Gradientenecho-Sequenz
Englisch: gradient echo sequence
Definition
Die Gradientenecho-Sequenz ist eine MRT-Sequenz, bei der das Signal durch Gradientenfelder und nicht durch einen 180°-Refokussierungspuls erzeugt wird. Sie bildet die Grundlage für eine große Gruppe moderner MRT-Techniken und wird in zahlreichen klinischen Anwendungen eingesetzt, insbesondere dann, wenn schnelle Bildgebung erforderlich ist.
Physikalisches Prinzip
Bei der Gradientenecho-Sequenz erfolgt die Anregung der Spins durch einen Hochfrequenzpuls mit kleinem Flipwinkel. Die Dephasierung und anschließende Rephasierung der Spins wird durch Gradientenfelder erreicht, wodurch ein Echo entsteht. Im Gegensatz zur Spinecho-Sequenz wird kein 180°-Refokussierungspuls verwendet. Durch die meist sehr kurzen Repetitionszeiten entstehen sogenannte Steady-State-Zustände, die das Signalverhalten komplex machen. Das resultierende Signal ist stark von Magnetfeldinhomogenitäten abhängig, sodass eine T2*-Gewichtung entsteht.
Das Signal- und Kontrastverhalten hängt wesentlich von Parametern wie Repetitionszeit, Echozeit, Flipwinkel und insbesondere der Art des Spoilings (kein Spoiling, Gradientenspoiling oder RF-Spoiling) ab. Diese Faktoren bestimmen den Kompromiss zwischen Signalstärke und Kontrast, insbesondere im Hinblick auf T1-gewichtete Bildgebung.
Arten
Gradientenecho-Sequenzen lassen sich anhand ihrer Sequenzparameter und der Signalbildung in verschiedene Typen einteilen. Grundsätzlich kann zwischen einfachen Gradientenecho-Sequenzen mit langen Repetitionszeiten und schnellen Gradientenecho-Sequenzen mit kurzen Repetitionszeiten unterschieden werden. Letztere sind klinisch besonders relevant.
Zu den wichtigsten Varianten zählen unbalancierte Gradientenecho-Sequenzen, RF-gespoilte Gradientenecho-Sequenzen sowie balancierte Steady-State-Sequenzen (z. B. TrueFISP oder FIESTA). Sie unterscheiden sich vor allem durch die Art des Spoilings und die resultierenden Kontrasteigenschaften. Darüber hinaus existieren zahlreiche spezielle Implementierungen wie FLASH oder Turbo-FLASH, die für besonders schnelle Bildgebung optimiert sind.
Klinische Anwendung
Gradientenecho-Sequenzen werden in einer Vielzahl von MRT-Techniken eingesetzt und sind aus der klinischen Praxis nicht mehr wegzudenken. Sie finden Anwendung in der MR-Angiographie, Perfusionsbildgebung, Suszeptibilitätsbildgebung, funktionellen MRT sowie in der kardialen Bildgebung und ermöglichen schnelle 2D- und 3D-Aufnahmen.
Durch die kurzen Aufnahmezeiten eignen sie sich besonders für dynamische Untersuchungen und Untersuchungen unter Atemanhaltebedingungen. Dies hat insbesondere die Thorax-MRT ermöglicht, da Bewegungsartefakte durch Atmung, Herzschlag und Gefäßpulsationen reduziert werden können.
In der Diagnostik des Bronchialkarzinoms erlauben schnelle Gradientenechosequenzen beispielsweise eine gute Abgrenzung von Tumor, Gefäßen und Fettgewebe sowie die Beurteilung von Infiltrationen. Zudem können sie bei bestimmten Fragestellungen eine sinnvolle Ergänzung zur CT darstellen, insbesondere wenn eine Kontrastmittelgabe nicht möglich ist.
Literatur
- Markl, M., & Leupold, J. (2012). Gradient echo imaging. Journal of Magnetic Resonance Imaging, 35(6), 1274-1289.
- Hargreaves, B. (2012). Rapid gradient‐echo imaging. Journal of Magnetic Resonance Imaging, 36(6), 1300-1313.
- Van Osch, M. J., Vonken, E. J. P., Viergever, M. A., van der Grond, J., & Bakker, C. J. (2003). Measuring the arterial input function with gradient echo sequences. Magnetic Resonance in Medicine: An Official Journal of the International Society for Magnetic Resonance in Medicine, 49(6), 1067-1076.