Norucholsäure
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LoslegenSynonyme: nor-Ursodeoxycholsäure, norUDCA
Englisch: norursodeoxycholic acid
Definition
Die Norucholsäure, kurz NCA, ist ein synthetisches Derivat der Ursodeoxycholsäure (UDCA). Durch die Verkürzung der Seitenkette unterscheidet sie sich pharmakologisch deutlich von UDCA. Die hydrophile Gallensäure befindet sich als Arzneistoff derzeit (2026) in der klinischen Entwicklung, insbesondere zur Behandlung cholestatischer Lebererkrankungen.
Chemie
Norucholsäure ist ein seitenkettenverkürztes C23-Homolog der Ursodeoxycholsäure (24-nor-Ursodeoxycholsäure). Die Summenformel lautet C₂₃H₃₈O₄, die molare Masse beträgt 378,55 g/mol.
Wirkmechanismus
Im Gegensatz zu UDCA wird Norucholsäure aufgrund ihrer verkürzten Seitenkette nur unzureichend mit Glycin oder Taurin konjugiert. Dadurch kann sie einen sogenannten cholehepatischen Shunt durchlaufen: Die Substanz wird von den Cholangiozyten wieder aufgenommen und gelangt über die Pfortader zurück zur Leber. Dieser Kreislauf führt insbesondere zu einer vermehrten Sekretion von Bikarbonat und Wasser in die Galle. Die bikarbonatreiche vermehrte Produktion und Ausscheidung soll zur Stabilisierung des sogenannten "Bikarbonat-Schirms" der Gallenwege beitragen. Dadurch werden die Cholangiozyten vor hydrophoben und toxischen Gallensäuren geschützt.
Darüber hinaus wurden in präklinischen Untersuchungen antiinflammatorische, antifibrotische und hepatoprotektive Effekte beschrieben.
Pharmakokinetik
Ein relevanter Anteil wird unkonjugiert biliär sezerniert, von Cholangiozyten rückresorbiert und über die Pfortader erneut der Leber zugeführt. Im Vergleich zu UDCA resultiert daraus eine verlängerte biliäre Verweildauer sowie eine ausgeprägtere Hydroxylierung, Sulfatierung und Glucuronidierung der Substanz, was die Hydrophilie der biliären Sekretion zusätzlich erhöht.[1] In klinischen Studien wurden bislang (2026) Tagesdosen zwischen 500 mg und 1.500 mg untersucht.
Indikationen
Der wichtigste klinische Entwicklungsbereich ist die primär sklerosierende Cholangitis (PSC). Daneben ist Norucholsäure in Indien zur Behandlung der nichtalkoholischen Fettlebererkrankung zugelassen. Weitere mögliche Einsatzgebiete, darunter andere cholestatische Erkrankungen, werden untersucht. Die Datenlage ist hier jedoch noch nicht ausreichend für eine etablierte Therapieempfehlung.
Darreichungsformen
In den bisherigen klinischen Studien wurde Norucholsäure als Filmtablette bzw. Kapsel oral verabreicht. Ein zugelassenes Fertigarzneimittel mit festgelegter Darreichungsform existiert in der Europäischen Union derzeit (2026) nicht. In Indien wird der Wirkstoff als Tablette zu 500 mg vertrieben.
Dosierung
In klinischen Studien zur PSC wurden unter anderem 500 mg, 1.000 mg und 1.500 mg einmal täglich untersucht. In der Phase-II-Studie zeigte sich die stärkste Senkung der AP unter 1.500 mg/Tag.
Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.
Nebenwirkungen
Die bisherigen klinischen Untersuchungen zeigen insgesamt ein günstiges Verträglichkeitsprofil. In der Phase-II-Studie bei PSC traten unerwünschte Ereignisse unter Norucholsäure insgesamt ähnlich häufig wie unter Placebo auf. Beschrieben wurden unter anderem:
Ein dosisabhängiger Anstieg der Nebenwirkungen wurde nicht festgestellt. Auch der Pruritus unterschied sich nicht wesentlich von der Placebogruppe. Die Datenbasis zu seltenen oder langfristigen Nebenwirkungen ist aufgrund des noch begrenzten klinischen Entwicklungsstands allerdings eingeschränkt.
Zulassung
Norucholsäure ist seit 2025 durch die Central Drugs Standard Control Organisation (CDSCO) in Indien zur Behandlung der NAFLD zugelassen.[2] Grundlage war eine indische Phase-III-Studie mit 165 Patienten, die eine Normalisierung von Leberenzymwerten und eine Verbesserung der transienten Elastografie als Endpunkte verwendete. Eine aktuelle (2026) Übersichtsarbeit kritisiert, dass diese Endpunkte nicht dem für MASLD/NAFLD-Studien etablierten Goldstandard (gepaarte Leberbiopsie, MR-basierte Protonendichte-Fettfraktion) entsprechen, sodass die Datenlage als vorläufig einzustufen ist.[1]
In der Europäischen Union ist Norucholsäure derzeit (2026) nicht zugelassen. Der zentrale Zulassungsantrag zur Behandlung erwachsener Patienten mit PSC befindet sich im Bewertungsverfahren beim CHMP.[3]
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 Malakar S et al., Nor-ursodeoxycholic acid in hepatobiliary diseases: A narrative review, World J Gastrointest Pharmacol Ther, 2026
- ↑ CDSCO: Approval of Phase 3 Clinical Trial and Recommendation for Grant of Marketing Approval for Nor-Ursodeoxycholic Acid Tablets, SEC-Sitzung (Gastroenterology & Hepatology) vom 13.02.2025, abgerufen am 19.09.2026
- ↑ EMA: Draft CHMP Agenda 14–17 September 2026, abgerufen am 19.09.2026
Literatur
- Studienregister: Eine unverblindete Studie zur Behandlung von Patienten mit primär sklerosierender Cholangitis (PSC) mit Norucholsäure-Tabletten
- Studienregister: Doppelblinde, randomisierte, placebo-kontrollierte Phase III-Studie zum Vergleich von Norursodeoxycholsäure-Kapseln versus Placebo bei der Behandlung von primär sklerosierender Cholangitis
- Hofmann et al., Novel biotransformation and physiological properties of norursodeoxycholic acid in humans, Hepatology, 2005