Masochismus
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LoslegenEnglisch: masochism
Definition
Masochismus ist eine Persönlichkeitseigenschaft, bei der ein Mensch daraus positive Emotionen zieht, dass ihm Schmerzen zugefügt und/oder er gedemütigt wird. Ist der Masochismus stark ausgeprägt und mit erheblichem Leidensdruck oder Gefährdung verbunden, kann er als behandlungsbedürftige paraphile Störung eingestuft werden.
Herkunft des Begriffes
Erstmals wurde der Begriff 1886 vom deutsch-österreichischen Psychiater und Rechtsmediziner Richard Freiherr von Krafft-Ebing wissenschaftlich verwendet. Der Begriff bezieht sich auf den österreichischen Schriftsteller Leopold Ritter von Sacher-Masoch und seinen Roman "Venus im Pelz", in dem Schmerz- und Unterwerfungsszenen in Beziehung zu Frauen dargestellt werden.
Ursachen
Als Ursachen für Masochismus kommen sowohl psychodynamische als auch lerntheoretische Konzepte infrage. Die Psychodynamik sieht die Ursache für Masochismus in einem Abwehrverhalten, das durch die Unterdrückung von Ängsten und Gewissenskonflikten entsteht, die mit dem Ablösungsprozess von der Mutter in Zusammenhang stehen. Demgegenüber steht die Lerntheorie, die besagt, dass Masochismus über klassische oder operante Konditionierung entsteht.
Masochistische Züge können auch erst später im Leben auftreten, ausgelöst durch traumatische Ereignisse, die mit Schuldgefühlen und Selbstvorwürfen einhergehen. Der oder die Betroffene möchte so "Buße" tun.
Ausprägungen
Der Masochismus lässt sich nach Ernst Bornemann in drei Kategorien unterteilen:
Nichtsexueller oder psychischer Masochismus
Der Masochist sehnt sich nach Unterordnung, Demütigungen und Niederlagen, sowohl im privaten als auch im gesellschaftlichen Leben. Teilweise werden solche Ereignisse, zum Beispiel Misserfolge im Beruf, absichtlich herbeigeführt, um aus diesen Situationen Lustgefühle beziehen zu können.
Sexueller oder Konjunktions-Masochismus
Der sexuelle Masochist empfindet Lust und sexuelle Befriedigung durch Unterdrückung und Demütigung durch einen Sexualpartner, oft auch durch das Erleben von Schmerz. Es kann hierbei auch zu Selbstverletzungen als Teil des Geschlechtsaktes kommen, die allerdings nicht als kompensatorisch anzusehen sind, sondern als Teil der sexuellen Handlung.
Perverser oder Kompensations-Masochismus
Der Wunsch nach Geschlechtsverkehr wird durch das Verlangen nach physischem Schmerz und psychischer Demütigung ersetzt. Hierbei werden die sexuellen Wünsche, zum Beispiel sich auspeitschen zu lassen, nicht als Einleitung zum Geschlechtsverkehr benutzt, sondern ersetzen diesen komplett. Als Sonderform gibt es den Automasochismus, bei dem sich der Masochist selbst am Körper verletzt.
Therapie
Eine Therapieindikation besteht beim Masochismus nur dann, wenn erheblicher Leidensdruck vorliegt oder eine Gefährdung der betroffenen Person oder anderer nicht ausgeschlossen werden kann. Die Behandlung durch Psychotherapie – insbesondere kognitive Verhaltenstherapie oder psychodynamische Verfahren – ist meist langwierig. Erschwerend kommt hinzu, dass masochistische Persönlichkeiten Hilfe oftmals ablehnen.
Quellen
- Krueger et al., Proposals for Paraphilic Disorders in the International Classification of Diseases and Related Health Problems, Eleventh Revision (ICD-11), Arch Sex Behav, 2017