Herz (Reptil)
Definition
Das Herz ist das Zentralorgan des Blutgefäßsystems der Reptilien und arbeitet als Druck- und Saugpumpe, um das Blut durch den gesamten Körper zu transportieren. Im Vergleich zu Säugetieren und Vögeln weisen Reptilien in der Struktur und Funktion ihres Herzens spezielle Anpassungen auf, die es ihnen ermöglichen, in unterschiedlichen ökologischen Nischen zu überleben.
siehe auch: Herz (Veterinärmedizin)
Topographie
Die Lage des Reptilienherzens variiert je nach Art, doch generell befindet es sich im vorderen Drittel der Leibeshöhle. Das Herz der Reptilien liegt bei landlebenden Arten meist im Bereich des Brustkorbs und in Höhe des Schultergürtels. Bei wasserbewohnenden Arten, wie z.B. bei Schlangen, kann das Herz etwas weiter kaudal liegen, was bei Schlangen häufig zwischen 15–25 % der Körperlänge vom Rostrum bis zur Kloake der Fall ist. Im Gegensatz dazu befinden sich bei Wasserschlangen die Herzen eher im Bereich von 25–45 % der Körperlänge.
Bei Panzerechsen wie Krokodilen ist das Herz kaudaler lokalisiert, und der Truncus pulmonalis ist direkt mit dem rechten Vorhof verbunden. Auch die Anordnung der großen Aorten, die von den beiden Herzkammern ausgehen, ist bei Panzerechsen unterschiedlich und sorgt für eine fast vollständige Trennung des Blutes in sauerstoffreiches und sauerstoffarmes Blut.
Die Position des Herzens spielt eine Rolle bei chirurgischen Eingriffen, da das Herz von verschiedenen Strukturen wie dem sternalen und ventralen Bauchbereich umgeben ist. In vielen Reptilienarten müssen bei Eingriffen die ventrale Bauchvene (Vena coccygealis ventralis) und die breiten Bauchschuppen geschont werden, um das Herz und andere empfindliche Organe zu schützen.
Die Herzspitze kann entweder frei im Perikard liegen oder durch das Gubernaculum cordis (Herzaufhängung) verankert sein, insbesondere bei größeren Arten wie einigen Schlangen.
Anatomie
Das Herz der Reptilien besteht aus einem einzigen Ventrikel, der durch Muskelbalken unvollständig geteilt wird. Dieser Aufbau ermöglicht eine funktionelle Trennung des sauerstoffarmen und sauerstoffreichen Blutes, trotz des Fehlens eines vollständigen Septums. Nur bei Panzerechsen (Krokodile) liegt ein vollständiges Septum vor.
Das Herz von Schlangen, Echsen und Schildkröten besteht aus vier Hohlräumen:
- Sinus venosus
- zwei Vorhöfen
- einer Kammer
Der Sinus venosus liegt dorsal dem Herzen auf. Er bildet eine dünnwandige Kammer, die dem rechten Vorhof vorgeschaltet ist. In ihn münden die großen Körpervenen, die sauerstoffarmes Blut zum Herzen führen. Die Vorhöfe werden von der Kammer durch den Sulcus coronarius abgetrennt, der die Herzbasis markiert. Bei Schlangen ist der rechte Vorhof größer als der linke, weshalb der Sulcus coronarius schräg verläuft. Die beiden einzipfeligen Atrioventrikularklappen liegen in Höhe der Herzbasis.
Bei Schildkröten ist die Herzbasis breiter als der Ventrikel lang, während Schlangen eine langgestreckte Herzkammer mit kurzer Basis besitzen.
Im Inneren des Ventrikels befinden sich Muskelbalken, die die Kammer unvollständig teilen und dem Blutstrom während der Kontraktion eine Richtung geben. Diese Muskelbalken sowie die entspringenden Gefäße unterteilen den Ventrikel in drei Hohlräume:
- Cavum pulmonale (führt das Blut in den Truncus pulmonalis)
- Cavum venosum
- Cavum arteriosum
Die beiden Aorten entspringen aus dem Cavum venosum und dem Cavum arteriosum. Die rechte Aorta entspringt linksseitig aus dem Ventrikel, die linke Aorta entspringt rechtsseitig aus dem Ventrikel. Beide Gefäße winden sich mit einer Rechtsdrehung umeinander, beschreiben einen Bogen, ziehen lateral am Herzen vorbei und vereinigen sich kurz kaudal des Herzens zur Aorta.
Das Herz ist von einer dünnwandigen serösen Membran umgeben. In Bezug auf die Herzgröße variieren die Werte je nach Aktivität und Art. Der Anteil der Herzmasse bei Schildkröten beträgt nur etwa 0,16 % der Körpermasse, während er bei sehr aktiven Schlangenarten wie Baumschlangen bis zu 0,45 % erreichen kann.
Funktion
Der Ventrikel von Reptilien ist funktionell zweigeteilt. Dies ermöglicht eine teilweise oder vollständige Umgehung der Lungenzirkulation, was während der Apnoe, wie bei längeren Tauchgängen oder beim Überwintern, von Vorteil ist. Die Verteilung des Blutes erfolgt über zwei Aorten, die sich kaudal des Herzens vereinigen und das Blut zu verschiedenen Körperteilen transportieren. Der Blutfluss im Herz von Reptilien verläuft in zwei Hauptkreisläufen. Das sauerstoffarme Blut wird vom rechten Atrium in den Truncus pulmonalis gepumpt, der es zur Lunge transportiert. Das sauerstoffreiche Blut hingegen fließt von den Venae pulmonales über das linke Atrium in die Aorten, die es in den Körperkreislauf verteilen.
Literatur
- Salomon, F.-V., Geyer, H., Gille, U. (Hrsg.): Anatomie für die Tiermedizin. 4., aktualisierte Auflage