Source-CT mit höherer zeitlicher Auflösung nähert sich der EBT stärker an als konventionelle MSCT)
- die rekonstruierte Schichtdicke (dünnere Schichten verringern die Abweichung zur EBT)
- die Herzfrequenz (Bewegungsartefakte nehmen ab etwa 70/min zu)
- die Dichte der Kalkläsionen
Insbesondere bei sehr niedrigen Werten (unter 10) ist die Übereinstimmung zwischen den Modalitäten eingeschränkt.[3] Phantomstudien zeigen zudem, dass die EBT die geringste Anfälligkeit für Bewegungsartefakte aufweist, während Dual-Source-CT die konventionelle MSCT diesbezüglich deutlich übertrifft.[2]
Mit der Einführung der Photon-Counting-CT steht inzwischen eine dritte Modalität zur Verfügung, die bei der Agatston-Äquivalenz gesondert betrachtet werden muss. Optimierte Akquisitions- und Rekonstruktionsprotokolle (z.B. virtuelle monoenergetische Bilder mit angepassten Schwellenwerten) können die Score-Variabilität gegenüber konventioneller MSCT deutlich reduzieren.[5] Auch aus kontrastverstärkten CT-Angiographien abgeleitete virtuelle Nativ-Rekonstruktionen liefern mit der Photon-Counting-CT eng korrelierte, jedoch nicht immer identische Agatston-Werte im Vergleich zum echten nativen Scan.[6]
Neben technischen Unterschieden spielt auch die Strahlenexposition eine Rolle bei der Wahl des Verfahrens. Ein zusätzlicher nativer Scan zur Kalzium-Score-Bestimmung erhöht die Gesamtdosis einer Untersuchung, was bei virtuellen Nativbildern, die aus Angiographie-Datensätzen abgeleitet werden, vermieden werden kann.
Klinische Bedeutung
Der Agatston-Äquivalent-Score wird klinisch wie der originäre Agatston-Score interpretiert und dient der Abschätzung des kardiovaskulären Risikos, insbesondere bei asymptomatischen Personen mit intermediärem Risiko. Ein höherer Wert geht mit einem höheren Risiko für einen Myokardinfarkt und andere koronare Ereignisse einher.
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 Agatston AS et al. Quantification of coronary artery calcium using ultrafast computed tomography. J Am Coll Cardiol. 1990;15(4):827–832.
- ↑ 2,0 2,1 Groen JM et al. Calcium scoring using 64-slice MDCT, dual source CT and EBT: a comparative phantom study. Int J Cardiovasc Imaging. 2007;24(5):547–556.
- ↑ 3,0 3,1 Stanford W et al. Coronary artery calcium quantification at multi-detector row helical CT versus electron-beam CT. Radiology. 2004;230(2):397–402.
- ↑ Detrano RC et al. Coronary calcium measurements: effect of CT scanner type and calcium measure on rescan reproducibility – MESA study. Radiology. 2005;236(2):477–484.
- ↑ Fink N et al. Coronary artery calcium scoring: expanding the new standard by photon-counting detector CT Part II. Eur Radiol. 2026;36(7):5557–5566.
- ↑ Haag NP et al. Coronary Artery Calcium Scoring Using Virtual Versus True Noncontrast Images From Photon-Counting Coronary CT Angiography. Radiology. 2024;310(3):e230545.