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Borrelia burgdorferi

1 Definition

Borrelia burgdorferi ist ein gram-negatives Schraubenbakterium aus der Gattung der Borrelien mit unregelmäßig gewundener Struktur.

2 Stoffwechsel

Borrelia burgdorferi ist einer der wenigen pathogenen Erreger, die ohne Eisen überleben können. Die Eisen-Schwefel-Enzymkomplexe wurden in seinem Stoffwechsel durch Mangan-basierte Enzyme ersetzt. Auf diese Weise umgeht das Bakterium die aufwändige Rekrutierung von Eisen im Wirtsorganismus.

3 Vorkommen

Hauptverbreitungsgebiet des Erregers ist Nordamerika. Borrelia burgdorferi kommt aber auch in Europa vor.

4 Übertragung

Borrelia burgdorferi wird in erster Linie durch Zeckenbisse übertragen. Als Reservoir gelten vor allem kleinere Nager und Rotwild. Borrelien können sowohl von Kollagen geschützt extrazellulär, als auch intrazellulär in Phagozyten jahrelang persistieren.

Der Erreger konnte in Deutschland auch in Stechmücken nachgewiesen werden. Als Vektoren spielen sie jedoch wahrscheinlich nur eine untergeordnete Rolle.[1]

5 Pathogenese

Borrelien exprimieren auf ihrer Oberfläche, der äußeren Membran, bestimmte Proteine (Osp, Outer surface protein), die als Zytokine und Adhäsine wirken.

6 Klinik

Nach anfänglicher Vermehrung an der Eintrittsstelle erfolgt eine hämatogene Ausbreitung, die zum Befall verschiedener Organsysteme führt und in das klinische Bild der Lyme-Borreliose mündet. Es kann jedoch auch ein völlig asymptomatischer Verlauf entstehen. Nach einer Inkubationszeit von drei bis 32 Tagen kommt es schließlich zur Entstehung von ersten Symptomen.

Eine intrauterine Übertragung mit Fehlentwicklungen bzw. Aborten ist möglich.

6.1 Stadium 1

Primäraffekt ist das Erythema chronicum migrans mit einer Persistenz von bis zu 6 Monaten und die Lymphadenosis cutis benigna. Dieses Stadium klingt meist auch ohne Behandlung ab. Der Primäraffekt kann fehlen.

6.2 Stadium 2

Wenige Wochen später kommt es zu grippeartiger Allgemeinsymptomatik und bei ca. 80% der Patienten zu verschiedenen neurologischen Ausfall- und Reizerscheinungen wie z.B. einer Facialisparese, die auch als Meningopolyneuritis Bujadoux-Bannwarth bezeichnet werden.

6.3 Stadium 3

Die Erkrankung wird chronisch. Es entwickelt sich eine Lyme-Arthritis und eine Acrodermatitis chronica atrophicans. Regional unterscheidet sich die Ausprägung. In Europa überwiegen die neurologischen Symptome und die Hautatrophie, in den USA dominieren die Arthritiden.

7 Diagnostik

Diagnostisch sind spezifische Antikörper gegen Borrelia burgdorferi von Bedeutung, die im Western-Blot nachgewiesen werden können. Hier kann es zu Kreuzreaktionen mit Antikörpern gegen Treponema pallidum kommen.

8 Therapie

Im ersten Stadium ist Doxycyclin das Mittel der Wahl; weiterhin können besonders bei der Neuroborreliose Cephalosporine der 3. Generation (z.B. Ceftriaxon) angewandt werden.

9 Prävention

Die Vermeidung von Zeckenbissen ist anzustreben, auf schützende Kleidung zu achten und etwaige Zecken schnellstmöglich zu entfernen. Eine Impfung mit dem peripheren Membranprotein OspA des Erregers Borrelia burgdorferi ist zur Zeit (2016) für den Menschen nicht zugelassen. Ein multivalenter Impfstoff, der sich gegen die wichtigsten in Europa vorkommenden OspA-Serotypen richtet, befindet sich aber in klinischer Entwicklung. In der Veterinärmedizin ist ein Impfstoff für Hunde verfügbar.

10 Quellen

  1. Klimpel S.: Pressemitteilung vom 22.3.2016 des Senckenberg Forschungszentrums für Biodiversität und Klima; Goethe-Universität Frankfurt

Fachgebiete: Bakteriologie

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