Imago (Psychologie)
von lateinisch: imago - (Eben-)Bild
Definition
Die Imago bezeichnet in der Psychologie die psychische Repräsentation einer bedeutsamen Bezugsperson. Sie beschreibt ein relativ stabiles Muster aus Erwartungen, das aus frühen Beziehungserfahrungen hervorgeht. Der Begriff ist primär in der Psychoanalyse und Tiefenpsychologie verankert.
Hintergrund
Der Begriff wurde von Sigmund Freud zur Beschreibung unbewusster Objektvorstellungen eingeführt. Eine weitere Ausarbeitung erfolgte insbesondere im Rahmen der Objektbeziehungstheorie. Spätere Ansätze integrierten entwicklungspsychologische, bindungstheoretische und interaktionelle Konzepte. Die Imago ist nicht mit realen Bezugspersonen gleichzusetzen, sondern stellt ein rein psychisches Konstrukt dar.
Konzept
Die Imago umfasst affektive Reaktionsmuster, internalisierte Beziehungserwartungen und kognitive Schemata bzw. Objektrepräsentationen. Sie kann idealisierte, entwertete oder ambivalente Anteile enthalten. Ihre Struktur ist maßgeblich durch frühe Bindungserfahrungen geprägt. Mehrere Imagos können parallel bestehen und situationsabhängig aktiviert werden.
Die Imago beeinflusst die Wahrnehmung sozialer Interaktionen, die Bewertung anderer Personen sowie das eigene Bindungs- und Beziehungsverhalten. In der Psychoanalyse dient sie der Beschreibung von Übertragungs- und Gegenübertragungsphänomenen. Veränderungen betreffen die Modifikation internalisierter Beziehungsmuster im therapeutischen Prozess, insbesondere im Rahmen psychodynamischer Verfahren.
Die Imago ist ein zentrales Konzept zur Erklärung stabiler interpersoneller Beziehungsmuster. Sie ermöglicht eine hypothesengeleitete Einordnung wiederkehrender Beziehungskonflikte und affektiver Reaktionen und spielt insbesondere bei strukturellen Störungen der Persönlichkeit eine wichtige Rolle.
Literatur
- Freud S. Zur Einführung des Narzißmus. 1914.
- Kernberg OF. Objektbeziehungen und Praxis der Psychoanalyse. Stuttgart: Klett-Cotta.