Speicherfoliensystem
Englisch: computed radiography (CR), photostimulable phosphor system
Definition
Ein Speicherfoliensystem ist ein digitaler Röntgendetektor, bei dem die Energie der einfallenden Röntgenstrahlung zunächst in einer Speicherfolie gespeichert und anschließend durch ein Auslesegerät in ein digitales Röntgenbild umgewandelt wird.
Physikalisches Prinzip
Das Speicherfoliensystem basiert auf dem Prinzip der photostimulierten Lumineszenz. Die Speicherfolie enthält sogenannte photostimulierbare Phosphore, meist Bariumfluorhalogenide (z.B. BaFBr:Eu). Beim Auftreffen von Röntgenphotonen werden Elektronen im Kristallgitter des Phosphormaterials in metastabile Energieniveaus angehoben und dort gespeichert. Diese gespeicherte Energie bildet ein latentes Bild, dessen Intensitätsverteilung der lokal absorbierten Röntgenstrahlung entspricht. Zur Bildgewinnung wird die Speicherfolie anschließend in einem Auslesegerät mit einem Laserstrahl zeilenweise abgetastet. Der Laser regt die gespeicherten Elektronen an, in ihren Grundzustand zurückzukehren. Dabei wird Licht emittiert, das von einem Photodetektor registriert und in ein elektrisches Signal umgewandelt wird.
Aufbau
Ein Speicherfoliensystem besteht typischerweise aus:
- Speicherfolie mit photostimulierbarem Phosphor
- Kassette zur Aufnahme der Speicherfolie während der Röntgenaufnahme
- Auslesegerät mit Laserabtastung und Photodetektor
- Bildverarbeitungssystem zur Erzeugung des digitalen Röntgenbildes
Nach dem Auslesen kann die Speicherfolie durch intensive Beleuchtung gelöscht und erneut verwendet werden.
Eigenschaften
Speicherfoliensysteme besitzen mehrere Eigenschaften, die sie von klassischen Film-Foliensystemen unterscheiden:
- großer Dynamikbereich
- digitale Bildverarbeitung möglich
- wiederverwendbare Detektorplatten
- relativ robuste Detektortechnologie
Die Ortsauflösung ist in der Regel geringer als bei modernen Flachdetektoren, da das emittierte Licht innerhalb der Phosphorschicht gestreut wird.
Einsatzgebiet
Speicherfoliensysteme wurden vor allem während der Übergangsphase von analogen zu digitalen Systemen eingesetzt. Sie ermöglichten eine Digitalisierung der Röntgenbildgebung, ohne die bestehende Infrastruktur der Projektionsradiographie vollständig ändern zu müssen. Heute (2026) werden sie zunehmend durch Flachdetektorsysteme ersetzt, sind jedoch in einigen Einrichtungen weiterhin im Einsatz, insbesondere bei älteren Röntgenanlagen oder mobilen Systemen.