Chauffeur-Fraktur
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Loslegennach dem britischen Chirurgen Jonathan Hutchinson (1828–1913)
Synonym: Hutchinson-Fraktur, Backfire-Fraktur
Englisch: Chauffeur fracture, Hutchinson fracture, backfire fracture
Definition
Als Chauffeur-Fraktur bezeichnet man eine partiell intraartikuläre distale Radiusfraktur im Bereich des Processus styloideus radii.
- AO-Klassifikation: 2R3B1[1]
Terminologie
Die Bezeichnungen Chauffeur-Fraktur und Backfire-Fraktur entstanden aufgrund des Unfallmechanismus eines zurückfeuernden, mittels Kurbel gestarteten Motors. Hierbei kam es zu einer plötzlichen starken Dorsalextension des Handgelenks des ankurbelnden Chauffeurs, die zur Fraktur des Processus styloideus radii führen konnte.[2] Die Fraktur selbst hatte Hutchinson bereits 1866 beschrieben, worauf das Synonym Hutchinson-Fraktur zurückgeht. Den Begriff "Chauffeur-Fraktur" führte 1904 der französische Chirurg Just Lucas-Championnière ein.[3]
Ätiopathogenese
Heute entsteht die Fraktur häufig durch eine Hyperextension des Handgelenks, etwa bei einem Sturz auf die Hand.[4] Pathomechanisch liegt entweder eine Kompression der Fossa scaphoidea durch das Skaphoid oder ein bandvermittelter Ausriss zugrunde.[5]
Symptome
Typisch sind radialseitige Schmerzen am Handgelenk, Schwellung, Druckschmerz über dem distalen Radius und eine schmerzhafte Bewegungseinschränkung des Handgelenks; bei dislozierten Frakturen kann eine Fehlstellung hinzutreten.[1][6]
Diagnostik
Klinische Untersuchung
Zur klinischen Untersuchung gehören die Inspektion von Haut und Weichteilen auf Weichteilschäden und offene Wunden sowie die Prüfung von Durchblutung, Motorik und Sensibilität der Hand. Ein Druckschmerz in der Tabatière weist auf eine begleitende Skaphoidfraktur hin.[1]
Bildgebung
Zur Diagnosestellung genügt in der Regel eine Röntgenaufnahme des Handgelenks in zwei Ebenen.[7] Radiologisch lässt sich meist in der a.p.-Projektion des Handgelenks der Frakturspalt mit intraartikulärer Komponente nachweisen. Eine Computertomographie dient der Beurteilung der Gelenkfläche, einer Rotation oder Impression des Fragments sowie der präoperativen Planung. Zudem kann sie karpale Begleitverletzungen aufdecken.[1][5] Für den Nachweis ligamentärer Läsionen ist die MRT geeignet.[1]
Differenzialdiagnosen
Differenzialdiagnostisch kommen insbesondere eine Skaphoidfraktur, isolierte Verletzungen oder Luxationen im Bereich der Handwurzel sowie eine Prellung oder Distorsion des Handgelenks in Betracht.[1]
Begleitverletzungen
Einfache sagittale Frakturen der Fossa scaphoidea gehen gehäuft mit Verletzungen des skapholunären Bandes einher.[8] Daneben können eine Skaphoidfraktur und Luxationen der Handwurzel, etwa eine perilunäre Luxation, vorliegen.[1][5] Bandverletzungen werden in der Notaufnahme häufig übersehen und können unbehandelt zu einer skapholunären Dissoziation und karpalen Instabilität führen.[9]
Therapie
Nicht oder minimal dislozierte, stabile Chauffeur-Frakturen werden meist konservativ durch Ruhigstellung behandelt.[7] Auch dislozierte Frakturen kommen für eine konservative Therapie infrage, wenn die Reposition eine akzeptable Gelenkfläche mit einer Stufe unter 2 mm ergibt. Wegen der Gefahr einer sekundären Dislokation ist innerhalb der ersten Woche nach Reposition eine erneute Röntgenkontrolle erforderlich.[1]
Bei dislozierten oder instabilen Frakturen erfolgt in der Regel eine operative Stabilisierung.[7] Die Wahl des Verfahrens richtet sich unter anderem nach Frakturtyp, Knochenqualität, Begleitverletzungen und funktionellem Anspruch. Infrage kommen eine Schraubenosteosynthese, die auch perkutan erfolgen kann, und eine Bohrdrahtosteosynthese.[1] Alternativ ist eine palmare winkelstabile Plattenosteosynthese möglich.[5]
Prognose
Die Prognose ist bei stabilen und korrekt behandelten distalen Radiusfrakturen meist gut. Die knöcherne Heilung erfolgt in der Regel innerhalb weniger Wochen, die funktionelle Erholung kann jedoch deutlich länger dauern.[6][1] Mögliche Folgezustände sind Bewegungseinschränkung, Fehlheilung mit Funktionsverlust, posttraumatische Arthrose und persistierende Beschwerden durch eine karpale Instabilität. Sie treten vor allem bei komplexen Frakturen oder begleitender Bandverletzung auf.[6][4]
Quellen
- ↑ 1,00 1,01 1,02 1,03 1,04 1,05 1,06 1,07 1,08 1,09 AWMF. S2e-Leitlinie: Distale Radiusfraktur des Erwachsenen. AWMF-Registernummer 187-019. 2021 (Gültigkeit abgelaufen, Leitlinie in Überarbeitung). Verfügbar unter: S2e-Leitlinie Distale Radiusfraktur des Erwachsenen, abgerufen am 03.11.2026
- ↑ Lund FB. Fractures of the radius in starting automobiles. Boston Med Surg J. 1904;151.
- ↑ Andreotti M, Tonon F, Caruso G, Massari L, Riva MA. The "Chauffeur Fracture": Historical Origins of an Often-Forgotten Eponym. Hand (N Y). 2020;15(2):252-254.
- ↑ 4,0 4,1 Lim JA, Loh BLC, Sylvestor G, Khan W. Perioperative management of distal radius fractures. J Perioper Pract. 2021;31(10).
- ↑ 5,0 5,1 5,2 5,3 Fricker R, Jupiter J, Kastelec M. ORIF – Palmar plate (Partial articular, sagittal simple radial fracture, involving scaphoid fossa). AO Surgery Reference. AO Foundation, abgerufen am 03.11.2026
- ↑ 6,0 6,1 6,2 Corsino CB, Reeves RA, Sieg RN. Distal Radius Fractures. In: StatPearls. Treasure Island (FL): StatPearls Publishing; 2023.
- ↑ 7,0 7,1 7,2 Lameijer CM, Teuben MPJ, van Delft EAK et al. ESTES recommendations regarding distal radius fractures. Eur J Trauma Emerg Surg. 2026;52(1).
- ↑ Fricker R, Jupiter J, Kastelec M. Partial articular, sagittal simple radial fracture, involving scaphoid fossa. AO Surgery Reference. AO Foundation, abgerufen am 03.11.2026
- ↑ Shahabpour M, Abid W, Van Overstraeten L, De Maeseneer M. Wrist Trauma: More Than Bones. J Belg Soc Radiol. 2021;105(1):90.