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Endemizität

Englisch: endemicity

1 Definition

Der Begriff Endemizität bezeichnet einen Indikator für den Ausbreitungsgrad oder die Übertragungsintensität einer Krankheit in ihren Endemiegebieten. Mehrheitlich wird der Begriff für Infektionskrankheiten verwendet, häufig für durch Vektoren bewirkte Infektionskrankheiten.

2 Beziehung zur Prävalenz

Der relativ unscharfe Begriff ist nicht klar vom Begriff der Prävalenz abgegrenzt. Ist die Prävalenz bekannt, so wird häufig versucht, den Ausbreitungsgrad der Erkrankung durch mehrere, die Prävalenz vergröbernde Klassen wie z.B. geringe (Beispiel: Prävalenz ≤5%), mittlere (Beispiel: Prävalenz >5% und Prävalenz ≤20%) oder hohe (Beispiel: Prävalenz >20%) Endemizität zu definieren. Ist die Prävalenz insbesondere im Zeitablauf nicht im Detail bekannt, z.B. weil die wiederholte Ermittlung nicht praktikabel oder zu kostenaufwendig ist, so bemüht man sich, geeignete indirekte Indikatorgrößen für das Ausmaß der Erkrankung in vergröberter Form heranzuziehen.

3 Endemiegebietsübergreifendes Definitionsziel

Die so definierten Klassen gelten als gut gewählt, wenn sie in unterschiedlichen Endemiegebieten der Krankheit eine ähnliche Charakteristik in Bezug auf die Ausbreitung der Krankheit aufweisen. Bei gleicher Endemizität können dann vergleichbare Methoden zur Behandlung und Kontrolle der Krankheit und entsprechende Vorbeugungsmaßnahmen vor zukünftiger Ausbreitung getroffen werden. Häufig ist auch die vom Ausmaß der Erkrankung abhängige (im Allgemeinen partielle) Immunität der im Endemiegebiet lebenden Bevölkerung bei der Definition der Endemizität zu berücksichtigen.

4 Beziehung zur Inzidenz

Ist eine Krankheit mit zuvor intensiver Ausbreitung durch Kontrollmaßnahmen weitgehend eingedämmt, kann versucht werden, in einem zweiten Schritt anstelle der Prävalenz die Inzidenz der Krankheitsfälle für das Ausmaß der verbleibenden Krankheitsfälle heranzuziehen. Allgemeiner kann auch unter den indirekten Methoden der Endemizitätsbestimmung die Inzidenz bestimmter Indikatorgrößen - in Konkurrenz zu den an der Prävalenz orientierten Methoden - als ein klassenbestimmendes Definitionselement dienen.

5 Endemizität in WHO-Dokumenten

Besonders häufig wird der Begriff der Endemizität in WHO-Dokumenten über weltweit verbreitete Infektionskrankheiten verwendet. Nach einer verbindlichen Definition wird man allerdings in vielen Dokumenten vergeblich suchen. Das Vorverständnis des Begriffs der für jede Infektionskrankheit anders definierten Endemizität, deren Ursprung man eventuell inkonsistent in verwiesenen Quellen finden kann, wird stets als selbstverständlich vorausgesetzt.

WHO-Quellen liefern ihre Ergebnisse mehrheitlich weltweit pro Land. Jedoch gibt es auch Quellen, die genau ein Land (insbesondere ein Land mit hoher Krankheitslast) oder eine Region behandeln und einzelne Endemiegebiete aufführen.

Für viele Infektionskrankheiten gibt es weltweit pro Land und pro Jahr - als Teil der GHO data - Global Health Observatory data - eine tabellarische Aufstellung mit den Attributen endemisch, endemisch (high burden/hohe Last), NACR (No autochthonous case reported/kein autochthoner Fall gemeldet), NICR (No imported case reported/kein importierter Fall gemeldet), Previous reported cases (kein Fall im aktuellen Jahr, aber autochthone Fälle in vergangenen Jahren), ND: No data/keine Daten. Bei bestimmten Infektionskrankheiten werden auch noch andere Attribute zugewiesen.

Endemisch besagt lediglich, dass im Land mindestens ein autochthoner Fall mit vollständigem Übertragungszyklus abgesichert nachgewiesen wurde. Bei Infektionskrankheiten, für die gemeldete Daten vorliegen, werden die Attribute endemisch bzw. endemisch (hohe Last) noch durch die Anzahl der gemeldeten autochthonen und importierten Fälle quantifiziert.[1][2] Die Zuweisung des Attributs endemisch (hohe Last) ist unabhängig von der Einwohnerzahl des Landes an absolute Zahlen gebunden. Für größere Länder ist es nicht notwendigerweise aussagekräftig.

Zusätzlich gibt es Dokumente, die solche Tabellen in weltweite Länderkarten umsetzen.

6 Erweiterte Verwendung des Begriffs

Der Begriff Endemizität wird in wissenschaftlichen Artikeln für beliebige, auch für nicht durch Infektionen bedingte Krankheiten verwendet. Typisch für solche Artikel ist häufig, dass die Endemizität der jeweiligen Krankheit in genau diesem Artikel neu definiert wird. Spätere Artikel anderer Autoren diskutieren diese Definition. Neben dem bereits erläuterten Prinzip der Herleitung der Endemizität über Indikatorgrößen für Prävalenz oder Inzidenz kann mit einem geeigneten Maß auch versucht werden, einen endemischen Befund von einem epidemischen abzugrenzen.

7 Allgemeinsprachliche Verwendung

Gerade bei Artikeln zur Infektiologie oder Epidemiologie bestimmter Krankheiten wird der Begriff Endemizität auch allgemeinsprachlich für eine quantitative Ausprägung des Begriffs Endemie ohne exakte Definition verwendet und mit Attributen wie gering, hoch oder anderen versehen. Für ein verwendetes Attribut mögen bestimmte Argumente beigesteuert werden, eine genaue quantitative Abgrenzung zu anderen Attributen ist bei einer solchen Verwendung jedoch nicht möglich.

8 Stabile Endemizität

Ist die Anzahl der Krankheitsfälle im Rahmen der eventuell periodischen (z.B. jahreszeitlichen) Schwankungen mehr oder weniger gleichbleibend, so spricht man von "stabiler Endemizität".

9 Beispiele

9.1 Malaria

Die Endemizität eines Malaria-Endemiegebietes wurde im klassischen Ansatz durch die Milzraten von Kindern (Prozentsatz von Kindern mit tastbarer Vergrößerung der Milz, mehrheitlich von Kindern von 2-9 Jahren) definiert:

  • Hypoendemisch: Milzrate 0-10%
  • Mesoendemisch: Milzrate 11-50%
  • Hyperendemisch: Milzrate 51-75%
  • Holoendemisch: Milzrate >75%.

Das Tasten der Milz wurde in späteren Untersuchungen durch den Parasitennachweis ersetzt.[3]

9.2 Hepatitis B

Nach Definition der WHO weisen Länder mit einer Prävalenz

  • von <2% eine niedrige
  • von 2-7,9% eine mittlere und
  • ab 8% eine hohe

Endemizität an Hepatitis B auf. Wie im Allgemeinen bei der WHO werden nicht Endemiegebiete, sondern Mitgliedsländer für Statistiken herangezogen.[4]

10 Quellen

  1. Cutaneous and visceral leishmaniasis endemicity status WHO 22. September 2017, abgerufen am 2.10.2017
  2. Global leishmaniasis update, 2006–2015: a turning point in leishmaniasis surveillance WHO Weekly epidemiological record, No 38, 2017, 92, 557–572, 22. September 2017, abgerufen am 5.10.2017
  3. Löscher/Burchard (Hrsg.): Tropenmedizin in Klinik und Praxis Thieme 4. Auflage 2010, S. 563-564, abgerufen am 2.10.2017
  4. Einschätzung der Krankheitslast von chronischer Hepatitis B unter im Ausland geborenen Bevölkerungsgruppen HEPScreen (EU) 2014, abgerufen am 2.10.2017

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