Neurologische Vikariation
Wir werden ihn in Kürze checken und bearbeiten.
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Lat.: vicarius = Stellvertreter, Ersatz; vicariatio = Stellvertretung, Ersatzhandlung
→ Bezeichnet die stellvertretende Übernahme einer Funktion durch eine andere Struktur.
Definition
Die neurologische Vikariation (auch Vikarianz; engl. vicariation) ist eine Hypothese aus der Neurorehabilitation und Neuropsychologie, nach der Funktionen geschädigter Hirnareale durch andere, zuvor nicht oder nur gering beteiligte neuronale Strukturen übernommen werden können. Sie dient als Erklärungsmodell für funktionelle Erholung nach Läsionen des Zentralnervensystems.
Hintergrund
Im Gegensatz zur Regeneration geht das Konzept der neurologischen Vikariation nicht von einer strukturellen Wiederherstellung zerstörter Nervenzellen aus, sondern von einer funktionellen Reorganisation bestehender neuronaler Netzwerke. Die beobachtete klinische Besserung wird dabei auf plastische Anpassungsprozesse im Zentralnervensystem zurückgeführt. Neuroplastizität umfasst adaptive strukturelle und funktionelle Veränderungen des Gehirns, einschließlich funktioneller Reorganisation, zu der auch Konzepte wie Vikariation gehören.
Klinischer Bezug
Die Vikariationshypothese wird zur Erklärung funktioneller Erholung nach umschriebenen Hirnläsionen, insbesondere nach Schlaganfall, Schädel-Hirn-Trauma und neurochirurgischen Eingriffen, herangezogen. Bildgebende Verfahren zeigen dabei häufig eine Aktivierung bislang nicht primär beteiligter Hirnareale, was im Rahmen dieser Hypothese als Hinweis auf reorganisatorische Prozesse interpretiert werden kann. Als einer der klinisch-theoretischen Wegbereiter der späteren Vikariationshypothese gilt Kurt Goldstein.
Hypothesenstatus
Die neurologische Vikariation stellt kein eindeutig nachgewiesenes Einzelprinzip, sondern ein theoretisches Modell dar. In der aktuellen Neurowissenschaft wird sie überwiegend im Rahmen des übergeordneten Konzepts der neuronalen Plastizität diskutiert und nicht als isolierter biologischer Mechanismus verstanden.
Literatur
Nelles G. (Hrsg.): Neurologische Rehabilitation. Georg Thieme Verlag KG.
Puderbaugh M, Emmady PD: Neuroplasticity. StatPearls (2023).