Boltzmann-Verteilung
Definition
Die Boltzmann-Verteilung beschreibt die statistische Besetzung von Energieniveaus in einem thermischen Gleichgewicht. In der Magnetresonanztomographie (MRT) erklärt sie, warum sich in einem äußeren Magnetfeld geringfügig mehr Kernspins im energieärmeren als im energiereicheren Zustand befinden. Dieser kleine Besetzungsüberschuss ist die Voraussetzung für eine messbare Magnetisierung.
Physikalische Grundlagen
In einem System im thermischen Gleichgewicht verteilen sich Teilchen nicht gleichmäßig auf alle möglichen Energieniveaus. Zustände mit niedrigerer Energie sind wahrscheinlicher besetzt als Zustände mit höherer Energie. Die Boltzmann-Verteilung beschreibt diesen Zusammenhang durch:
- N1 = Anzahl der Teilchen im energieärmeren Zustand
- N2 = Anzahl der Teilchen im energiereicheren Zustand
- ΔE = Energiedifferenz zwischen beiden Zuständen
- k= Boltzmann-Konstante
- T= absolute Temperatur
Die Besetzungsdifferenz hängt direkt von der Energiedifferenz ΔE ab, die mit der Magnetfeldstärke zunimmt. Daher führt ein stärkeres B0-Feld zu einem größeren Besetzungsüberschuss und damit zu einer höheren Magnetisierung. Mit steigender Temperatur nimmt der relative Unterschied zwischen den Energieniveaus dagegen ab. Der Besetzungsüberschuss wird kleiner. Für die MRT bedeutet das:
- höhere Magnetfeldstärke → größeres Signalpotenzial
- höhere Temperatur → geringerer Besetzungsunterschied
Bedeutung in der MRT
Im statischen B0-Magnetfeld spalten sich die möglichen Energieniveaus von Kernen mit Kernspin auf (Zeeman-Effekt). Für den Wasserstoff-Kern mit Spin I = ½ ergeben sich zwei mögliche Zustände:
- parallele Orientierung zum Magnetfeld: energieärmer
- antiparallele Orientierung zum Magnetfeld: energiereicher
Nach der Boltzmann-Verteilung sind im thermischen Gleichgewicht geringfügig mehr Kerne im energieärmeren Zustand. Es liegt also ein sehr kleiner statistischer Überschuss vor, der die makroskopische Longitudinalmagnetisierung verursacht, die durch einen Hochfrequenzpuls angeregt und in ein messbares MRT-Signal überführt werden kann.