Harnblasendivertikel
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LoslegenSynonym: Blasendivertikel
Englisch: bladder diverticulum
Definition
Harnblasendivertikel sind sackartige Ausstülpungen der Blasenwand.
- ICD-10-Codes: N32.3 (erworben), Q64.6 (kongenital)
Ätiologie und Formen
Kongenitale Harnblasendivertikel
Die angeborenen Blasendivertikel sind echte Divertikel bei bestehender Blasenwandschwäche, welche die gesamte Blasenwand betreffen – der Aufbau der Divertikelwand entspricht also der Blasenwand. Sie werden meist bei Jungen vor dem 10. Lebensjahr entdeckt.
Das angeborene Divertikel findet sich infolge einer Schwäche der Waldeyer-Scheide, paraureteral am Hiatus uretericus der Blasenwandmuskulatur (sog. Hutch-Divertikel).
Erworbene Harnblasendivertikel
Erworbene Divertikel sind Ausstülpungen der Blasenschleimhaut (Pseudodivertikel) an muskulären Schwachstellen, z.B. zwischen hypertrophierten Detrusorbündeln. Sie entstehen bei funktioneller infravesikaler Harnwegsobstruktion und nachfolgend erhöhtem Miktionsdruck. Erworbene Divertikel treten überwiegend bei Männern ab dem 50. Lebensjahr auf.
Symptomatik
Das Harnblasendivertikel macht keine spezifischen Symptome. Aufgrund der funktionellen Einschränkung der Blasenwandmuskulatur (Musculus detrusor vesicae) können Harnwegsinfekte und Enuresis auftreten. Die Patienten haben oftmals ein Gefühl der unvollständigen Blasenentleerung, teils mit zweizeitiger Miktion. Durch die Harnstase im Divertikel können sich Blasensteine bilden.
Diagnostik
Die Diagnose kann durch ein Miktionszystourethrogramm (MCU) verifiziert werden, das zugleich etwaige infravesikale Obstruktionen und die Blasenkonfiguration beurteilen lässt. Ergänzend kommen die Sonografie (häufig Erstnachweis) und die Zystoskopie zum Einsatz.
Therapie
Ein kongenitales, solitäres Blasendivertikel kann, falls kein vesikoureteraler Reflux vorliegt, unbehandelt bleiben und wird regelmäßig kontrolliert.
Größere Divertikel, die zur Restharnbildung und chronischer Entzündung führen, werden exzidiert. Als Eingriff kommt eine laparoskopische, roboterassistierte oder offene Divertikulektomie in Frage. Das paraureterale Hutch-Divertikel wird bei begleitendem Reflux durch eine Antirefluxplastik (ggf. mit Harnleiterneuimplantation) beseitigt. Bei erworbenen Divertikeln ist zusätzlich die auslösende infravesikale Obstruktion zu behandeln (Desobstruktion).
Literatur
- Michel MS, Thüroff JW, Janetschek G, Wirth M (Hrsg.). Die Urologie. Springer; 2016.
- Schmelz HU, Sparwasser C, Weidner W. Facharztwissen Urologie. Springer.