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Studiendesign

Englisch: study design

1 Definition

Unter dem Studiendesign versteht man in der Medizin die Gesamtheit der Vorgehensweisen im Rahmen einer Studie. Ein gutes Studiendesign versucht Einflüsse, die das Ergebnis eines Testverfahrens verfälschen können, zu verhindern.

2 Methodische Standards

Die konkreten Vorgehensweisen in einer Studie hängen im Wesentlichen von der Zielsetzung, der Art der zu prüfenden Behandlung(en) und von der Studienindikation ab.

Nichtinterventionelle Studien sind üblicherweise unkontrollierte Studien, da sie ohne Kontrollgruppe durchgeführt werden.

Prospektive, interventionelle klinische Studien zum Nachweis der Wirksamkeit und Unbedenklichkeit werden in der Regel als randomisierte kontrollierte Studien durchgeführt.

3 Vorgehensweisen

3.1 Art der Kontrolle

In kontrollierten Studien wird die zu prüfende Behandlung (Medikament oder andere Intervention) gegen eine oder mehrere Kontrollbehandlung(en) geprüft.

In einer placebokontrollierten Studie erhält die Kontrollgruppe ein Scheinmedikament (Placebo).

In Äquivalenz- oder Nicht-Unterlegenheits(non-inferiority)-Studien erhält die Kontrollgruppe ein Vergleichspräparat (meist die aktuelle Standardtherapie). Je nach Fragestellung kommen auch nicht-medikamentöse Behandlungsmethoden als Kontrolle in Frage. Auch können unbehandelte Patienten als Kontrolle dienen.

Bei der Zusammenstellung einer Kontrollgruppe muss darauf geachtet werden, dass die Personen der Kontrollgruppen in den Variablen Alter, Geschlecht, etc. ungefähr übereinstimmen (siehe Abschnitt Randomisierung).

3.2 Cross-over/Parallelgruppen

Eine kontrollierte klinische Studie kann entweder als Cross-over-Studie oder im Parallelgruppendesign durchgeführt werden.

3.2.1 Cross-over

In einer Cross-over-Studie erhalten dieselben Probanden das Prüfpräparat und das Kontrollpräparat nacheinander verabreicht (z.B. Bioäquivalenzstudien). Durch die Randomisierung wird jedem Teilnehmer die Reihenfolge der Behandlungen per Zufall zugeordnet. Zwischen den Behandlungen muss dann eine Wash-out-Phase eingehalten werden, die studienspezifisch in Abhängigkeit von den pharmakokinetischen Eigenschaften der Arzneimittel festgelegt wird.

3.2.2 Parallelgruppen

Therapiestudien werden in der Regel in Parallelgruppen durchgeführt. Neben der Experimentalgruppe, welche das Prüfpräparat erhält, werden eine oder mehrere Kontrollgruppen in der Studie behandelt. Die Zuordnung zur jeweiligen Behandlungsgruppe erfolgt zufällig (randomisiert).

3.3 Verblindung

Eine kontrollierte Studie kann offen, einfachblind oder doppelblind durchgeführt werden.

  • Offen bedeutet, dass die Behandlung für alle Beteiligten (Prüfarzt und Patient) offengelegt ist.
  • In den meisten Fällen werden Studien als Doppelblindstudien durchgeführt, in welchen weder der Arzt noch der Patient über die Behandlung informiert sind. Dies dient dazu, den Effekt der Selbstsuggestion zu unterbinden und auch den Rosenthal-Effekt zu kontrollieren. Mit dem Double-Dummy-Verfahren können auch Vergleiche zweier unterschiedlicher Darreichungsformen (z.B. Tablette versus Salbe) als eine Doppelblindstudie durchgeführt werden.
  • Bei einfach verblindeten Studien ist nur einer der Beteiligten verblindet, entweder Prüfarzt/in (investigator-blind) oder Patient/in (subject-blind). Grund für eine einfach verblindete Studie kann die Art der Behandlung sein, beispielsweise wenn es sich nicht vermeiden lässt, dass diese für die Patienten bei der Einnahme erkennbar ist (z.B. Lutschtabletten am Geschmack).

3.4 Randomisierung

Um die Repräsentativität und Vergleichbarkeit der Stichproben zu erhöhen, führt man eine Randomisierung durch, d.h., dass die einzelnen Probanden zufällig auf die Behandlungsgruppen verteilt werden.

Mit der Randomisierung wird erreicht, dass sich die Vergleichsgruppen in ihren Merkmalen zu Beginn der Behandlung so wenig wie möglich unterscheiden (Strukturgleichheit der Ausgangsbedingungen). Dies bezieht sich sowohl auf allgemeine Merkmale, wie z.B. die Altersverteilung, wie auch auf Charakteristika der Erkrankung, die in der Studie untersucht wird.

3.5 Parallelisierung

Auch der Vorgang der Parallelisierung dient der Erhöhung der Repräsentativität und Vergleichbarkeit von Stichproben. In diesem Fall ordnet man einer Person der Experimentalgruppe eine Person der Kontrollgruppe zu, wobei sich beide Personen in bestimmten Eigenschaften (Alter, Geschlecht oder auch persönliche Eigenschaften wie Extrovertiertheit, etc.) gleichen. Dieser Vorgang wird vor allem bei kleinen Stichproben angewandt.

siehe auch: Verzeichnis klinischer Studien

4 Quellen

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