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Gifttier

Englisch: venomous animal, poisonous animal

1 Definition

Gifttiere sind Tiere, die in bestimmten Organen Toxine (Zootoxine) enthalten und diese zum Beuteerwerb oder zur Verteidigung einsetzen. Giftige Tiere finden sich in zahlreichen Tierklassen. Von medizinischer Relevanz sind nur wenige mitteleuropäische Arten, in der Reisemedizin spielen Gifttiere jedoch eine größere Rolle.

2 Unterteilung

2.1 Aktiv giftige Tiere

Aktiv giftige Tiere verfügen über einen Giftapparat, der dazu dient, das toxische Sekret direkt in den Organismus der Beute respektive des Feindes einzubringen. Dies erfolgt zumeist durch Giftzähne mit Leitbahn für das Giftsekret (Giftschlangen), sonstige Kieferwerkzeuge (Schwarze Witwe), Stachel (Honigbiene, Gelber Mittelmeerskorpion, Feuerfische) oder Nesselzellen (Seewespe). Kegelschnecken applizieren ihr Toxingemisch über einen Stachel, der harpunenartig auf Beute oder Feinde geschossen wird. Das Gift wird in Giftdrüsen von sekretorischen Epithelzellen oder Bakterien produziert und gespeichert. Bei Nesseltieren verbleibt der Giftvorrat in den einzelnen Nesselzellen. Aktiv giftige Tiere werden im Englischen als "venomous" bezeichnet.

2.2 Passiv giftige Tiere

Passiv giftige Tiere verfügen nicht über einen Giftapparat. Das Gift kann also nicht aktiv von dem Tier in einen anderen Organismus eingebracht werden. Das Gift dient nicht dem Beuteerwerb. Um eine Intoxikation zu bewirken, ist es erforderlich, dass der Feind das Tier in das Maul nimmt oder auffrisst. Teilweise können Toxine auch über die Haut resorbiert werden. Das Gift wird entweder in Drüsen gespeichert (Baumsteigerfrösche) oder wird in bestimmten Körperteilen/Organen, etwa der Leber, angereichert (Kugelfische). Auch hier kann das Giftsekret sowohl von eigenen sekretorischen Zellen, als auch von Mikroorganismen gebildet werden oder es wird (zumindest teilweise) über die Nahrung aufgenommen (Raupen des Jakobskrautbären). Passiv giftige Tiere werden im Englischen als "poisonous" bezeichnet.

3 Gifte

Die Gifte sind in der Regel mehr oder weniger komplexe Mischungen vieler chemischer Substanzen mit unterschiedlichen Wirkungen. Zumeist handelt es sich um Proteine, Peptide, Enzyme und Alkaloide. Häufig leiten sich die Toxine aus evolutionärer Sicht von Verdauungsenzymen ab, aus denen die Toxine durch genetische Mutation hervorgegangen sind.

4 Epidemiologie

4.1 Deutschland

In Deutschland gehen die meisten durch Tiere verursachten Vergiftungen auf das Konto von Bienen und Wespen, wobei die Komplikation der allergischen Reaktion keine Seltenheit ist. Heimische Feuerquallen bewirken Lokalreaktionen und können unter Umständen massenhaft in deutschen Küstenabschnitten auftreten. Spinnenbisse sind selten, heimische Spinnen sind nicht gefährlich. Lediglich die Dornfingerspinne kann äußerst schmerzhafte Lokalreaktionen auslösen. Heimische Giftschlangen (hauptsächlich die Kreuzotter) sind scheu und selten, Bissunfälle sind äußerst selten und zumeist nicht letal. In Mitteleuropa beträgt der Anteil an akuten Vergiftungen, der auf Gifttiere zurückzuführen ist, circa 2,3 Prozent.

Die private Haltung exotischer Tiere ist ein Hobby, das sich auch in Deutschland immer weiter ausbreitet. Viele Liebhaber halten Giftschlangen, Spinnentiere (vor allem Vogelspinnen und Skorpione) oder andere Gifttiere. Besonders Unfälle mit Giftschlangen gelangen regelmäßig in die Schlagzeilen, gingen bisweilen aber zumeist glimpflich aus. Die Haltung solcher Tiere sollte erfahrenen und sachkundigen Personen vorbehalten bleiben, die rechtliche Situation unterscheidet sich je nach Bundesland.

4.2 Weltweit

Giftige Tiere sind vor allem in wärmeren und gemäßgten Gebieten der Erde verbreitet. Viele Unfälle ereignen sich im Süden Nordamerikas, Mittelamerika und den tropischen bis warm gemäßigten Teilen Südamerikas, Afrika, dem Nahen Osten, Afghanistan, Pakistan, Indien und Südostasien sowie Australien.

5 Statistische Daten

  • Australien: gilt als "giftigster Kontinent" der Erde, dennoch sind Todesfälle durch Gifttiere selten, nicht zuletzt aufgrund der guten Infrastruktur und wirksamer Antivenine/Gegengifte. Von circa 3.000 Giftschlangenbissen jährlich nehmen weniger als 10 einen letalen Verlauf.
  • Japan: 5 Tote/Jahr durch Fugu (unsachgemäß zubereiteter Kugelfisch).
  • Mexiko: 200.000 bis 300.000 Skorpionstiche pro Jahr, 800 davon tödlich.
  • Myanmar: 1.000 Tote/Jahr durch Giftschlangenbisse.
  • USA: 8.000 Vergiftungsfälle/Jahr durch Giftschlangen, davon im Mittel 15 Todesfälle; durch Bienen- und Wespenstiche sterben hier jährlich im Mittel 44 Menschen.
  • Weltweit: 421.000 dokumentierte und 1,8 Millionen geschätzte Vergiftungen durch Giftschlangen pro Jahr, von denen mindestens 20.000 einen letalen Verlauf nehmen. Circa 5.000 Todesfälle/Jahr durch Skorpionstiche.

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