Kippwinkel
Synonyme: Anregungswinkel, Flip-Winkel
Englisch: flip-angle, tip-angle
Definition
Der Kippwinkel, meist mit dem griechischen α angegeben, ist ein Begriff aus der Magnetresonanztomographie (MRT). Er beschreibt den Winkel, um den die Magnetisierung durch einen Hochfrequenzpuls aus der Richtung des B0-Magnetfeldes ausgelenkt wird. Damit quantifiziert er das Ausmaß der Rotation der Longitudinalmagnetisierung aus der Längsrichtung in Richtung der Transversalebene.
Physikalische Grundlagen
Im thermischen Gleichgewicht liegt die Magnetisierung als Longitudinalmagnetisierung entlang des B0-Feldes vor. Ein Hochfrequenzpuls erzeugt ein zusätzliches Magnetfeld (B1), das senkrecht zu B0 steht. Im rotierenden Bezugssystem führt dieses Feld zu einer Rotation der Magnetisierung. Der dabei entstehende Winkel zwischen ursprünglicher und gekippter Magnetisierung wird als Kippwinkel bezeichnet.
Der Kippwinkel hängt von der Stärke und Dauer des Hochfrequenzpulses ab:
mit:
- = Kippwinkel
- = gyromagnetisches Verhältnis
- = Stärke des HF-Magnetfeldes
- = Pulsdauer
Je nach Sequenz werden unterschiedliche Kippwinkel verwendet:
- 90° → vollständige Überführung der Longitudinal- in Transversalmagnetisierung
- 180° → Inversion der Longitudinalmagnetisierung
- kleine Flipwinkel (< 90°) → typisch für Gradientenecho-Sequenzen
Inhomogenitäten
In der Praxis entspricht der tatsächlich erreichte Kippwinkel häufig nicht exakt dem eingestellten Wert. Ursachen sind unter anderem Inhomogenitäten des B1-Feldes, Suszeptibilitätseffekte im Gewebe sowie Geometrie und Position des Patienten.
Bedeutung für die MRT
Der Kippwinkel ist ein zentraler Parameter der MRT, da er:
- die Größe der Transversalmagnetisierung bestimmt
- das Signalniveau beeinflusst
- maßgeblich den Bildkontrast steuert
Die gezielte Wahl des Kippwinkels ist ein wesentliches Element der Sequenzoptimierung.
Der sogenannte Ernst-Winkel beschreibt den Kippwinkel, bei dem bei gegebener T1-Relaxationszeit und Repetitionszeit (TR) das maximale Signal erreicht wird.