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Immuntoleranz

Englisch: immunological tolerance, immunotolerance

1 Definition

Als Immuntoleranz bezeichnet man eine ausbleibende bzw. stark verminderte Reaktion des Immunsystems ("Immunantwort") gegenüber einem Antigen.

Eine Immuntoleranz besteht nur für spezifische Antigene. Von ihr wird die medikamentös herbeigeführte, allgemeine Immunsuppression (z.B. bei Transplantat-Empfängern) abgegrenzt.

2 Hintergrund

Besteht eine Immuntoleranz, ist das spezifische Immunsystems (B-Lymphozyten, T-Lymphozyten) nicht in der Lage, ein oder mehrere Antigene zu erkennen und mit einer Immunantwort auf sie zu reagieren. Die Immuntoleranz ist eine wichtige Eigenschaft des Immunsystems, da sie die Ausbildung von Antikörpern gegenüber potenziellen Antigenen des eigenen Organismus und damit eine Autoaggression verhindert. Wahrscheinlich spielt sie eine wichtige Rolle bei der Auslösung von Autoimmunkrankheiten und Tumoren.

Immuntoleranz ist keine angeborene Eigenschaft, sondern wird während der Lymphozytenentwicklung erworben. Sie ist normalerweise auf körpereigene Epitope beschränkt, kann aber unter gewissen Umständen auch gegenüber Fremdepitopen erzeugt werden. Unreife Lymphozyten sind dabei empfänglicher für eine Toleranzinduktion als reife Zellen.

3 Einteilung

Man unterscheidet zwei Formen der Immuntoleranz:

3.1 Zentrale Toleranz

Die zentrale Toleranz findet während der Ontogenese in den zentralen lymphatischen Organen statt. Sie hält lebenslang an, weil Lymphozyten-Zelllinien mit bestimmten Antigenrezeptoren dabei absterben. Man spricht auch von "klonaler Deletion".

3.2 Periphere Toleranz

Die periphere Toleranz ist erst seit wenigen Jahren erforscht. Sie betrifft reife, ausdifferenzierte Lymphozyten, welche die zentralen lymphatischen Organe verlassen haben. Hier entwickelt sich eine klonale Anergie gegenüber dem Antigen. Auch die periphere Toleranz kann lebenslang anhalten, sofern das Antigen weiterhin in Kontakt mit dem Immunsystem steht.

Fachgebiete: Immunologie

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