Spiritual Care
Synonym: spirituelle Pflege
Definition
Spiritual Care ist die Einbeziehung spiritueller bzw. religiöser Bedürfnisse in die Betreuung von Menschen mit schweren chronischen oder tödlichen Erkrankungen. Primärziel ist die Förderung der Lebensqualität trotz Konfrontation mit Krankheit, Leiden oder drohendem Tod.
Die Spiritual Care ist Bestandteil der Palliative Care.
Hintergrund
Die spirituelle Dimension ist ein wesentlicher Bestandteil der Palliative Care. Studien zeigen, dass Spiritualität und Religiosität einen relevanten Einfluss auf die Lebensqualität, Krankheitsbewältigung und auch persönliche therapeutische Entscheidungen von Palliativpatienten haben.[1]
Spiritual Care ist eine interprofessionelle Aufgabe, bei der unterschiedliche Berufsgruppen gemeinsam dazu beitragen, spirituelle Bedürfnisse wahrzunehmen und angemessen einzubeziehen.
Terminologie
In der Spiritual Care sind folgende Begriffe von Bedeutung:
Spiritualität
Spiritualität beschreibt die individuelle Art und Weise, wie Menschen Sinn, Hoffnung und Verbundenheit erleben oder suchen; z.B. mit sich selbst, mit anderen, mit der Natur oder mit etwas "Höherem" bzw. "Heiligem". Zur Spiritualität gehören auch die Fragen, die angesichts von Krankheit und Endlichkeit des Lebens aufkommen. Sie kann religiös oder nicht religiös geprägt sein.[2]
Religiosität
Religiosität bezeichnet die persönliche Form und Ausprägung des Glaubens und religiösen Lebens. Sie kann innerhalb oder außerhalb religiöser Institutionen gelebt werden. Nicht alle Menschen mit Religionszugehörigkeit verstehen sich als religiös, und umgekehrt können auch konfessionslose Menschen religiöse Überzeugungen haben.[3]
Religion
Unter Religion werden organisierte Glaubensgemeinschaften mit gemeinsamen Glaubensinhalten, Ritualen, Traditionen und Texten verstanden, beispielsweise Christentum, Islam, Judentum, Buddhismus oder Hinduismus.
Umsetzung in der Praxis
Pflegeinstitutionen, die Spiritual Care in die Palliativversorgung integrieren, benötigen geeignete organisatorische Rahmenbedingungen sowie geschulte Fachpersonen.
Spirituelle Bedürfnisse sollen dabei als Teil einer ganzheitlichen palliativen Betreuung wahrgenommen und in den Pflegealltag eingebunden werden. Dieser Prozess lässt sich in vier Schritte unterteilen:
Wahrnehmen
Im Pflegealltag sollte aktiv auf mögliche spirituelle Bedürfnisse geachtet werden. Diese werden häufig indirekt durch Aussagen, Verhalten oder Symbole geäußert, beispielsweise durch Hoffnungslosigkeit ("Das hat doch alles keinen Sinn mehr!") oder religiöse Gegenstände (z.B. Bibel auf dem Nachttisch).
Erkunden
Spirituelle Bedürfnisse sollen in einem geschützten und vertrauensvollen Rahmen erkundet werden. Dies erfolgt durch offene, wertschätzende Fragen zu Hoffnung, Sinn, Kraftquellen und persönlichen Wertvorstellungen. Dabei können auch Assessmentinstrumente wie "HOPE" oder "SPIR" verwendet werden.
Begleiten
Die spirituelle Begleitung umfasst aktives Zuhören, Präsenz, Wertschätzung und das Ernstnehmen individueller Überzeugungen. Je nach Bedürfnissen können Gespräche mit spirituellem Fokus, Rituale, Gebete oder die Vermittlung an Seelsorge und andere Fachpersonen Teil der Begleitung sein. Auch mögliche Rückzugsorte (z.B. Krankenhauskapelle) können genutzt werden.
Dokumentieren
Spirituelle Bedürfnisse, Ressourcen, Belastungen sowie Vereinbarungen sollen dokumentiert werden, sofern sie für die Betreuung bedeutsam sind. Die Dokumentation dient dem interprofessionellen Austausch.
Literatur
- Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin, Positionspapier: Spiritual Care und Seelsorge in der Hospitz- und Palliativversorgung, 2025
- S2k-Leitlinie: Palliativversorgung und Trauerbegleitung in der Peri- und Neonatologie, 2025
- Palliative.ch - Leitlinie: Spiritual Care in der Palliative Care
Quellen
- ↑ Gijsberts, Spiritual Care in Palliative Care: A Systematic Review of the Recent European Literature, Spiritual Care in Palliative Care: A Systematic Review of the Recent European Literature, abgerufen am 18.05.2026
- ↑ European Association for Palliative Care, Web-Artikel: "What is Spiritual Care?", abgerufen am 18.05.2026
- ↑ Royal College of Psychiatrists London, Recommendations for psychiatrists on spirituality and religion, Seite 4, abgerufen am 18.05.2026