Vom 16. bis 23. Juli steht das Flexikon nur im Lesemodus zur Verfügung.
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Liebe Autoren,

Wir sind gen Süden gefahren und machen eine Pause. Deswegen steht das Flexikon vom 16. bis 23. Juli 2018 nur im Lesemodus zur Verfügung. Ab dem 24. Juli könnt ihr wieder mit voller Kraft losschreiben.

Unser Tipp: Genießt die Sonne! Wir freuen uns auf jeden Fall, wenn ihr frisch erholt wiederkommt!

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Euer Flexikon-Team

Dekubitusprophylaxe

Englisch: pressure sore prevention, decubitus ulcer prevention

1 Definition

Unter Dekubitusprophylaxe versteht man die Summe aller Maßnahmen, die zur Vermeidung eines Dekubitus unternommen werden.

2 Elemente der Dekubitusprophylaxe

2.1 Risikoerkennung

Das wichtigste Element der Dekubitusprophylaxe ist die Erkennung des Risikos. Dabei ist nicht nur ein gutes Fachwissen nötig, sondern auch der Einsatz von klinischen Assessmentinstrumenten wie die Norton- oder Braden-Skala. Es sollte zwei Mal pro Pflegeschicht die Haut des Patienten inspiziert werden, um pathologische Veränderungen schnell zu erkennen.

2.2 Mobilisation

Sofern möglich, sollten Patienten regelmäßig mobilisiert bzw. zur selbstständigen Mobilisation aufgefordert werden. Bei jeder Mobilisation eines Patienten sollte darauf geachtet werden, dass das Gewebe geschont wird.

2.3 Ernährung

Eine wichtige Grundlage der Dekubitusprophylaxe ist eine ausreichende Menge an Nährstoffen. Bereits im Rahmen der Anamnese des Patienten sollte man festhalten, ob dieser unter Essstörungen bzw. Kau– und Schluckbeschwerden leidet, um eine adäquate Ernährung sicher zu stellen. Im Bedarfsfall kann mit entsprechender Spezialnahrung eine Mangelversorgung vermieden werden.

Bei Patienten, die älter als 65 Jahre sind, beträgt die benötigte Kalorienmenge ca. 1700 kcal bei Frauen und 1900 kcal bei Männern. Dabei ist eine tägliche Proteinaufnahme von 0,8 g Eiweiß/kg KG anzustreben, da ein Eiweißmangel zu Ödemen und verringerter Ischämietoleranz führen kann. Die Eiweißaufnahme sollte bei bestehendem Dekubitus auf 1–1,25 g/kgKG zwecks besserer Wundheilung erhöht werden. Auf die Aufnahme von Vitaminen und Mineralstoffen (z.B. Zink, Natrium, Calcium) sollte ebenfalls geachtet werden, da diese gar nicht oder nur über geringe Zeiträume vom Körper gespeichert werden können, und zur reibungslosen Funktion der Haut benötigt werden.

2.4 Flüssigkeitszufuhr

Ferner ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr wichtig, da Dehydration und Exsikkose zu einer schlechteren Durchblutung führen, was wiederum die Ischämietoleranz senkt.

2.5 Lagerung

Regelmäßige Lagerungen in einem festen Zeitintervall sind nötig, um das Gewebe zu entlasten und für eine ausreichende Blutzirkulation zu sorgen. Feste Intervalle sollten anhand des Hautzustandes und der Hypoxietoleranz festgelegt werden. Hier eignet sich gut das Erstellen eines Lagerungsplanes, der für jeden Mitarbeiter verbindlich ist. Die Lagerungs- und Transfertechniken sollten gewebsschonend sein.

2.6 Hilfsmittel

Der Einsatz von speziellen Lagerungshilfsmitteln wie Weichlagerungsmatratzen, Wechseldruck-systemen und Mikro-Stimulations-Systemen erleichtert das Dekubitus-Management. Der Einsatz dieser Systeme sollte aber mit Vorsicht erfolgen. Bei Patienten nach Apoplex kann es aufgrund der Plegien und der Wahrnehmungsstörungen zu einer Verstärkung der Symptomatik kommen. Schmerzpatienten können eine Schonhaltung entwickeln.

2.7 Hautpflege

Eine gute Hautpflege ist oberste Priorität. Nur durch eine intakte und gepflegte Haut kann ein Dekubitus verhindert werden oder zumindest die Entstehung kann herausgezögert werden. Bei trockener Haut sollten Wasser-in-Öl-Lotionen verwendet werden.

2.8 Bettklima

Häufig kann man beobachten, dass Patienten in einem nassgeschwitzten Bett liegen. Das fördert die Mazeration der Haut und somit auch die Dekubitusentstehung. Im Bett dürfen keine Fremdkörper liegen, die auf das Gewebe drücken. Auf unnötiges und übermäßiges Inkontinenzmaterial sollte man ebenfalls verzichten.

2.9 Anleitung und Schulung

Patienten und deren Angehörigen haben oft Wissensdefizite. Eine gute Schulung und Anleitung sensibilisiert die Patienten und deren Angehörige.

2.10 Kontinuität

Alle prophylaktischen Maßnahmen müssen konsequent und kontinuierlich durchgeführt werden.

2.11 Überprüfung der Effektivität

Die Maßnahmen zur Dekubitusprophylaxe müssen regelmäßig und engmaschig überprüft werden. Hier ist vor allem eine gute Hautinspektion erforderlich. Dies lässt sich am besten bei jeder Mobilisation und Körperpflege eines Patienten durchführen. Pro Schicht sollte die Haut des Patienten mindestens zwei Mal inspiziert und evtl. Veränderungen dokumentiert werden.

3 Expertenstandard Dekubitusprophylaxe in der Pflege

Das Deutsche Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) fordert im Expertenstandard zur Dekubitusprophylaxe (1. Aktualisierung 2010), dass das Pflegefachpersonal die systematische Risikoeinschätzung, Schulung von Patienten/ Bewohnern, Bewegungsförderung, Druckentlastung und -verteilung sowie die Kontinuität und Evaluation prophylaktischer Maßnahmen gewährleistet.

Struktur Prozess Ergebnis
Die Pflegefachkraft

S1 - verfügt über aktuelles Wissen zur Dekubitus­ent­stehung sowie über die Kom­petenz, das Dekubitus­risiko einzuschätzen.

Die Pflegefachkraft

P1 - beurteilt mittels eines systema­tischen Vorgehens das Dekubitus­risiko aller Patienten/ Bewohner, bei denen eine Gefähr­dung nicht ausge­schlossen werden kann. Dies geschieht unmittelbar zu Beginn des pflegerischen Auftrags und danach in individuell festzu­legenden Abständen sowie unver­züglich bei Veränderungen der Mobilität, der Aktivität oder bei Ein­wirkung von externen Faktoren (z. B. Sonden, Katheter), die zur erhöhten und/ oder verlängerten Ein­wirkung von Druck und/ oder Scher­kräften führen.

E1 Eine aktuelle, syste­ma­tische Ein­schätzung der Deku­bitus­gefähr­dung liegt vor.
S2 - beherrscht haut- und gewebe­schonende Bewegungs-, Lagerungs- und Transfer­techniken. P2 - gewährleistet auf der Basis eines indivi­duellen Bewegungs­planes sofortige Druck­ent­lastung durch die regelmäßige Bewegung des Patienten/ Bewohners, Mikro­bewegung, scherkräfte­armen Transfer, und fördert soweit wie möglich die Eigen­bewegung des Patienten/ Bewohners. E2 Ein individueller Bewegungs­plan liegt vor.
S3a - verfügt über die Kompetenz, die Not­wendigkeit und die Eignung druck­verteilender Hilfsmittel zu beurteilen.

S3b Dem Risiko des Patienten/ Bewohners entsprechende druck­ver­teilende Hilfsmittel (z. B. Weich­lagerungs­kissen und - matratzen, Spezial­betten) sind unver­züglich zugänglich.

P3 - wendet zusätzlich zu druckent­lastenden Maß­nahmen die geeigneten druck­ver­teilenden Hilfs­mittel an, wenn der Zustand des Patienten/ Bewohners eine aus­reichende Bewegungs­förderung nicht zulässt. E3 Der Patienten/ Bewohner befindet sich unverzüglich auf einer für ihn geeigneten druckver­teilenden Unterlage.
Die Pflegefachkraft

S4 - verfügt über Fähig­keiten sowie über Informations- und Schulungs­material zur Anleitung und Beratung des Patienten/ Bewohners und seiner Angehörigen zur Förderung der Bewegung des Patienten/ Bewohners, zur Haut­beobachtung zu druck­ent­lastenden Maß­nahmen und zum Umgang mit druck­ver­teilen­den Hilfs­mitteln.

P4 - erläutert die Dekubitus­gefährdung und die Not­wendigkeit von prophy­laktischen Maß­nahmen und deren Evaluation und plant diese individuell mit dem Patienten/ Bewohner und seinen Angehörigen. E4 Der Patient/ Bewohner und seine Angehörigen kennen die Ursachen der Dekubitus­gefährdung sowie die geplanten Maß­nahmen und wirken auf der Basis ihrer Möglichkeiten an deren Umsetzung mit.
Die Einrichtung

S5 - stellt sicher, dass alle an der Versorgung des Patienten/ Bewohners Beteiligten den Zusammen­hang von Kontinuität der Inter­vention und Erfolg der Dekubitus­prophylaxe kennen und gewähr­leistet die Informations­weitergabe über die Dekubitus­gefährdung an externe Beteiligte

P5 - informiert die an der Ver­sorgung des dekubitus­gefährdeten Patienten/ Bewohners Beteiligten über die Not­wendig­keit der kontinuier­lichen Fort­führung der Inter­ventionen (z. B. Personal in Arztpraxen, OP-, Dialyse- und Röntgen­abteilungen oder Transport­diensten). E5 Die Dekubitus­gefährdung und die not­wendigen Maß­nahmen sind allen an der Versorgung des Patienten/ Bewohners Beteiligten bekannt.
Die Pflegefachkraft

S6 - verfügt über die Kompetenz, die Effekti­vität der prophy­laktischen Maß­nahmen zu beurteilen.

P6 - begutachtet den Haut­zustand des gefährdeten Patienten/ Bewohners in individuell zu bestimmenden Zeit­abständen. E6 Der Patient/ Bewohner hat keinen Dekubitus.

4 Quellen &Weblinks

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