Dermatotraktion
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LoslegenSynonym: Gewebsdehnung
Englisch: skin stretching
Definition
Bei der Dermatotraktion handelt es sich um ein chirurgisches Verfahren zum schrittweisen Sekundärverschluss größerer, klaffender Hautdefekte. Hierzu werden die Wundränder schrittweise durch kontinuierliche mechanische Spannung gedehnt, bis die Wunde vollständig verschlossen werden kann.[1]
Indikation
Die Dermatotraktion wird überwiegend in der Unfallchirurgie und Orthopädie sowie in der plastischen Chirurgie eingesetzt. Ausschlaggebend für ihren Einsatz sind starke Weichteilschwellungen oder großer Gewebsverlust, die einen primären Wundverschluss verhindern. Dieser Zustand tritt gehäuft nach einer Dermatofasziotomie auf, die typischerweise zur Behandlung eines Kompartmentsyndroms durchgeführt wird.
Vorgehen
Bei der Dermatotraktion werden Hautklammern (Staples) oder Intrakutannähte im Abstand von 1,5 bis 2 cm parallel zum Wundrand in die gesunden Hautränder eingebracht.
Durch elastische Vessel Loops oder Bänder in der Schnürsenkeltechnik (engl. shoelace technique) bzw. durch externe mechanische Spannvorrichtungen (Distraktoren) werden diese Ankerpunkte miteinander verbunden und schrittweise zusammengezogen. Die kontinuierliche Spannung und das regelmäßige Nachspannen der Vorrichtung bewirken eine graduelle Dehnung der Haut an den Wundrändern. Dabei wird die kapilläre Rückfüllung der angrenzenden Haut fortlaufend kontrolliert, um eine Beeinträchtigung der Durchblutung zu vermeiden.[2]
Die typische Behandlungsdauer bis zum vollständigen Sekundärverschluss beträgt einige Tage bis etwa zwei Wochen.[3]
Vorteile
Im Vergleich zur Spalthauttransplantation bietet die Dermatotraktion mehrere Vorteile. Da keine Haut von einer anderen Körperstelle entnommen wird, gibt es keinen Hebedefekt. Da die ortsständige Haut in ihrer Kontinuität erhalten bleibt und die kutanen Nervenfasern intakt bleiben, wird das normale Gefühlsempfinden an der Operationsstelle nicht beeinträchtigt. Darüber hinaus entsprechen Textur und Farbe der verschlossenen Wunde dem umgebenden Gewebe und führen so zu einem besseren kosmetischen Ergebnis.[1]
Komplikationen
Mögliche Komplikationen sind Hautnekrosen am Wundrand bei zu hoher Spannung, Wundinfektionen an den Ankerpunkten sowie ein Versagen des Verfahrens bei stark vernarbter oder steifer Haut, etwa nach nekrotisierender Fasziitis. In solchen Fällen kann eine Kombination mit der Vakuumtherapie die Verschlussrate erhöhen.[3]
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 Georg Thieme Verlag; Der graduelle Wundverschluss durch Dermatotraktion an der Hand; Handchir Mikrochir Plast Chir 2001; 33(1): 35-37
- ↑ Venkataramana P, Padasali PS. The dermatotraction technique for closure of fasciotomy wound. J Orthop Allied Sci. 2015;3(1):17-18. doi:10.4103/2319-2585.155912
- ↑ 3,0 3,1 Obuh OO, Esomu EO, Sydney RO. Suturing Dermatotraction Techniques in Closing Fasciotomy Wounds: A Systematic Review. Cureus. 2023;15(4):e37550.