Bajonett-Artefakt
Englisch: bayonet artifact
Definition
Das Bajonett-Artefakt ist ein sonografisches Artefakt, das insbesondere bei ultraschallgestützten Punktionen sichtbar wird. Es führt dazu, dass die Punktionsnadel auf dem Ultraschallbild geknickt oder gebogen erscheint und somit an eine gebogene Bajonettklinge erinnert, obwohl sie in Wirklichkeit gerade verläuft.
Hintergrund
Ultraschallgeräte rekonstruieren Bilder unter der Annahme, dass sich Schallwellen in Gewebe mit einer konstanten Schallgeschwindigkeit (≈ 1540 m/s) ausbreiten. In der Realität weisen verschiedene Gewebe jedoch abweichende Schallgeschwindigkeiten auf:
- Fettgewebe: geringere Schallgeschwindigkeit
- Flüssigkeitsgefüllte Strukturen (z. B. Gefäße): leicht höhere Schallgeschwindigkeit
Wenn eine Nadel durch Gewebe mit unterschiedlichen Schallleitungseigenschaften verläuft, interpretiert das Gerät die Laufzeit der Schallwellen falsch. Dies führt zu einer Fehlprojektion einzelner Nadelabschnitte im Bild.
Klinische Relevanz
Das Bajonett-Artefakt ist besonders relevant bei:
- ultraschallgesteuerten Punktionen
- Gefäßzugängen (z. B. ZVK-Anlage)
- Regionalanästhesie
- Biopsien
- Drainageanlagen
Ein korrektes Verständnis des Artefakts verhindert Fehldeutungen und trägt zur sicheren Platzierung der Nadel bei, da die visuelle Darstellung nicht der realen Nadelposition entspricht.
Literatur
- Singh H, Worsley C. Bayonet artifact. Reference article, Radiopaedia.org, https://doi.org/10.53347/rID-168735, zuletzt besucht 08.01.2026.
- eusz G, Sarkany P, Gal J, Csomos A. Needle-Related Ultrasound Artifacts and Their Importance in Anaesthetic Practice. Br J Anaesth. 2014;112(5):794-802. doi:10.1093/bja/aet585.