Neandertaler
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LoslegenSynonyme: Neanderthaler, Homo neanderthalensis
Englisch: Neanderthals, Neandertals
Definition
Evolutionsbiologie
Die Neandertaler entwickelten sich im Mittelpleistozän schrittweise aus europäischen Populationen der Gattung Homo. Die genaue taxonomische Zuordnung vieler Fossilien aus dieser Zeit ist umstritten. Sie werden häufig Homo heidelbergensis oder frühen Vertretern der Neandertalerlinie zugerechnet. Fossilien aus der Sima de los Huesos in Spanien weisen bereits vor etwa 430.000 Jahren charakteristische Merkmale dieser Linie auf.
Genetische Untersuchungen zeigen, dass Neandertaler und Denisovaner eine gemeinsame Abstammungslinie bildeten, die sich im Mittelpleistozän von den Vorfahren des Homo sapiens trennte. Die weitere Entwicklung verlief nicht linear, sondern umfasste wiederholte Aufspaltungen, Wanderungen und genetischen Austausch zwischen verschiedenen Populationen.[1] Ausgeprägte Neandertalermerkmale sind spätestens seit dem späten Mittelpleistozän nachweisbar. Das Verbreitungsgebiet erstreckte sich über Europa sowie Teile West- und Zentralasiens.
Neandertaler besaßen einen kräftigen, gedrungenen Körperbau mit breitem Rumpf und relativ kurzen Extremitäten. Diese Proportionen werden unter anderem als Anpassung an kalte Klimabedingungen interpretiert. Daneben werden Ernährung, körperliche Belastung, Populationsgeschichte und genetische Drift als Einflussfaktoren diskutiert.[2] Der Schädel war lang und flach und wies kräftige Überaugenwülste, eine vorstehende Mittelgesichtsregion mit breiter Nase sowie ein wenig ausgeprägtes Kinn auf. Das durchschnittliche Schädelinnenvolumen lag im Bereich des Homo sapiens oder darüber. Daraus lässt sich jedoch nicht unmittelbar auf die kognitive Leistungsfähigkeit schließen.
Archäologische Funde belegen eine an unterschiedliche Umweltbedingungen angepasste Lebensweise. Neandertaler stellten differenzierte Steinwerkzeuge her, die überwiegend dem Moustérien zugeordnet werden. Sie nutzten Feuer, jagten Groß- und Kleinwild und versorgten wahrscheinlich verletzte oder erkrankte Mitglieder ihrer Gruppen. Verschiedene Funde sprechen zudem für die Verwendung von Pigmenten, Schmuck und möglicherweise weiteren Formen symbolischen Verhaltens. Die früher angenommene grundlegende kulturelle und kognitive Unterlegenheit gegenüber dem frühen Homo sapiens gilt daher als nicht belegt.[3]
Aussterben
Vor rund 40.000 Jahren verschwand der Neandertaler aus Europa. Aus der anschließenden Zeit konnten nur noch Skelette des heutigen Menschen ausfindig gemacht werden. Allerdings erzeugten Neandertaler und Homo sapiens gemeinsame Nachkommen. Infolgedessen stammen etwa 2–3 % der Abstammung heutiger Nicht-Afrikaner von Neandertalern ab.[4]
Die Ursachen des Aussterbens sind umstritten. Aus auslösende Faktoren werden die Demografie (kleine und isolierte Populationen), Umweltveränderungen, Konkurrenz und Vermischung diskutiert.
Quellen
- ↑ Rogers AR, Bohlender RJ, Huff CD. Early history of Neanderthals and Denisovans. Proc Natl Acad Sci U S A. 2017;114(37):9859-9863.
- ↑ Haeusler M, McHenry HM. Review: The different adaptive trajectories in Neanderthals and Homo sapiens and their implications for contemporary human physiological variation. Comp Biochem Physiol A Mol Integr Physiol. 2023;277:111420.
- ↑ Villa P, Roebroeks W. Neandertals revised. Proc Natl Acad Sci U S A. 2016;113(23):6372-6379.
- ↑ Sümer, A.P., Rougier, H., Villalba-Mouco, V. et al. Earliest modern human genomes constrain timing of Neanderthal admixture. Nature 638, 711–717 (2025). https://doi.org/10.1038/s41586-024-08420-x