Plagiozephalus
1. Definition
Als Plagiozephalus bezeichnet man eine asymmetrische Verformung des Schädels, die meist durch eine einseitige Druckbelastung während des Kopfwachstums verursacht wird. Diese Form der Schädeldeformität tritt häufig bei Säuglingen auf und ist oft auf eine bevorzugte Schlafposition zurückzuführen.
2. Einteilung
Ein Plagiozephalus kann in zwei Typen unterteilt werden:
- kongenitaler Plagiozephalus: entsteht durch die Lagerung des Babys im Mutterleib.
- postnataler Plagiozephalus: tritt aufgrund von äußeren Druckfaktoren nach der Geburt auf.
3. Epidemiologie
Etwa 20-25 % der Säuglinge entwickeln eine Form von Plagiozephalus, wobei die meisten Fälle leicht sind.
4. Ätiologie
Die häufigsten Ursachen für einen Plagiozephalus sind:
- einseitiger Druck auf den Schädel
- Muskelverspannungen oder -ungleichgewichte, zum Beispiel durch einen Torticollis mit asymmetrischer Entwicklung der Nackenmuskulatur
Frühgeborene tragen ein höheres Risiko für Schädeldeformitäten.
5. Symptome
Leitsymptom eines Plagiozephalus ist die asymmetrische Kopfform. Klinisch lassen sich 5 Typen mit aufsteigendem Schweregrad differenzieren:
- Typ 1: einseitige okzipitale Abflachung
- Typ 2: zusätzlich eine ipsilaterale Verschiebung der Schädelbasis und des Ohres ("ear shift") nach ventral
- Typ 3: zusätzlich Abflachung der Stirn auf der kontralateralen Seite
- Typ 4: zusätzlich Gesichtsasymmetrie mit ungleich ausgeprägten Jochbögen
- Typ 5: zusätzlich Ausstülpungen des Schädels in temporale Richtung
6. Diagnostik
Die Asymmetrie fällt schon im Rahmen der klinischen Untersuchung bei der Inspektion auf. Mithilfe eines Kraniometers oder durch eine Plagiozephalometrie (PCM) kann die Deformation objektiviert werden. Wegen der Strahlenbelastung wird in der Regel keine Bildgebung durchgeführt. In ausgewählten Fällen kommt eine MRT in Betracht.
7. Therapie
Eine der wichtigsten Präventions- und Behandlungsmethoden ist, das Kind regelmäßig in verschiedenen Positionen schlafen zu lassen, um Druckstellen zu vermeiden. Bei Vorliegen eines Torticollis kann gezielte Physiotherapie helfen, die Nackenmuskulatur zu stärken und die Kopfposition zu korrigieren.
Bei schwereren Deformationen kann eine Helmtherapie zur Korrektur der Kopfverformung eingesetzt werden.
8. Literatur
- Robinson S, Proctor M. Diagnosis and management of deformational plagiocephaly. J Neurosurg Pediatr. 2009 Apr;3(4):284-95. doi: 10.3171/2009.1.PEDS08330. PMID: 19338406.