Hannover-Klassifikation
Englisch: Hannover classification
Definition
Die Hannover-Klassifikation wird zur Einteilung von Akustikusneurinomen (Vestibularisschwannomen) verwendet. Sie wurde an der Medizinischen Hochschule Hannover von Madjid Samii und Cordula Matthies etabliert und berücksichtigt Größe, Ausdehnung und Lage des Tumors im Inneren Gehörgang, im Kleinhirnbrückenwinkel sowie die Beziehung zum Hirnstamm.[1]
Klassifikation
Die Hannover-Klassifikation unterteilt Vestibularisschwannome anhand ihrer Ausdehnung in folgende Grade:
- T1: Rein intrameataler Tumor (vollständig im inneren Gehörgang)
- T2: Intra- und extrameataler Tumor (Ausdehnung in den Kleinhirnbrückenwinkel)
- T3a: Ausfüllung der Cisterna pontocerebellaris ohne Hirnstammkontakt
- T3b: Tumor erreicht bzw. berührt den Hirnstamm
- T4a: Verdrängung des Hirnstamms
- T4b: Verdrängung des Hirnstamms mit Kompression des 4. Ventrikels
Die Reliabilität der Klassifikation wurde in einer Studie von Atchley et al. mit moderater bis sehr guter Übereinstimmung zwischen verschiedenen Beurteilern bestätigt.[2]
Klinische Relevanz
Die Hannover-Klassifikation dient der präoperativen Planung und Verlaufsbeurteilung von Vestibularisschwannomen. Insbesondere bei größeren Tumoren (T3/T4) bietet sie eine detailliertere Einteilung als die ebenfalls häufig verwendete Koos-Klassifikation und unterstützt die Entscheidung zwischen mikrochirurgischer Resektion, stereotaktischer Radiochirurgie und „Watch-and-Wait"-Strategie.[3]
Quellen
- ↑ Samii M, Matthies C. Management of 1000 vestibular schwannomas (acoustic neuromas): surgical management and results with an emphasis on complications and how to avoid them. Neurosurgery. 1997;40(1):11-21.
- ↑ Atchley TJ, Erickson N, Chagoya G, et al. Hannover Classification of Vestibular Schwannomas: A Reliability Study. World Neurosurg. 2022;158:e179-e183.
- ↑ Universitätsklinikum Tübingen. Akustikusneurinom – Diagnostik und Therapie. Abgerufen am 15.05.2026.