Henßge-Nomogramm
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LoslegenSynonym: Henssge-Nomogramm
Englisch: Henssge nomogram
Definition
Das Henßge-Nomogramm ist ein rechtsmedizinisches Verfahren zur Abschätzung der Zeit seit Todeseintritt anhand der postmortalen Abkühlung des Körpers. Es wird insbesondere im frühpostmortalen Intervall eingesetzt. Das Verfahren wurde von dem deutschen Rechtsmediziner Claus Henßge entwickelt.
Prinzip
Nach dem Tod nähert sich die Körperkerntemperatur zunehmend der Umgebungstemperatur an. Das Henßge-Nomogramm berücksichtigt dabei insbesondere:
- die tiefe Rektaltemperatur
- die Umgebungstemperatur
- das Körpergewicht
- die jeweiligen Abkühlungsbedingungen
Abweichungen von Standardbedingungen, beispielsweise durch Kleidung, Bedeckung, Luftbewegung oder Feuchtigkeit, werden mithilfe eines Korrekturfaktors berücksichtigt. Dieser verändert das für das Nomogramm verwendete effektive Körpergewicht.
Anhand der erhobenen Werte lassen sich die mittlere Zeit seit Todeseintritt und ein entsprechender Unsicherheitsbereich ablesen.
Anwendung
Die Temperaturmessungen sollten möglichst früh am Leichenfundort erfolgen. Neben der Rektaltemperatur werden die Umgebungstemperatur, das Körpergewicht sowie thermisch relevante Umstände dokumentiert. Körperkern- und Umgebungstemperatur sind am Leichenfundort gleichzeitig zu messen. Bei beiden Messungen wird die Uhrzeit festgehalten.[1]
Das Ergebnis des Nomogramms wird in der rechtsmedizinischen Praxis nicht isoliert bewertet. Zur weiteren Eingrenzung des Todeszeitintervalls werden unter anderem Totenflecken, Totenstarre und supravitale Reaktionen herangezogen.
Limitationen
Das Henßge-Nomogramm liefert keinen exakten Todeszeitpunkt, sondern eine statistische Schätzung. Voraussetzung sind möglichst zuverlässige Angaben zu den Abkühlungsbedingungen seit dem Tod.
Wechselnde Umgebungstemperaturen, starke thermische Isolation, ungewöhnliche Körperzusammensetzung oder andere Abweichungen von den Standardbedingungen reduzieren die Genauigkeit.
Neuere Validierungsstudien zeigen, dass die tatsächliche Übereinstimmung des berechneten Todeszeitintervalls mit dem bekannten Todeszeitpunkt geringer sein kann als ursprünglich angenommen. Die Ergebnisse müssen daher immer im Zusammenhang mit weiteren rechtsmedizinischen Befunden interpretiert werden.
Quellen
Literatur
- Heinrich, Fabian et al. “An assessment of the Henssge method for forensic death time estimation in the early post-mortem interval.” International journal of legal medicine vol. 139,1 (2025)
- Universitätsklinikum Jena, Institut für Rechtsmedizin: Todeszeitbestimmung – Temperaturgestützte Todeszeitschätzung. Abgerufen am 26.09.2026