Intraretinale mikrovaskuläre Anomalie
Englisch: intraretinal microvascular abnormality
Definition
Die intraretinale mikrovaskuläre Anomalie, kurz IRMA, ist eine unregelmäßig konfigurierte, intraretinal verlaufende Gefäßstruktur bei schwerer nicht-proliferativer diabetischer Retinopathie. Sie gilt als Ausdruck ausgeprägter retinaler Ischämie und als Vorläuferzeichen einer möglichen proliferativen Entwicklung.
Hintergrund
Bei fortgeschrittener diabetischer Retinopathie führen kapilläre Verschlüsse in einzelnen Arealen zu einer verminderten Durchblutung der Netzhaut. In diesen Zonen kommt es zu einem Gefäßremodelling: bestehende Kapillaren und Präkapillaren dilatieren, werden unregelmäßig und bilden atypische Gefäßschlingen. Es handelt sich dabei nicht um eine Neovaskularisation, sondern um eine Umbaureaktion innerhalb der Netzhaut.
Diagnostik
Ophthalmoskopisch zeigen sich IRMA als:
- irregulär kalibrierte, geschlängelte Gefäße
- streng intraretinal lokalisiert, meist angrenzend an Nichtperfusionsareale
- ohne Durchbruch der Membrana limitans interna
- ohne Ausbreitung in den Glaskörperraum
In der Fluoreszenzangiographie findet sich eine frühe Füllung ohne relevantes spätes Leckageverhalten.
| Merkmal | IRMA | Neovaskularisation |
|---|---|---|
| Lage | intraretinal | preretinal / epiretinal |
| Begrenzung | Membrana limitans interna intakt | Durchbruch der inneren Grenzmembran |
| Fluoreszenzangiographie | frühe Füllung, kaum Leckage | ausgeprägte Leckage |
| Bedeutung | schwere Ischämie, präproliferativ | Zeichen proliferativer Retinopathie |
Prognostische Relevanz
Das Auftreten von IRMA kennzeichnet eine fortgeschrittene nicht-proliferative diabetische Retinopathie mit hohem Risiko für den Übergang in eine proliferative Form. Ihr Nachweis hat daher unmittelbare Konsequenzen für engmaschige Kontrollen und therapeutische Entscheidungen.