Bauchhöhlenschwangerschaft
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LoslegenSynonyme: Abdominalgravidität, Peritonealgravidität, Graviditas abdominalis
Englisch: abdominal pregnancy
Definition
Die Bauchhöhlenschwangerschaft ist eine seltene Form der Extrauteringravidität, bei der sich die befruchtete Eizelle außerhalb der Gebärmutter in der Bauchhöhle einnistet. Sie tritt meist als Folge einer vorausgegangenen Tubargravidität mit Ruptur oder Tubarabort auf.
Pathogenese
Man unterscheidet zwischen primärer und sekundärer Bauchhöhlenschwangerschaft. Bei der primären Form, von der bisher nur wenige Fälle dokumentiert sind, nistet sich die befruchtete Eizelle direkt in der Bauchhöhle ein. Die wahrscheinlich häufigere sekundäre Form entsteht durch erneute Implantation der Schwangerschaftsanlage in der Bauchhöhle nach Tuben- oder Uterusruptur, Tubarabort oder Uterusperforation.[1][2]
Klinik
Die meisten Bauchhöhlenschwangerschaften sind nicht lebensfähig, sterben früh ab und bleiben klinisch irrelevant. Kommt es jedoch zu einer Implantierung nahe eines Gefäßbettes, kann sich eine intakte Schwangerschaft entwickeln, die unerkannt mit einer Letalität von etwa 0,5 bis 20 % einhergeht.
Diagnostik
Die klinischen Symptome variieren und überschneiden sich teilweise mit denen anderer Formen der Extrauteringravidität. Die bildgebende Diagnostik erfolgt in der Regel mittels Ultraschall. Eine Magnetresonanztomographie (MRT) wird in Betracht gezogen, wenn die Schwangerschaft sonographisch nicht genau lokalisiert werden kann oder bereits weit fortgeschritten ist. Sie dient der Beurteilung der genauen Lage der Plazenta und benachbarter Strukturen.[2]
Therapie
Eine frühe Bauchhöhlenschwangerschaft wird in der Regel laparoskopisch entfernt. Bei fortgeschrittener Bauchhöhlenschwangerschaft wird eine Laparotomie bevorzugt, vorzugsweise als Längslaparotomie.[1] Die Plazenta wird nur bei leichter Entfernbarkeit und geringem mütterlichem Blutungsrisiko vollständig entfernt werden. Andernfalls verbleibt sie in situ zur spontanen Resorption. Die Gabe von Methotrexat zur Beschleunigung der Resorption ist wegen eines möglicherweise erhöhten Infektionsrisikos durch beschleunigte Plazentanekrose umstritten.[1]
Austragen einer Abdominalgravidität
Wird eine fortgeschrittene Bauchhöhlenschwangerschaft mit vitalem Fetus erst spät diagnostiziert und liegen keine Zeichen einer akuten Blutung oder Plazentalösung vor, kann in Einzelfällen ein abwartendes Vorgehen bis zur fetalen Lebensfähigkeit erwogen werden.[3] Dies erfordert eine engmaschige stationäre Überwachung von Mutter und Fetus bis zur Geburt, eine enge interdisziplinäre Abstimmung zwischen Geburtshilfe, Neonatologie und ggf. interventioneller Radiologie und die umfassende Aufklärung der Patientin über die Risiken dieses Vorgehens. Bisher (2026) gibt es hierfür keine standardisierten Behandlungsprinzipien. Die Entbindung erfolgt per Laparotomie; ein vaginaler Entbindungsversuch ist bei extrauteriner Lage unmöglich.[4]
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 1,2 AWMF: S2k-Leitlinie Früher Schwangerschaftsverlust im 1. Trimenon, Abschnitt 7.2.6.2, abgerufen am 12.09.2026
- ↑ 2,0 2,1 Abdominal Pregnancy – ISUOG, abgerufen am 12.09.2026
- ↑ Hailu FG, Yihunie GT, Essa AA, Tsega WK. Advanced abdominal pregnancy, with live fetus and severe preeclampsia, case report. BMC Pregnancy Childbirth. 2017;17:243. doi:10.1186/s12884-017-1437-y
- ↑ Gebretensaye KG, Jama AH, Teka H, Zelelow YB, Gebremichael AK. Term Abdominal Pregnancy with a Live Fetus Incidentally Found During Cesarean Section: A Case Report. Int Med Case Rep J. 2024;17:1049–1054. doi:10.2147/IMCRJ.S500669