Lingdolinurad
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LoslegenSynonym: ABP-671
Englisch: lingdolinurad
Definition
Lingdolinurad ist ein experimenteller Inhibitor des Urattransporters 1 (URAT1) aus der Gruppe der Urikosurika.[1] Er wird zur Behandlung der chronischen Gicht und der Hyperurikämie entwickelt und befindet sich aktuell (Juli 2026) in Phase 3 der klinischen Prüfung.
Chemie
Lingdolinurad ist ein niedermolekularer, synthetischer Wirkstoff und zählt im Gegensatz zu einigen anderen harnsäuresenkenden Substanzen nicht zu den Purinanaloga.
Wirkmechanismus
Lingdolinurad hemmt selektiv URAT1, der an der apikalen Membran der Epithelzellen des proximalen Tubulus die Rückresorption von Harnsäure aus dem Primärharn vermittelt. Durch die Blockade des Transporters wird die renale Reabsorption von Harnsäure vermindert und die fraktionelle Harnsäureausscheidung erhöht. Diese Effekte führen zu einer Senkung des Serumharnsäurespiegels. Strukturuntersuchungen mittels Kryoelektronenmikroskopie weisen darauf hin, dass der Wirkstoff in der zentralen Tasche des Transporters bindet und diesen in einer nach innen gerichteten (inward-facing) Konformation fixiert. Dadurch wird der für den Transport notwendige Konformationswechsel unterbunden.[1]
Klinische Studien
In Phase-1- und Phase 1/2a-Studien senkte Lingdolinurad die Serumharnsäure bei gesunden Probanden sowie bei Patienten mit Hyperurikämie und Gicht dosisabhängig.[2][3]
Eine kontrollierte Phase-2b/3-Studie bei chronischer Gicht mit Vergleich gegen Allopurinol und Placebo ist abgeschlossen, die Ergebnisse wurden noch nicht publiziert.[4]
Dosierung
In den bisherigen klinischen Studien wurde Lingdolinurad oral in einem Dosisbereich von etwa 0,1 bis 12 mg einmal täglich untersucht. Der harnsäuresenkende Effekt setzte nach oraler Gabe rasch ein und wurde durch die Nahrungsaufnahme nicht relevant beeinflusst.[2][3]
Eine reguläre, in einer Fachinformation festgelegte Dosierung existiert nicht, da der Wirkstoff bislang nicht zugelassen ist.
Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.
Nebenwirkungen
In den bislang publizierten frühen Studien war Lingdolinurad überwiegend gut verträglich. Die berichteten unerwünschten Ereignisse waren meist leicht ausgeprägt, schwerwiegende unerwünschte Ereignisse (SAEs) traten nicht auf.[2][3]
Belastbare Langzeit- und Sicherheitsdaten aus abgeschlossenen Phase-3-Studien liegen noch nicht in begutachteter Form vor.
Cave: Als klassentypischer Aspekt urikosurisch wirkender Substanzen gilt die vermehrte renale Ausscheidung von Harnsäure, die mit einem erhöhten Risiko für eine Urolithiasis einhergehen kann.
Wechselwirkungen
Da urikosurische Substanzen und Xanthinoxidasehemmer die Serumharnsäure über unterschiedliche Mechanismen senken, wird Lingdolinurad auch in Kombination mit Allopurinol klinisch untersucht. Umfassende, publizierte Daten zu Arzneimittelwechselwirkungen liegen bislang nicht vor.
Zulassungsstatus
Lingdolinurad ist aktuell (Juli 2026) weder in der EU noch in den USA zugelassen.
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 Fan J, Xie W, Ke H, et al. Structural Basis for Inhibition of Urate Reabsorption in URAT1. JACS Au. 2025;5(3):1308-1319.
- ↑ 2,0 2,1 2,2 Wang J, Zhang L, Schwertschlag U, et al. Safety, tolerability, pharmacokinetics, and pharmacodynamics of ABP-671 in healthy participants and patients with hyperuricemia and gout: a proof-of-concept study. Arthritis Res Ther. 2026.
- ↑ 3,0 3,1 3,2 Gurwith M, Wu RJ, Schwertschlag U, et al. Safety, Tolerability, Pharmacokinetics, Pharmacodynamics, and Food Effects of Single and Multiple Oral Doses of ABP-671 in Healthy and Hyperuricemic Subjects. Drug Des Devel Ther. 2025;19:10607-10620.
- ↑ ClinicalTrials.gov. Phase-2b/3-Studie zu ABP-671 bei Gicht (NCT05818085). Verfügbar unter: ClinicalTrials.gov.