Regression zur Mitte
Englisch: regression to the mean
Definition
Die Regression zur Mitte beschreibt ein statistisches Phänomen, bei dem extreme Messwerte bei einer erneuten Messung im Mittel näher am arithmetischen Mittel der Population liegen. In der medizinischen Forschung führt das häufig zu einer scheinbaren Verbesserung oder Verschlechterung von Parametern, auch ohne kausale Intervention.
Hintergrund
Der Begriff wurde durch den britischen Eugeniker Francis Galton geprägt. Dieser untersuchte die Körpergröße von Kindern extrem großer oder kleiner Eltern. Er stellte fest, dass die Wahrscheinlichkeit noch extremerer Körpergrößen in der nachfolgenden Generation kleiner ist als eine Annäherung an das Populationsmittel und damit statistisch eine Regression zur Mitte zu erwarten ist.[1]
Der statistische Hintergrund des Effekts beruht auf grundlegenden Prinzipien der Wahrscheinlichkeit (z.B. zufällige Fehler) in Verbindung mit Korrelationseffekten. Je stärker ein gemessener Wert von dem arithmetischen Mittel abweicht, desto größer ist die Regression des Erwartungswerts der Folgemessung zum arithmetischen Mittel.
Bedeutung
Klinisch relevant ist die Regression zur Mitte etwa bei Laborwerten, die auch ohne Interventionen eine Regression zur Mitte zeigen. Auch bei Patienten mit extremen Vitalparametern ist ein weniger extremer Wert bei einer erneuten Messung zu erwarten.
In der medizinischen Forschung kann die Regression zur Mitte zu statistischen Verzerrungen führen. Werden diese nicht korrekt eingeordnet, können Forschungsergebnisse fälschlicherweise auf einen anderen Faktor attribuiert werden (Bias). Wenn eine Randomisierung möglich ist, kann die Durchführung einer randomisierten kontrollierten Studie Verzerrungen reduzieren.[2]
In der Intelligenzforschung wird eine Regression zur Mitte beim Intelligenzquotienten (IQ) beobachtet. Der Erwartungswert des IQ-Wertes eines Kindes liegt näher am Populationsdurchschnitt als die IQ-Werte der Eltern. Besonders stark fällt dieser Effekt bei Hochbegabung (IQ > 130) und Minderbegabung (IQ < 70) aus.
Literatur
- Regression zur Mitte (Schweizerisches Medizin-Forum, 2014)
- Krankheitsspezifische Ausprägung von Placeboeffekten (Expertise für die Bundesärztekammer, 2013)
Quellen
- ↑ Senn S: Francis Galton and regression to the mean. Significance. 2011;8(3):124–126.
- ↑ Linden A: Assessing regression to the mean effects in health care initiatives. BMC Med Res Methodol. 2013;13:119. doi:10.1186/1471-2288-13-119.