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Conchotomie

von griechisch: concha - Muschel, tomein - schneiden
Synonyme: Muschelreduktion, Nasenmuschelverkleinerung
Englisch: turbinectomy

Inhaltsverzeichnis

1 Definition

Als Conchotomie bezeichnet man Maßnahmen zur (chirurgischen) Verkleinerung von vergrößerten Nasenmuscheln (Conchae nasales).

2 Hintergrund

Chronisch behinderte Nasenatmung ist ein sehr weit verbreitetes Problem in der HNO-Praxis. Sie wird sehr häufig durch vergrößerte Nasenmuscheln, in der Regel die untere und gleichzeitig größte Nasenmuschel (Concha nasalis inferior) verursacht - meist infolge einer allergischen Rhinitis (Heuschnupfen im Rahmen von Allergien) oder einer vasomotorischen Rhinitis (nicht allergische, nicht infektöse Reaktion des autonomischen Nervensystems in der Nase).

Bei längerem Bestehen der Nasenatmungsbehinderung kann es neben einer Reduzierung des Allgemeinbefindens zur Schleimhautaustrocknung bei sekundärer Mundatmung kommen, was die Anfälligkeit für Infekte erhöht.

Wenn konservative Therapiemaßnahmen keine dauerhafte Besserung bringen, ist eine chirurgische Behandlung angezeigt.

3 Conchotomie bzw. Mukotomie

Es gibt zahlreiche chirurgische Möglichkeiten der Nasenmuschelverkleinerung und eine noch größere Vielzahl an Bezeichnungen der verschiedenen Techniken.

Im Allgemeinen versteht man unter Conchotomie, Mukotomie oder Conchomukotomie Maßnahmen, bei denen überstehende Schleimhautlappen der unteren Nasenmuschel abgetragen werden, um die Atmung zu erleichtern.

Der Begriff Conchotomie heißt wörtlich eigentlich Zurechtschneiden einer Nasenmuschel. In der Regel wird aber meist nur die Schleimhaut abgetragen; passender wäre demnach in den meisten Fällen der Begriff "Mukotomie". In manchen Fällen kann es aber nötig sein, dass tatsächlich auch Teile der Concha nasalis inferior bzw. des Os turbinale reseziert werden müssen.

4 Einteilung

Man unterscheidet nach dem Umfang der Gewebeentfernung:

  • partielle Conchektomie: teilweise Entfernung einer Nasenmuschel
  • komplette Conchektomie: komplette Entfernung einer Nasenmuschel

5 Techniken

5.1 Laserchirurgische Muschelreduktion

Bei der heute weit verbreiteten Technik wird durch einen Laser (Argon-Laser, Nd:YAG-Laser, Ho:YAG-Laser, KTP-Laser, CO2-Laser, Dioden-Laser) die Nasenschleimhaut gezielt thermisch geschädigt. Durch anschließender Narbenbildung am Schleimhautepithel und der Submukosa wird die Schwellung und die Sekretion eingedämmt. Der Eingriff wird unter Regionalanästhesie (in Betäubungsmittel getränkte Wattetupfer) und ambulant durchgeführt. Die Methode ist zuverlässig, risikoarm und wenig belastend. Die Erfolgsrate wird zwischen 76 und 93% angegeben.

5.2 Radiofrequenztherapie

Bei der Radiofrequenztherapie wird lokal Wechselstrom appliziert, der zu thermischen Schädigung tiefer Schichten der Nasenschleimhaut führt. Im Rahmen der Narbenbildung kommt es zu einer Kontraktion der Schleimhaut und damit zu einer Erweiterung der Luftwege. Die Erfolgsrate liegt bei über 80%.

5.3 Submuköse Diathermie

Applikation von Strom über Elektroden mit folgender Vernarbung der Muschelschleimhaut (Elektrostich-Koagulation). Erfolgsrate ca. 80%.

5.4 Bipolare Schleimhaut-Kaustik

Hierbei kommt es zu einer Hitze-Koagulation der oberflächlichen Schleimhaut mit folgender Vernarbung. Geringe Erfolgsquote über längere Sicht.

5.5 Kryotherapie

Vereisung und Denaturierung der Schleimhautzellen mit Hilfe von flüssigem Stickstoff mit folglicher Zerstörung der Mukosa, Submukosa und autonomen Nerven. Die Erfolgsrate liegt bei ca. 80%.

5.6 Infrarotkoagulation

Hierbei kommt es zu Hitzeschädigung und Absterben von Zellen durch gebündeltes Infrarotlicht.

5.7 Argon-Plasma-Therapie

Mit Hilfe von Strom und ionisiertem Argon-Gas (Plasma), wird ohne direkten Kontakt mit der Elektrode die Schleimhaut koaguliert, was zu einer Schrumpfung führt.

5.8 konventionelle Streifenconchotomie

Bei der "Streifen"-conchotomie wird ein Streifen der Schleimhaut der unteren Nasenmuschel auf konventionellem Wege chirurgisch reseziert.

6 Risiko

Im Allgemeinen ist das Risko bei einem Eingriff zur Nasenmuschelverkleinerung gering. Es kann zu Nachblutungen kommen.

Bei zu radikaler Abtragung kann es zu einer trockenen Nase kommen, da die Befeuchtungsfunktion der Conchae nasales dann zum Erliegen kommt. Sehr selten kommt es zu einer Krustenbildung und bakteriellen Infektion unter dem klinischen Bild einer "Stinknase" (Ozaena).

Der entscheidende Nachteil ist, dass aufgrund der hohen Regenerationsfreudigkeit der Nasenschleimhaut, die abgetragenen Teile nachwachsen können, so dass dann die chirurgische Abtragung keinen großen Nutzen gebracht hat. Conchomukotomien können jedoch bei Bedarf mehrfach wiederholt werden.

Die Korrektur einer evtl. zusätzlich vorhandenen Septumdeviation (Abweichung/Krümmung der Nasenscheidewand zu einer Seite) ist in manchen Fällen sinnvoll.

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