SOK-Modell
Definition
Das SOK-Modell ist ein gerontologisches Konzept. Es beschreibt, wie Menschen über ihre Lebenspanne – insbesondere im höheren Alter – auch mit begrenzten Ressourcen handlungsfähig bleiben.
Hintergrund
Das Modell geht auf Paul B. Baltes und Margret M. Baltes zurück und wurde als Rahmenkonzept für "erfolgreiche Entwicklung/erfolgreiches Altern" formuliert. Zentral ist die Annahme, dass mit zunehmendem Alter Ressourcen (z.B. Kraft, Sinnesleistung, Zeit, Gesundheit) meist knapp werden und deshalb ein aktives Management von Zielen und verfügbaren Mitteln notwendig ist.
Kernelemente
SOK steht für die drei Kernelemente Selektion, Optimierung und Kompensation:
Selektion
Selektion bedeutet, Ziele zu priorisieren und den eigenen Handlungsspielraum realistisch zu strukturieren.
- Beispiel: Statt "wieder Marathon laufen" wird "regelmäßig 30 Minuten gehen" als Ziel gewählt.
Optimierung
Optimierung meint, vorhandene Ressourcen gezielt zu stärken, um ausgewählte Ziele besser zu erreichen.
- Beispiel: Gehtraining, Kraftaufbau, Hilfsmitteltraining, Übungsprogramme
Kompensation
Kompensation bezeichnet Strategien, um Verluste auszugleichen, wenn frühere Mittel nicht mehr ausreichen.
Wichtig ist nicht die Reihenfolge, sondern die kombinierte Anwendung ("Orchestrierung") dieser Strategien.
Klinik
In der Geriatrie wird das SOK-Modell vor allem als praktisches Denkmodell genutzt, um Therapieziele alltagsnah zu setzen:
- Ziele werden gemeinsam mit dem Patienten fokussiert (Selektion),
- durch Training und Anleitung unterstützt (Optimierung),
- und durch Hilfsmittel, Umfeldanpassungen oder Assistenz abgesichert (Kompensation).
Grenzen
Das Modell ist bewusst allgemein gehalten. Es erklärt nicht jede individuelle Entwicklung und ersetzt keine medizinische Diagnostik. Zudem hängt die Umsetzbarkeit stark von Umweltfaktoren (Wohnsituation, Versorgung, finanzielle Mittel) und Erkrankungsschwere ab.