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Rorschach-Test

Synonyme: Tintenklecks-Test, Formdeutetest, Rorschach-Formdeuteversuch
Englisch: Rorschach-Test

1 Definition

Der Rorschach-Test ist ein projektiver Test zur Psychodiagnostik in der Psychiatrie. Er wurde von Hermann Rorschach, einem Schweizer Psychiater, entwickelt. Seine Theorien wurden von der Psychoanalyse beeinflusst. Die Verwendung des Tests soll Aufschlüsse über die Persönlichkeit des Patienten geben. Er wird ebenfalls zur Diagnose von Denkstörungen eingesetzt, besonders bei Menschen, die nicht gerne offen über ihre Gedanken sprechen.

2 Durchführung

Im Rahmen des Rorschach-Tests sollen 10 verschiedene, entweder ein- oder mehrfarbige, symmetrische Kleckse gedeutet weden. Mittlerweile gibt es viele Parallelversionen der Tintenklecksbilder, da eine Beeinflussung durch ein bereits bekanntes Bild ausgeschlossen werden muss. Zu Beginn des Tests setzt sich der Untersucher gemeinsam mit dem Patienten an einen Tisch. Der Untersucher muss darauf achten, jeweils ein bisschen hinterhalb des Patienten zu sitzen, um eine entspannte, aber kontrollierte Atmosphäre schaffen zu können. Die einzelnen Klecksbilder sind symmetrisch und ungefähr 18x24cm groß. Sie werden dem Patienten zunächst in einer definierten Reihenfolge vorgelegt. Die fünf ersten Bilder sind schwarz, zwei sind schwarz und rot, und drei sind mehrfarbig auf weißem Grund. Der Patient darf die Bilder beliebig drehen. Anschließend muss er zu jedem Bild seine Deutung äußern (Was könnte das sein?). Der Psychiater oder Psychologe weist darauf hin, dass der Patient ähnlich wie bei der freien Assoziation unzensiert nennen soll, was ihm gerade in den Sinn kommt. Es gibt dabei keine richtigen oder falschen Antworten. Während der Patient die Karten betrachtet notiert der Untersucher die Reaktionszeit, die Deutungen und die Handhabung (Drehung) der gezeigten Bilder. In der zweiten Testphase, der Befragungsphase, wird der Patient nach den Details gefragt, die ihn zu seiner Deutung veranlassten.

3 Auswertung

Die Auswertung kann entweder durch psychologische Interpretation oder durch festgelegte Algorithmen erfolgen. Anhand der Deutung des Patienten ist es möglich, Rückschlüsse auf die Gestaltverarbeitung, die emotionalen, sozialen und intellektuellen Persönlichkeitscharakteristika sowie auf seelische Störkomplexe zu ziehen. Allerdings basiert die Interpretation des Rorschach-Tests nicht primär auf den Deutungsinhalt des Patienten, der in Wirklichkeit nur einen kleinen Teil der Testauswertung ausmacht. Weitere wichtige Auswertekriterien sind die Zeit, die der Patient für eine Antwort benötigt, und seine zusätzlichen Bemerkungen zu einer Tintenklecksfigur.

Die Standardauswertung umfasst 5 Aspekte:

  • Lokalisation (gänzliche Deutung, Detaildeutung)
  • Determinanten (Form, Farbe, Schatten)
  • Häufigkeit der gegebenen Antworten im Vergleich mit anderen Patienten (Banalität, Originalität der Antwort)
  • Inhalte
  • Besondere Phänomene (Stupor, verlängerte Reaktionszeit)

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Fachgebiete: Psychiatrie

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