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Leishmania colombiensis

1 Definition

Leishmania colombiensis ist der Erreger einer zoonotischen amerikanischen kutanen und nach neueren Erkenntnissen in wenigen Einzelfällen auch einer amerikanischen viszeralen Leishmaniose.

2 Taxonomische Einordnung

Früher wurde Leishmania colombiensis dem Leishmanien-Subgenus Viannia (der Leishmanien-Sektion Euleishmania) zugeordnet. Gemäß überarbeiteter Leishmanien-Taxonomie ist Leishmania colombiensis eine Spezies innerhalb der Sektion Paraleishmania. Sie ist daher von allen humanpathogenen Leishmanien-Spezies der Sektion Euleishmania mit den Subgenera Leishmania und Viannia genetisch relativ weit entfernt.[1][2]

3 Epidemiologie

Der Erreger der kutanen Infektion wurde zunächst in Kolumbien und Panama, später auch in Venezuela festgestellt und ist vermutlich auch in brasilianischen Urwaldgebieten und im peruanischen Tiefland vorhanden.[3] Die Verbreitung des Erregers ist gering, in Kolumbien entfielen nur 2 von 327 Leishmanien-Isolaten (0.6%), die Leishmanien-Reservoirwirten und -Vektoren entnommen wurden, auf Leishmania colombiensis.[4]

Die viszerale Erkrankung wurde bisher nur in wenigen Einzelfällen in Venezuela in einer genotypisch geringfügig abweichenden Form festgestellt.[5]

4 Übertragung

Die Reservoirwirte sind mehrheitlich unbekannt. Einziger bekannter Reservoirwirt ist in Panama das Hoffmann-Zweifingerfaultier Choloepus hoffmanni.[3][6] Spezies der Sektion Paraleishmania lassen sich in zwei Gruppen einteilen: Parasiten der Hystricomorpha (Stachelschweinverwandte als eine Unterordnung der Nagetiere) und Parasiten der Faultiere - vereinzelte andere Reservoirwirte sind möglich. Da (neben dem Menschen) für Leishmania colombiensis der einzige bekannte Reservoirwirt als Faultier identifiziert wurde, kann man vermuten, dass es sich bei eventuellen anderen Reservoirwirten prinzipiell oder zumindest überwiegend um Faultiere handelt.[7]

Alle Krankheitsüberträger gehören der Sandmücken-Gattung Lutzomyia an. Bekannte Vektoren sind Lutzomyia hartmanni[3][6] und Lutzomyia shannoni[4] in Kolumbien sowie Lutzomyia gomezi und Lutzomyia panamensis in Panama[3] und Venezuela[6].

5 Weiteres

Die durch Leishmania colombiensis verursachte kutane Leishmaniose bewirkt solitäre oder multiple Läsionen.[3] Da in Südamerika mehrheitlich keine Speziesbestimmung pro Patient stattfindet, erfolgt die Behandlung gemäß der an Leishmania braziliensis orientierten allgemeinen systemischen Therapie.

Die vereinzelt auftretende viszerale Leishmaniose wurde nur im Rahmen von Forschungsprojekten diagnostiziert. Man kann davon ausgehen, dass eventuelle weitere Fälle nicht bemerkt wurden bzw. werden und eine Behandlung gemäß der der an Leishmania infantum orientierten systemischen Therapie durchgeführt wird. Die wissenschaftlichen Belege für die viszerale Erkrankungsform sind sehr beschränkt, und die Anzahl der auftretenden Fälle ist vermutlich äußerst gering. Daher wird die Infektion im hier vorliegenden Artikel über Leishmania colombiensis zwar erwähnt, die enge Korrelation zwischen amerikanischer viszeraler Leishmaniose und dem Erreger Leishmania infantum in den entsprechenden Flexikon-Artikeln jedoch nicht relativiert und der Erreger dort vorerst ignoriert.

Leishmania colombiensis ist in den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin und internationale Gesundheit (DTG) zu Diagnostik und Therapie der kutanen und mukokutanen (2010) und der viszeralen Leishmaniose (2012) nicht erwähnt.

6 Quellen

  1. Van der Auwera/Dujardin Species Typing in Dermal Leishmaniasis, Clin. Microbiol. Rev. April 2015 vol. 28 no. 2 265-294, siehe Figure 1
  2. Van der Auwera/Dujardin Species Typing in Dermal Leishmaniasis, Clin. Microbiol. Rev. April 2015 vol. 28 no. 2 265-294, POWERPOINT- FOLIE
  3. 3,0 3,1 3,2 3,3 3,4 Ralph Lainson The Neotropical Leishmania species: a brief historical review of their discovery, ecology and taxonomy, Rev Pan-Amaz Saude 2010; 1(2):13-32, medizinhistorischer Artikel
  4. 4,0 4,1 Ramírez et al. Taxonomy, diversity, temporal and geographical distribution of Cutaneous Leishmaniasis in Colombia: A retrospective study, Sci. Rep. 6, 28266; doi: 10.1038/srep28266 (2016)
  5. Rodríguez-Bonfante et al. Genotypically distinct Leishmania colombiensis isolates from Venezuela cause both cutaneous and visceral leishmaniasis in humans, Infection, Genetics and Evolution 3 (2003) 119–124
  6. 6,0 6,1 6,2 Control of the leishmaniases WHO Technical Report 949, WHO 2010
  7. Momen/Cupolillo Speculations on the Origin and Evolution of the Genus Leishmania, Mem Inst Oswaldo Cruz, Rio de Janeiro, Vol. 95(4): 583-588, Jul./Aug. 2000

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