Bitte logge Dich ein, um diesen Artikel zu bearbeiten.

Endometriose

Synonym: Endometriosis, Morbus Breckwoldt

1 Definition

Als Endometriose wird das herdförmige Vorkommen von Endometrium (Uterusschleimhaut) außerhalb der physiologischen Lokalisation bezeichnet. Das atypisch lokalisierte endometriale Gewebe ist genau wie das Endometrium abhängig von den Hormonwirkungen im Rahmen des weiblichen Zyklus.

Die Endometriose ist ein Krankheitsbild aus der Gynäkologie.

2 Epidemiologie

Zur Häufigkeit der Endometriose gibt es in der Literatur unterschiedliche Angaben. Schätzungen zufolge sollen 6 bis 10% der gebärfähigen weiblichen Bevölkerung unter Endometriose leiden.[1]

3 Lokalisation

Nach dem Ort des Vorkommens kann man verschiedene Formen der Endometriose unterscheiden.

3.1 Endometriosis genitalis interna

Bei der Endometriosis genitalis interna findet man Endometrioseherde innerhalb der Gebärmutter (interna), aber außerhalb der Gebärmutterschleimhaut. Auch die Endometriose des Eileiters wird dazu gerechnet.

3.1.1 Adenomyosis uteri

Im Rahmen der Endometriosis uteri interna entsteht Drüsengewebe in der Muskulatur der Gebärmutter. Dies wird als Adenomyosis uteri bezeichnet. Es kann wenige Tage vor der Menstruationsblutung aufgrund der Wassereinlagerung (raumfordernder Prozess) in die Endometrioseherde zu einer Dysmenorrhö (Regelschmerzen) kommen. Die Schmerzen lassen in der Regel bei Einsetzen der Regelblutung nach.

Ein weiteres Symptom der Adenomyosis uteri kann eine Menorrhagie sein. Hierrunter versteht man eine verlängerte und oft verstärkte Menstruationsblutung. Die Blutgefäße, welche die Gebärmutterschleimhaut versorgen, verlaufen durch den Muskel und werden bei Muskelkontraktion komprimiert. Die schleimhautversorgenden Gefäße sind während der Menstruation geöffnet. Die Kompression durch den Muskel verhindert eine übermäßige Blutung. Liegt eine Endometriose oder ein Myom vor, kann die Kontraktion des Muskels an dieser Stelle eingeschränkt sein. Folge ist die fehlende Kompression der Blutgefäße und somit eine verlängerte oder verstärkte Regelblutung.

3.1.2 Endometriosis tubae

Die Endometriosis tubae befindet sich im Eileiter. Mögliche Folgen sind:

  • Hämatosalpinx = Blutansammlung im Eileiter
  • Erhöhte Gefahr einer Eileiterschwangerschaft, da sich der Keimling im Endometrioseherd einnisten kann
  • Entzündungsreaktionen mit Vernarbungen
  • Tubenmotilitätsstörungen = Einschränkung des Bewegungsvermögens, was eine Voraussetzung für den Transport der Eizelle ist
  • Die Endometriose ist häufigste Ursache der sekundären Sterilität. Voraussetzung ist, dass sich die oben genannten Prozesse beidseitig entwickeln.

3.2 Endometriosis genitalis externa

Die Endometrioseherde befinden sich innerhalb des Genitalbereichs (genitalis), aber außerhalb der Gebärmutter (externa). So lassen sich nach Lokalisation unterscheiden:

3.2.1 Ovarialendometriose

Hier befinden sich Herde im Eierstock. Sie "bluten", das Blut kann jedoch nicht aus dem Eierstock entfernt werden. Es sammelt sich an, dickt ein und bildet so einen Hohlraum, der aufgrund des dunklen geronnenen Blutes Teer- oder Schokoladenzyste genannt wird.

3.2.2 Vaginalendometriose

Die Vaginalendometrioseherde blutet simultan zum Uterus. Daher bleiben sie unbemerkt, es sei denn, die Gebärmutter wird aus irgendwelchen Gründen entfernt. Dann kommt es trotz fehlender Gebärmutter weiterhin zu "Menstruationsblutungen".

3.2.3 Douglas-Endometriose

Die Bauchfellvertiefung zwischen Gebärmutter und Mastdarm wird als Douglas-Raum bezeichnet. Dort können Endometrioseherde durch Vernarbung zu Adhäsionen (Verwachsungen) von Mastdarm und Gebärmutter führen. Durch die eingeschränkte Bewegungsfreiheit der Gebärmutter hat die Frau Schmerzen beim Geschlechtsverkehr (Dyspareunie). Hintergrund ist, dass der Penis des Mannes im Schnitt länger ist, als die 10 cm lange Vagina. Daher muss sich die Gebärmutter beim Geschlechtsverkehr mitbewegen können, ansonsten kommt es zu Schmerzen.

3.3 Endometriosis extragenitalis

Die Endometriosis extragenitalis befindet sich außerhalb der Geschlechtsorgane, zum Beispiel:

4 ICD-10 Klassifikation

Die Endometriose wird durch die ICD10-Klassifikation entsprechend ihrer Lokalisation kodiert.

Code Bezeichnung
N80 Endometriose
N80.0 Endometriose des Uterus
N80.1 Endometriose des Ovars
N80.2 Endometriose der Tuba uterina
N80.3 Endometriose des Beckenperitoneums
N80.4 Endometriose des Septum rectovaginale und der Vagina
N80.5 Endometriose des Darmes
N80.6 Endometriose in Hautnarbe
N80.8 Sonstige Endometriose
N80.9 Endometriose, nicht näher bezeichnet

5 Epidemiologie

Etwa 7-15 % der Frauen sind von der Endometriose betroffen. Zwei Drittel der Betroffenen sind symptomatisch. Die Endometriose tritt familiär gehäuft auf.

6 Pathogenese

Die Pathogenese der einzelnen Formen der Endometriose ist uneinheitlich und zum derzeitigen Zeitpunkt (2014) nicht vollständig klar. Grundsätzlich sind fünf Erklärungsansätze zur Entstehung der Endometriose in Betracht zu ziehen.

  • Der Regurgitationstheorie zufolge werden bei der Menstruation funktionstüchtige Zellen des Endometriums in das Ovar verschleppt und nisten sich dort ein.
  • Die Theorie der ektopen Metaplasie geht davon aus, dass versprengtes embryonales Gewebe sich an Stellen der Endometrioseherde differenziert.
  • Vaskuläre und lymphatische Streuung ist der Kerninhalt einer weiteren Theorie. Demnach werden funktionsfähige Zellen auf dem Blut- bzw. Lymphweg in weit entfernte Gewebe getragen, um sich dort absiedeln zu können.
  • Iatrogene Verschleppung bei Operationen.
  • Die Coelom-Metaplasie-Theorie beschreibt die metaplastische Neuentstehung von Endometriumzellen. Gemeinsamen embryonalen Ursprung haben Coelom, Müller'sche Gänge, ovarielles Keimepithel und das Peritoneum. Dies legt nahe, dass manche Endometrioseherde als Differenzierungsprodukte metaplastischer Coelomzellen aufgefasst werden können.

Die gennanten Theorien besitzen nicht allgemeine Gültigkeit. Zusammen genommen bieten sie allerdings die Möglichkeit, die Entstehung der Endometriose plausibel zu erklären.

7 Symptome

Die Endometriose kann mit völlig symptomfrei sein. Jedoch gibt es auch schwere Verläufe, die in der Regel mit abdominellen Schmerzen und Dysmenorrhö einhergehen.

Je nach Lokalisation des Herdes können weitere charakteristische Symptome auftreten. Beispielsweise wird bei Befall des Douglas-Raums die Kohabitation schmerzhaft empfunden. Bei Befall der Tuben oder des Myometriums können narbige Verwachsungen eine Sterilität bedingen.

8 Diagnostik

Bei Verdacht auf Endometriose sollte insbesondere bei Vorliegen einer Sterilität die Pelviskopie durchgeführt werden. So kann ein Befall der Tuben und der Ovarien festgestellt werden.

9 Therapie

Durch Gabe von Gestagenen kann eine Atrophie der Endometrioseherde erreicht werden. Ein weiteres therapeutisches Prinzip ist die Gabe von Danazol , einem Androgen-Derivat, das in Deutschland seit 2006 nicht mehr im Handel ist. Sein therapeutischer Nutzen ist jedoch eingeschränkt, da es zu einer Virilisierung führt. GnRH-Analoga können ebenfalls zur Therapie beitragen, da sie die Ovarien in einen Ruhezustand versetzen und so die zyklische Blutungsneigung der Endometriose unterbinden können.

Mit der medikamentösen Therapie kann so ein narbiger Umbau der Endometriose mit folgender Funktionslosigkeit der betroffenen Regionen vermindert bzw. verhindert werden.

Bei Nichtansprechen auf die konservative Therapie oder bei Vorliegen von Kontraindikationen können die Herde chirurgisch mittels Elektrokoagulation oder Wärmekoagulation abgetragen werden. Häufig empfiehlt sich eine Kombinationstherapie aus medikamentöser und chirurgischer Behandlung, um Rezidive zur vermeiden.

10 Quellen

  1. Bulletti, Carlo et al.: "Endometriosis and infertility". Journal of Assisted Reproduction and Genetics. 27 (8): 441–447. doi:10.1007/s10815-010-9436-1. ISSN 1573-7330. PMC 2941592  . PMID 20574791.

Tags: , ,

Fachgebiete: Gynäkologie, Pathologie

Um diesen Artikel zu kommentieren, .

Klicke hier, um einen neuen Artikel im DocCheck Flexikon anzulegen.

Letzte Autoren des Artikels:

26 Wertungen (3.96 ø)
Teilen

107.892 Aufrufe

Du hast eine Frage zum Flexikon?
DocCheck folgen: