Palpatorische Tonometrie
Synonym: Bulbuspalpation
Definition
Die palpatorische Tonometrie ist ein qualitatives klinisches Untersuchungsverfahren zur groben Abschätzung des Augeninnendrucks durch vorsichtiges Abtasten (Palpation) des Bulbus oculi über das geschlossene Oberlid.
Durchführung
Der Patient blickt nach unten und schließt die Augen. Der Untersucher legt beide Zeigefinger abwechselnd sanft auf das Oberlid und übt leichten Druck auf den Bulbus aus. Anhand des Widerstands wird subjektiv die "Härte" des Auges eingeschätzt. Bei normalem Augeninnendruck zeigt der Bulbus eine gewisse Nachgiebigkeit ("Fluktuation"). Bei stark erhöhtem Augeninnendruck erscheint der Bulbus hingegen deutlich verhärtet ("steinhart").
Üblicherweise erfolgt ein Seitenvergleich beider Augen, um asymmetrische Druckverhältnisse zu erkennen.
Klinische Bedeutung
Die palpatorische Tonometrie ist insbesondere dann von Bedeutung, wenn eine Messung des Augeninnendrucks an der Hornhaut apparativ nicht möglich ist, z.B. bei infektiösem Hornhautulkus, akutem Glaukomanfall oder bei schwerkranken Patienten mit Sekundärglaukom.
Ein palpatorisch "steinharter" Bulbus spricht für eine massive Druckerhöhung, wie sie typischerweise beim akuten Winkelblockglaukom vorkommt. Mäßige Drucksteigerungen, wie beim chronischen Offenwinkelglaukom, sind palpatorisch hingegen deutlich schwieriger zu erkennen.
Quellen
- Grehn, Augenheilkunde, 31. Auflage, Springer, 2012