Radithor
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LoslegenEnglisch: Radithor
Definition
Radithor war ein in den USA vertriebenes, radioaktives Arzneimittel, das aus destilliertem Wasser mit den Radiumisotopen Radium-226 (226Ra) und Radium-228 (228Ra) bestand.[1] Es zählt zu den bekanntesten Beispielen für den unkritischen medizinischen Einsatz radioaktiver Substanzen zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
Geschichte
Radithor wurde nach dem Ersten Weltkrieg ab 1918 von den Bailey Radium Laboratories in East Orange, New Jersey, unter Leitung von William J.A. Bailey hergestellt und bis 1931 vertrieben.[2] Eine Flasche fasste rund 15 ml Wasser und enthielt nach Herstellerangabe jeweils mindestens 1 µCi (≈ 37 kBq) 226Ra und 228Ra.[2] Das Präparat wurde unter anderem als Stärkungsmittel und Aphrodisiakum sowie zur Behandlung zahlreicher Erkrankungen beworben. Insgesamt wurden über 400.000 Flaschen verkauft.[2]
Besondere Bekanntheit erlangte Radithor durch den US-amerikanischen Industriellen Eben Byers, der ab 1927 über mehrere Jahre große Mengen des Präparats konsumierte. Schätzungen zufolge nahm er etwa 1.400 Flaschen ein.[1] Er entwickelte schwere Folgen einer chronischen Radiumintoxikation und starb 1932. Sein Fall führte zu erheblicher öffentlicher Aufmerksamkeit für die gesundheitlichen Gefahren radioaktiver Arzneimittel und trug wesentlich zur Verschärfung der Arzneimittel- und Strahlenschutzregulierung in den USA bei. Die Federal Trade Commission untersagte den Bailey Radium Laboratories 1931 die weitere Bewerbung des Präparats.[2]
Toxikologie
Nach oraler Aufnahme kann resorbiertes Radium aufgrund seiner chemischen Ähnlichkeit zu Calcium in das Knochengewebe eingebaut und dort langfristig gespeichert werden. Die chronische innere Strahlenexposition führt u.a. zu folgenden Schäden:
- Knochennekrosen
- Schädigung des Knochenmarks
- erhöhtes Risiko für maligne Knochentumoren[3]
Beim Fall Eben Byers wurden insbesondere ausgeprägte Nekrosen des Kieferknochens beschrieben.[1]
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 1,2 Macklis RM. Radithor and the era of mild radium therapy. JAMA. 1990;264(5):614-8.
- ↑ 2,0 2,1 2,2 2,3 Oak Ridge Associated Universities (ORAU): Radithor (ca. 1928) – Museum of Radiation and Radioactivity.
- ↑ Agency for Toxic Substances and Disease Registry (ATSDR): Toxicological Profile for Radium – Health Effects.