Das Medizinlexikon zum Medmachen

Bitte loggen Sie sich ein, um diesen Artikel zu bearbeiten.
Bearbeiten

Ovarialzyste

Synonym: funktionelle Zyste
Englisch: ovarian cyst

1 Definition

Eine Ovarialzyste ist ein gutartiger, flüssigkeitsgefüllter Tumor im Eierstock der Frau.

2 Ätiologie und Pathogenese

Ovarialzysten haben unterschiedliche Ursachen, daher unterscheidet man verschiedene Formen funktioneller Zysten:

2.1 Follikelzysten

Bleibt die Ovulation aus, bleibt der Graaf-Follikel bestehen und füllt sich immer weiter mit Flüssigkeit. Dies führt zur Ausbildung einer Follikelzyste. Diese Art von Ovarialzysten kommt vor allem bei Frauen mit unregelmäßigen Menstruationszyklen vor (junge Mädchen und ältere Frauen im Klimakterium). Meistens bilden sich Follikelzysten nach 6-8 Wochen spontan zurück.

2.2 Corpus-luteum-Zyste

Corpus-luteum-Zysten bilden sich aus dem Gelbkörper (Corpus luteum) und können sowohl in der Schwangerschaft als auch in normalen Zyklen entstehen. Der Zysteninhalt ist klar-gelblich und die Zysten werden in der Regel nicht größer als 8 cm.

Die Granulosazellen, die sich in der Wand der Zyste befinden, bilden Progesteron. Dies führt zum Ausbleiben der Menstruation. Daher sollten Corpus-Luteum-Zysten in der Frühschwangerschaft nicht entfernt werden, da Progesteron ein wichtiges schwangerschaftserhaltendes Hormon ist.

2.3 Granulosa-Theka-Luteinzyste

Diese Art von Zysten entsteht durch ein Ungleichgewicht im Hormonhaushalt. Die häufigste Ursache ist eine künstliche Auslösung des Eisprungs (Ovulation) durch Hormongabe - meist HCG. Luteinzysten können sehr groß werden (bis zu 20cm). Sie verschwinden jedoch meist nach Absetzen der Hormonzufuhr.

2.4 Schokoladenzyste

Ursache von Schokoladenzysten (Synonym: Teerzyste) ist die Endometriose. Die Zysten entstehen durch Einblutungen aus Endometrioseherden. Der Name leitet sich von dem dickflüssigen, bräunlichen Zysteninhalt her.

2.5 Paraovarialzyste

Eine Paraovarialzyste ist ein Überbleibsel des embryonalen Wolff-Gangs und des Mesonephrons.

2.6 Polyzystische Ovarien

Synonym: PCO-Syndrom Beim PCO-Syndrom besteht eine Störung im Hormonhaushalt, wodurch es zu einer vorzeitigen Luteinisierung kommt. In der Zystenwand befinden sich Thekazellen, die männliche Geschlechtshormone (Androgene) bilden. Dadurch kommt es zu einer Hyperandrogenämie, die zu Zyklusstörungen und Virilisierung führt. Polyzystische Ovarien kommen meist bilateral vor.

3 Symptome

Oft sind funktionelle Zysten ein Zufallsbefund. Meist leiden die Patientinnen unter Zyklusstörungen wie Hypermenorrhö oder Amenorrhö. Diese entstehen durch Störungen im Hormon-Gleichgewicht, da die Epithelzellen in der Zystenwand Androgene oder Östrogen bilden.

Weiterhin kann es bei großen Zysten oder bei Zystenruptur zu Schmerzen kommen.

4 Diagnose

Wichtig ist die genaue Anamnese, die das Alter der Patientin, sowie Fragen nach der Beschaffenheit des Menstruationszyklus und einer eventuellen externen Hormonzufuhr (z.B. Orale Antikonzeptiva) enthalten sollte.

Manchmal lassen sich Zysten bei der gynäkologischen, bimanuellen Untersuchung ertasten.

Die beste Möglichkeit zur Diagnose ist der vaginale Ultraschall. Die Zyste zeigt sich als glattwandige Raumforderung mit echoarmem Inhalt.

5 Therapie

Follikelzysten, Corpus-luteum-Zysten und Luteinzysten bilden sich meist spontan zurück, so dass eine spezifische Therapie meist nicht notwendig ist. Die sonographische Nachkontrolle sollte nach 6-8 Wochen erfolgen. Bei Schmerzen können Spasmolytika verabreicht werden.

Ovulationshemmer verhindern die Entstehung von Zysten. Sie sind indiziert bei rezidivierenden funktionellen Zysten.

Bei sehr großen Zysten oder wenn keine spontane Rückbildung erfolgt sollte eine laparoskopische Entfernung der Zyste vorgenommen werden. Bei Komplikationen ist eine sofortige Therapie unerlässlich.

6 Komplikationen

6.1 Zystenruptur

Bei einer Zystenruptur reißt die dünne Wand der Zyste ein und der flüssige Inhalt gelangt in die Bauchhöhle. Die daraus resultierende Reizung des Peritoneums führt zu starken, akut einsetzenden Schmerzen (Peritonismus).

6.2 Stielgedrehte Ovarialzyste

Hier dreht sich das Ovar im Ligamentum suspensorium ovarii um seine eigene Achse. Dadurch kommt es zu einer Abklemmung der Arteria ovarica und der Vena ovarica. Die Patientinnen leiden unter sehr starken Schmerzen, die oft nach einer Lageänderung oder einer schnellen Bewegung plötzlich einsetzen. Die Gefahr bei einer Stieldrehung ist die hämorrhagische Infarzierung und irreversible Nekrose des Ovars. Daher ist eine sofortige Laparoskopie mit Detorquierung des Ovars notwendig, um das Ovar zu erhalten.

Fachgebiete: Gynäkologie

Um diesen Artikel zu kommentieren, melden Sie sich bitte an.

Letzte Autoren des Artikels:

14 Wertungen (3.86 ø)
Teilen

57.601 Aufrufe

Das Flexikon enthält bereits 43.383 Artikel - jetzt mitmachen & weitersagen!

Copyright ©2014 DocCheck Medical Services GmbH