Harnanionenlücke: Unterschied zwischen den Versionen

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== Definition ==
== Definition ==
Die '''Harnanionenlücke''' ist ein [[Diagnostisch|diagnostischer]] [[Parameter]] zur Erkennung von Störungen im [[Säure-Basen-Haushalt]]. Er wird vor allem zur Differenzierung der [[Hyperchlorämisch|hyperchlorämischen]] [[Metabolische Azidose|metabolischen Azidose]] verwendet. Die Harnanionenlücke ist normalerweise neutral bis leicht positiv.
Die '''Harnanionenlücke''' ist ein [[Diagnostisch|diagnostischer]] [[Parameter]] zur Erkennung von Störungen im [[Säure-Basen-Haushalt]]. Er wird vor allem zur Differenzierung der [[Hyperchlorämisch|hyperchlorämischen]] [[Metabolische Azidose|metabolischen Azidose]] verwendet. Die Harnanionenlücke ist normalerweise neutral bis leicht positiv.
== Hintergrund ==
Die metabolische Azidose wird durch eine verminderte Ausscheidung von [[Proton|Protonen]] oder einen erhöhten [[Bikarbonat]]-Verlust verursacht. Zum Ausgleich wird vermehrt [[Ammonium]] mit dem [[Urin]] ausgeschieden, wodurch es zur Verringerung der Harnanionenlücke kommt. Bei der hyperchlorämischen metabolischen Azidose können Werte zwischen 0 und -200 mEq/l bestimmt werden. Bei Patienten mit [[Distal|distaler]] [[Renale tubuläre Azidose|renaler tubulärer Azidose]] ist die Harnanionenlücke trotz vorherrschender metabolischer Azidose positiv, da eine gestörte [[Wasserstoff|Wasserstoffionensekretion]] zu einer verminderten Ammoniumausscheidung führt.


== Berechnung ==
== Berechnung ==
Die Harnanionenlücke wird mit folgender Formel berechnet:  
Die Harnanionenlücke wird mit folgender Formel berechnet:  
<math display="block"> \text{Harnanionenlücke} = ([Na^+] + [K^+]) - ([Cl^-])</math>  
<math display="block"> \text{Harnanionenlücke} = ([Na^+] + [K^+]) - ([Cl^-])</math>
== Pathophysiologie ==
Die metabolische Azidose wird durch eine verminderte Ausscheidung von [[Proton|Protonen]] oder einen erhöhten [[Bikarbonat]]-Verlust verursacht. Zum Ausgleich wird vermehrt [[Ammonium]] mit dem [[Urin]] ausgeschieden. Da die Na<sup>+</sup>- und K<sup>+</sup>-Ausscheidung im Urin zugunsten der vermehrten Ammonium-Auscheidung abnimmt, wird Harnanionenlücke kleiner.
 
Bei der hyperchlorämischen metabolischen Azidose können Werte zwischen 0 und -200 mEq/l bestimmt werden. Bei Patienten mit [[Distal|distaler]] [[Renale tubuläre Azidose|renaler tubulärer Azidose]] ist die Harnanionenlücke trotz vorherrschender metabolischer Azidose positiv, da eine gestörte [[Wasserstoff|Wasserstoffionensekretion]] zu einer verminderten Ammoniumausscheidung führt.


== Interpretation ==
== Interpretation ==

Version vom 15. September 2024, 22:24 Uhr

Synonyme: Anionenlücke im Harn, Anionenlücke im Urin
Englisch: urinary anion gap, urine anion gap, UAG

Definition

Die Harnanionenlücke ist ein diagnostischer Parameter zur Erkennung von Störungen im Säure-Basen-Haushalt. Er wird vor allem zur Differenzierung der hyperchlorämischen metabolischen Azidose verwendet. Die Harnanionenlücke ist normalerweise neutral bis leicht positiv.

Berechnung

Die Harnanionenlücke wird mit folgender Formel berechnet:

Pathophysiologie

Die metabolische Azidose wird durch eine verminderte Ausscheidung von Protonen oder einen erhöhten Bikarbonat-Verlust verursacht. Zum Ausgleich wird vermehrt Ammonium mit dem Urin ausgeschieden. Da die Na+- und K+-Ausscheidung im Urin zugunsten der vermehrten Ammonium-Auscheidung abnimmt, wird Harnanionenlücke kleiner.

Bei der hyperchlorämischen metabolischen Azidose können Werte zwischen 0 und -200 mEq/l bestimmt werden. Bei Patienten mit distaler renaler tubulärer Azidose ist die Harnanionenlücke trotz vorherrschender metabolischer Azidose positiv, da eine gestörte Wasserstoffionensekretion zu einer verminderten Ammoniumausscheidung führt.

Interpretation

  • Harnanionenlücke negativ: extrarenal bedingte metabolische Azidose (z.B. Diarrhö mit HCO3--Verlust) durch vermehrte Sekretion von Ammonium
  • Harnanionenlücke positiv: renal tubuläre Azidose durch eine verminderte Sekretion von Ammonium

Literatur