Goniotomie
Englisch: goniotomy
Definition
Die Goniotomie ist ein augenärztlicher Eingriff, der zur Senkung des Augeninnendrucks im Rahmen der Therapie des Glaukoms durchgeführt wird.
Hintergrund
Beim kongenitalen Glaukom liegt häufig eine Fehlentwicklung (Trabekulodysgenesie) des Kammerwinkels vor. Durch die Inzision des pathologisch veränderten Trabekelwerks wird der Abflusswiderstand reduziert. Das Kammerwasser kann wieder ungehindert in das episklerale Venensystem abfließen, wodurch der Intraokulardruck sinkt. Eine frühzeitige operative Therapie vermeidet Buphthalmus und Papillenschaden, was die Prognose hinsichtlich der Sehschärfe verbessert.
Indikationen
Die Hauptindikation ist das kongenitale Glaukom, insbesondere bei klarer Hornhaut, die eine ausreichende Sicht auf den Kammerwinkel erlaubt.
Weitere mögliche Indikationen sind:
- juveniles Offenwinkelglaukom
- ausgewählte Formen des sekundären Offenwinkelglaukoms
Voraussetzung ist eine ausreichende Transparenz der Hornhaut, da die Operation unter direkter gonioskopischer Kontrolle erfolgt.
Kontraindikationen
- Ausgeprägte Hornhauttrübung mit fehlender Sicht auf den Kammerwinkel
- Vernarbungen oder ausgeprägte Dysgenesien des Kammerwinkels
- entzündliche Aktivität im Auge
In diesen Fällen wird häufig eine Trabekulotomie ab externo oder eine andere filtrierende Operation bevorzugt.
Technik
Der Eingriff erfolgt bei Säuglingen und Kleinkindern in Allgemeinanästhesie, bei älteren Patienten ggf. in Lokalanästhesie. Eine präoperative Senkung des Augeninnendrucks kann die intraoperative Übersicht verbessern.
Nach Anlage eines parazentralen Hornhautschnitts wird die Vorderkammer mit einem viskoelastischen Material stabilisiert. Über ein spezielles Gonioskop wird der Kammerwinkel dargestellt. Mit einem Goniotomiemesser oder einem speziellen Mikroinstrument wird das Trabekelwerk über 90–120° inzidiert. Ziel ist die Eröffnung des Schlemmschen Kanals und damit eine direkte Verbindung zwischen Vorderkammer und dem physiologischen Abflusssystem. Nach Entfernung des Viskoelastikums erfolgt der Wundverschluss meist selbstabdichtend.
Komplikationen
Literatur
- Grehn F.: Augenheilkunde. 33. Auflage. Springer, Berlin 2022
- Aktas et al.: Ab Interno Goniotomy/Goniectomy Techniques. Turk J Ophthalmol, 2025