Fetischistische Störung
von lateinisch: facticius - künstlich
Synonyme: paraphile Störung, die Verhaltensweisen als Einzelperson oder mit einwilligenden Personen beinhaltet, fetischistischer Typ der Paraphilie, Fetischismus (obsolet)
Englisch: fetishistic disorder
Definition
Die fetischistische Störung ist eine Unterform der paraphilen Störungen. Sie beinhaltet eine wiederkehrende sexuelle Erregung durch unbelebte Objekte oder spezifische, nicht-genitale Körperteile.
Nomenklatur
Der Begriff "fetischistische Störung" wird im klinischen Sprachgebrauch nach wie vor verwendet, soll aber nach neuerer Nomenklatur in der medizinischen Diagnostik durch die Definition der ICD-11 abgelöst werden:
- ICD-11: 6D38 – Paraphile Störung, die Verhaltensweisen als Einzelperson oder mit einwilligenden Personen beinhaltet
- ICD-10: F65.0 – Störungen der Sexualpräferenz, Fetischismus (veraltet)
Ob sich die komplexe Paraphrasierung außerhalb der Kodierung durchsetzt, ist unklar.
DSM-V-TR
In der aktuellen Ausgabe des DSM-V-TR erkennt die American Psychiatric Association die fetischistische Störung weiterhin als eigenständige Diagnose an.
Die diagnostischen Kriterien umfassen eine anhaltende und wiederkehrende sexuelle Erregung durch unbelebte Objekte oder spezifische, nicht-genitale Körperteile. Zusätzlich muss ein klinisch bedeutsamer Leidensdruck oder eine relevante Beeinträchtigung in sozialen, beruflichen oder anderen wichtigen Funktionsbereichen vorliegen.
Fetischismus
Der Begriff "Fetischismus" wird derzeit (2026) in einem nicht-pathologischen Kontext verwendet. Hierbei kommt es weder zu einer negativen klinischen Belastung noch zu einem bedeutsamen Verletzungs- oder Todesrisiko für die Person oder den Sexualpartner.
Ätiologie
Die Ätiologie der fetischistischen Störung ist nicht abschließend geklärt. Wahrscheinlich liegt ein multifaktorielles Zusammenspiel aus biologischen, psychologischen und sozialen Faktoren zugrunde (biopsychosoziales Modell). In der Literatur werden u.a. folgende Einflussfaktoren diskutiert:
- Konditionierungsprozesse: Sexuelle Erregung kann sich im Sinne der klassischen Konditionierung an bestimmte Reize koppeln, insbesondere wenn diese wiederholt mit sexueller Erregung assoziiert werden.
- Psychosoziale Faktoren: Individuelle Entwicklungsverläufe, frühe sexuelle Erfahrungen sowie Verfügbarkeit und Wiederholung bestimmter Reize begünstigen die Ausprägung und Stabilisierung von Präferenzen.
- Neurobiologische Faktoren: Es gibt Hinweise auf die Beteiligung zentralnervöser Belohnungs- und Erregungssysteme (z.B. dopaminerges System). Belastbare, spezifische Biomarker oder monokausale neurobiologische Modelle liegen jedoch nicht vor.
Diagnose
Gemäß ICD-11 zeichnet sich die o.a. paraphile Störung durch ein anhaltendes, intensives Muster atypischer sexueller Erregung aus. Dies beinhaltet sexuelle Gedanken, Fantasien, dranghafte Bedürfnisse oder Verhaltensweisen, die einwilligungsfähige Erwachsene oder einzelgängerisches Verhalten mit einbezieht.
Zur Diagnose muss eines der folgenden Kriterien erfüllt sein:
- Persistentes bzw. intensives atypisches Erregungsmuster und zusätzlich entweder
- eine starke Beeinträchtigung durch die Art des Erregungsmusters – sie darf nicht die Folge von Ablehnung oder befürchteter Ablehnung des Erregungsmusters sein
- die Art des paraphilen Verhaltens birgt ein bedeutsames Verletzungs- oder Todesrisiko für die Person oder den Sexualpartner (z.B. Asphyxiophilie)
Komorbidität
Paraphile Störungen können mit weiteren psychischen Störungen einhergehen, z.B. Depression, Angststörungen oder Zwangsstörungen.
Therapie
Nur wenige Betroffene suchen sich professionelle Hilfe und lassen die Störung behandeln. Die Therapie unterteilt sich meist in:
- Psychotherapie und Paartherapie
- Medikamentöse Therapie mit selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI)
Die Anwendung von SSRI zur Behandlung von fetischistischen Störungen isr umstritten. Die Arzneistoffe wurden nur mit begrenztem Erfolg eingesetzt.
Quellen
- ICD-11: Paraphile Störung, die Verhaltensweisen als Einzelperson oder mit einwilligenden Personen beinhaltet, abgerufen am 20.02.2026
- ICD-Code.de - F65.-, abgerufen am 24.03.2025
- MSD-Manuals - Fetischistische Störung, abgerufen am 24.03.2025
- Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, Fifth Edition, Text Revision, abgerufen am 23.2.2026
- Krueger R. et al., Proposals for Paraphilic Disorders in the International Classification of Diseases and Related Health Problems, Eleventh Revision (ICD-11), 2017
- Cristian D., Theoretical-experimental Models in Sexual and Paraphilic Dysfunctions, International Journal of Advanced Studies in Sexology, 2020