Transversalmagnetisierung
Synonym: Quermagnetisierung
Definition
Die Transversalmagnetisierung ist die Komponente der Magnetisierung, die senkrecht zum statischen B0-Magnetfeld steht. Sie entsteht durch Kippung der Longitudinalmagnetisierung mittels eines Hochfrequenzpulses und ist die unmittelbar messbare Größe in der Magnetresonanztomographie (MRT).
Physikalische Grundlagen
Entstehung
Im thermischen Gleichgewicht liegt ausschließlich Longitudinalmagnetisierung entlang des B0-Feldes vor. Durch einen Hochfrequenzpuls in der Nähe der Larmorfrequenz wird die Magnetisierung aus der Längsrichtung in die Transversalebene gekippt. Dabei entsteht eine Transversalmagnetisierung . Der Kippwinkel wird als Flipwinkel bezeichnet:
- 90°-Puls → maximale Transversalmagnetisierung
- 180°-Puls → keine Transversalmagnetisierung (Inversion von Mz)
Phasenkohärenz
Voraussetzung für die Entstehung einer messbaren Transversalmagnetisierung ist die Phasenkohärenz der Spins. Nach dem Hochfrequenzpuls präzedieren die Spins zunächst phasengleich in der Transversalebene. Dadurch addieren sich ihre magnetischen Momente zu einer makroskopischen Transversalmagnetisierung. Ohne Phasenkohärenz würden sich die einzelnen Beiträge gegenseitig aufheben. Im rotierenden Bezugssystem erscheint die Transversalmagnetisierung als nahezu statischer Vektor.
Signalentstehung
Die Transversalmagnetisierung präzediert im Magnetfeld mit der Larmorfrequenz und induziert dabei eine Wechselspannung in der Empfangsspule. Dieses Signal wird als Free Induction Decay (FID) bezeichnet und bildet die Grundlage der MR-Bildgebung.
Abbau der Transversalmagnetisierung
Die Transversalmagnetisierung nimmt nach der Anregung mit der Zeit ab. Ursachen sind:
- Verlust der Phasenkohärenz durch Spin-Spin-Wechselwirkungen (T2-Relaxation)
- zusätzliche Dephasierung durch Feldinhomogenitäten (T2*)
Der Signalabfall folgt näherungsweise:
mit
- = Transversalmagnetisierung zum Zeitpunkt
- = anfängliche Transversalmagnetisierung direkt nach der Anregung
- = Zeit
- = effektive transversale Relaxationszeit unter Einschluss von Spin-Spin-Wechselwirkungen und Feldinhomogenitäten