Intratubarer Gametentransfer
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LoslegenAbkürzung: GIFT
Englisch: gamete intrafallopian transfer
Definition
Der intratubare Gametentransfer, kurz GIFT, ist ein reproduktionsmedizinisches Verfahren der assistierten Reproduktion. Es handelt sich um eine In-vivo-Fertilisation, bei der aufbereitete Samenzellen und entnommene Eizellen gleichzeitig in den Eileiter eingebracht werden. Dort findet die eigentliche Befruchtung im Körper der Frau statt.
Terminologie
Als Gameten werden Eizellen, Samenzellen bzw. Keimzellen bezeichnet. Intratubar bedeutet, dass die Übertragung im Eileiter (Tuba uterina) stattfindet.
Hintergrund
Das Verfahren wurde 1984 von Ricardo Asch eingeführt und unterscheidet sich von der In-vitro-Fertilisation (IVF) dadurch, dass keine extrakorporale Befruchtung stattfindet. Die Gameten werden direkt in den Eileiter transferiert, anstatt in vitro befruchtet und als Embryo zurückgegeben zu werden.[1]
Durchführung
Nach ovarieller Stimulation und anschließender Follikelpunktion werden Eizellen gewonnen. Diese werden zusammen mit zuvor aufbereiteten Samenzellen, räumlich voneinander getrennt, mithilfe eines Katheters in den ampullären Abschnitt des Eileiters eingespült. Die Übertragung erfolgt in der Regel im Rahmen einer Bauchspiegelung in Allgemeinanästhesie, seltener wird ein transzervikaler Zugang unter falloposkopischer Kontrolle eingesetzt.[2]
Die Befruchtung findet anschließend physiologisch im Eileiter statt. Im Gegensatz zur IVF und zum Embryotransfer erfolgt beim GIFT keine Kontrolle darüber, ob und wie viele Eizellen tatsächlich befruchtet werden. Dies ist ein wesentlicher Unterschied, der das Verfahren aus religiösen oder ethischen Gründen für manche Paare attraktiv macht, die eine extrakorporale Befruchtung ablehnen.
Indikationen
GIFT findet Anwendung bei:
- langjähriger weiblicher Sterilität
- leichten bis moderaten männlichen Fertilitätsstörungen
- speziellen Formen der Endometriose, wenn ektopes Endometriumgewebe durch Verwachsungen im Bereich des Eileitertrichters das Auffangen der Eizelle nach dem Eisprung behindert
- religiös oder ethisch begründeter Ablehnung der extrakorporalen Befruchtung
Voraussetzung für GIFT sind beidseitig durchgängige Eileiter. Bei schwerer Tubenpathologie oder beidseitigem Tubenverschluss ist das Verfahren kontraindiziert.
Risiken und Komplikationen
Zu den wesentlichen Risiken des Verfahrens zählen:
- erhöhtes Risiko einer Eileiterschwangerschaft im Vergleich zur IVF
- Mehrlingsschwangerschaft durch den Transfer von bis zu drei Eizellen
- allgemeine Operationsrisiken der Laparoskopie
Statistik
Belastbare, einheitliche Erfolgsraten für GIFT sind in der Literatur kaum dokumentiert. Ein Cochrane Review zum Vergleich verschiedener ART-Verfahren bei ungeklärter Subfertilität fand auf Basis weniger randomisierter Studien keinen signifikanten Unterschied in den Live-Birth-Raten zwischen GIFT und IVF, wies jedoch auf höhere klinische Schwangerschaftsraten unter IVF hin.[3]
Das erhöhte Risiko einer Eileiterschwangerschaft sowie die Notwendigkeit einer Bauchspiegelung in Vollnarkose gelten als wesentliche Nachteile gegenüber der IVF und haben dazu beigetragen, dass GIFT heute in der klinischen Praxis kaum noch angewandt wird.[1]
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 Ahmadi et al., Long-Term Effects of ART on the Health of the Offspring, Int J Mol Sci, 2023
- ↑ Abyholm und Tanbo, GIFT, ZIFT, and related techniques, Curr Opin Obstet Gynecol, 1993
- ↑ Pandian et al., In vitro fertilisation for unexplained subfertility, Cochrane Database Syst Rev, 2012