Doppelt sequenzielle Defibrillation
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LoslegenEnglisch: double sequential external defibrillation, DSD, double sequential defibrillation
Definition
Die doppelt sequenzielle externe Defibrillation, kurz DSED oder DSD, ist eine Defibrillationsstrategie bei persistierendem Kammerflimmern oder pulsloser ventrikulärer Tachykardie nach mindestens drei konsekutiven Schocks. Über zwei Defibrillatoren werden zwei nicht simultane Defibrillationsschocks in rascher Folge abgegeben. Der genaue Wirkmechanismus und der klinische Zusatznutzen sind bisher (2026) nicht abschließend geklärt.[1][2]
Hintergrund
Bei der DSED werden zwei Defibrillatoren so positioniert, dass die Elektroden unterschiedliche Vektoren abdecken, z.B. anteroposterior und anterolateral. Die Schocks erfolgen mit minimalem zeitlichen Versatz. So soll ein größerer Anteil des Myokards depolarisiert werden.
Die Methode erfordert erfahrenes Personal, um die Geräte sicher und effektiv zu bedienen und die Maßnahme zu bewerten. Für die Anwendung einer doppelt sequenziellen externen Defibrillation gibt es derzeit (2026) keine spezifisch zugelassene externe Defibrillatortechnologie. Vor dem Einsatz müssen die jeweilige Gebrauchsanweisung, lokale Standardarbeitsanweisungen und regulatorische Vorgaben beachtet werden.[3]
Indikationen
Die doppelt sequenzielle externe Defibrillation wird erwogen bei:
- therapierefraktärem Kammerflimmern, das nach mindestens drei konsekutiven Standardschocks persistiert
- pulsloser ventrikulärer Tachykardie, die auf Standarddefibrillation nicht anspricht
Vor der Anwendung muss die korrekte Position der Elektroden überprüft und ein Vektorwechsel, z.B. von anterolateral zu anteroposterior, erwogen werden.
Limitationen
Nicht durchgeführt werden sollte eine DSED bei
- nicht therapierefraktärem Kammerflimmern mit Ansprechen auf Standarddefibrillation
- fehlenden personellen Voraussetzungen, insbesondere ungeschultes Personal
- fehlenden technischen Voraussetzungen, insbesondere wenn nur ein Defibrillator verfügbar ist
- fehlenden lokalen Standardarbeitsanweisungen für das Verfahren
Technik
Die Durchführung der doppelt sequenziellen externen Defibrillation erfolgt in mehreren Schritten:
- möglichst korrekte Positionierung des ersten Defibrillators mit Elektroden in anterolateraler Position
- Positionierung des zweiten Defibrillators mit Elektroden in anteroposteriorer Position
- Die Elektroden der beiden Systeme dürfen sich nicht berühren.
- Laden beider Defibrillatoren auf die empfohlene Energie gemäß Herstellerangaben und lokalen Protokollen
- Sicherstellen, dass alle Helfer Abstand zum Patienten haben
- Abgabe des ersten Schocks
- Unmittelbar danach (möglichst innerhalb einer Sekunde) Abgabe des zweiten Schocks[4]
- Sofortige Wiederaufnahme der Herzdruckmassage
Die Schocks erfolgen also nicht simultan, sondern in rascher Folge nacheinander.
Risiken
Die Anwendung der DSED birgt spezifische Risiken:
- erhöhtes Verletzungsrisiko für Anwender durch zwei gleichzeitig geladene Geräte
- mögliche Interferenzen zwischen den Defibrillatoren
- potenzielle Geräteschäden bei unsachgemäßer Anwendung
- ungeklärte Langzeitfolgen für Patienten aufgrund der erhöhten Energieabgabe
- rechtliche Risiken durch Off-Label-Anwendung ohne spezifische Gerätezulassung
Evidenz
Die Leitlinien des European Resuscitation Council (ERC) 2025 empfehlen bei nach drei konsekutiven Schocks fortbestehendem Kammerflimmern nach Überprüfung der korrekten anterolateralen Elektrodenposition einen Vektorwechsel, beispielsweise in anteroposteriorer Position, zu erwägen. Eine DSED wird wegen praktischer Herausforderungen und begrenzter Evidenz nicht zur Routineanwendung empfohlen. ILCOR (International Liaison Committee on Resuscitation) schlägt DSED oder Vektorwechsel als mögliche Strategien vor. Die AHA (American Heart Association) bewertet den Nutzen beider Verfahren weiterhin als nicht gesichert.[5][6][2]
Eine retrospektive Kohortenanalyse aus dem Jahr 2016 hat für die duale Defibrillation keinen signifikanten Überlebensvorteil gezeigt (neurologisch intaktes Überleben 6 % vs. 11,4 %).[7] Eine randomisierte Cluster-Crossover-Studie DOSE-VF zeigte bei 405 Erwachsenen mit präklinischem therapierefraktärem Kammerflimmern eine höhere Überlebensrate bis zur Krankenhausentlassung unter DSED als unter Standarddefibrillation (30,4 % vs. 13,3 %; relatives Risiko 2,21).[1] Die Studie wurde jedoch vorzeitig beendet. Daher bleiben die Evidenzsicherheit, die optimale technische Durchführung und der Stellenwert gegenüber dem Vektorwechsel Gegenstand weiterer Forschung.[3] Eine 2026 publizierte schwedische Pilotstudie zur frühen DSED-Anwendung (DoubleD-Trial) untersucht diese Fragestellung in einer eigenen randomisierten Hauptstudie weiter.[8]
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 Cheskes S, Verbeek PR, Drennan IR, et al. Defibrillation Strategies for Refractory Ventricular Fibrillation. N Engl J Med. 2022;387(21):1947-1956.
- ↑ 2,0 2,1 Wigginton JG, Agarwal S, Bartos JA, et al. Part 9: Adult Advanced Life Support: 2025 American Heart Association Guidelines for Cardiopulmonary Resuscitation and Emergency Cardiovascular Care. Circulation. 2025;152(16 Suppl 2):S538-S577.
- ↑ 3,0 3,1 Nichol G, Atkins DL, Koster RW, et al. Scientific Priorities Related to the Use of Double Sequential External Defibrillation in Patients With Refractory Cardiac Arrest: Report From a Multistakeholder Thinktank. J Am Heart Assoc. 2025;14(21):e044130.
- ↑ Drennan IR, Dorian P, McLeod S, Pinto R, Scales DC, Turner L, Feldman M, Verbeek PR, Morrison LJ, Cheskes S. DOuble SEquential External Defibrillation for Refractory Ventricular Fibrillation (DOSE VF): study protocol for a randomized controlled trial. Trials. 2020 Nov 26;21(1):977. doi: 10.1186/s13063-020-04904-z. PMID: 33243277; PMCID: PMC7689391. Download
- ↑ Soar J, Böttiger BW, Carli P, et al. European Resuscitation Council Guidelines 2025 Adult Advanced Life Support. Resuscitation. 2025;215(Suppl 1):110769.
- ↑ Berg KM, Bray JE, Djärv T, et al. Executive Summary: 2025 International Liaison Committee on Resuscitation Consensus on Science With Treatment Recommendations. Circulation. 2025;152(16 Suppl 1):S2-S22.
- ↑ Ross EM, Redman TT, Harper SA, et al. Dual defibrillation in out-of-hospital cardiac arrest: A retrospective cohort analysis. Resuscitation. 2016;106:14-17.
- ↑ Riva G, Nordkvist EB, Magnusson C, et al. Feasibility of early double sequential defibrillation in out-of-hospital cardiac arrest: the double-D randomised pilot trial. Heart. 2026.
Literatur
- Pourmand A, Galvis J, Yamane D. The controversial role of dual sequential defibrillation in shockable cardiac arrest. Am J Emerg Med. 2018;36(9):1674-1679. doi:https://doi.org/10.1016/j.ajem.2018.05.078
- Reanimation 2025 – Leitlinien kompakt 2. Auflage (2026) ISBN 978-3-00-084579-6 (c) 2025 Deutscher Rat für Wiederbelebung – German Resuscitation Council e.V. (GRC)