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Abstrichtupfer

Synonym: Abstrichträger
Englisch: swab

1. Definition

Ein Abstrichtupfer ist ein längliches Stäbchen mit einem Textilende aus Baumwolle oder anderen Materialien, das zur Entnahme eines Abstrichs dient.

2. Anwendungsbereiche

Abstrichtupfer dienen sowohl der Probenentnahme aus pathologischen Gewebebereichen als auch der Gewinnung von normalem DNA-Material. Sie werden u.a. in der Zytologie (zytologischer Abstrich) und in der Mikrobiologie (mikrobiologischer Abstrich) bzw. molekularbiologischen Infektionsdiagnostik verwendet.

3. Materialien

Die Stäbchen eines Abstrichtupfers bestehen aus Holz, Kunststoff oder Metalldraht. Das Material und die Dicke des Stäbchens bestimmen dessen Flexibilität, die für manche Abstrichverfahren, z.B. für einen nasopharyngealen Abstrich relevant ist. Metallionen können die Polymerase-Kettenreaktion stören, deshalb sind Metallstiele für die PCR nicht geeignet.

Für das Textilende von Abstrichtupfern werden unterschiedliche Materialien verwendet. Meist handelt es sich um einen aus feinen Baumwollfäden oder Dacronfasern gesponnenen Tupfer. Neuere Abstrichtupfer haben ein Beflockung aus Mikrofasern, die mehr Probenmaterial aufnehmen kann.

Die Tupfer werden nach der Beprobung in ein Transportgefäß gesteckt, das je nach Einsatzzweck unterschiedlich ist. Für die Bakterien- oder Pilzkultur enthält das Röhrchen ein Nährmedium, das die meisten Erreger vital hält, z.B. Amies-Medium. Röhrchen mit Nährmedium sind für molekulargenetische Untersuchungen normalerweise ungeeignet.

Für genetische Nachweisverfahren werden Abstrichtupfer verwendet, deren Transportröhrchen entweder gar kein Medium enthalten oder spezielle Pufferlösungen, die DNA und/oder RNA konservieren. Diese Materialien sind für kulturelle Verfahren ungeeignet. Je nach angestrebter Untersuchung müssen daher ggf. mehrere Abstrichtupfer verwendet werden.

Besondere Anforderungen werden an Abstrichtupfer für molekulargenetische Untersuchungen im Bereich der Forensik, d.h. Spurensicherung, gestellt. Da hier extrem empfindliche Techniken eingesetzt werden, muss sichergestellt sein, dass die Probenträger nicht bei der Herstellung mit menschlicher DNA verunreinigt werden. Bekannt geworden ist der Fall des Heilbronner Phantoms, bei dem DNA einer Mitarbeiterin, die die Wattestäbchen verpackt hatte, an verschiedensten Tatorten nachgewiesen wurde.

4. Fehlverwendung

Leider werden die Transportröhrchen von Abstrichtupfern immer wieder als "Allzweck-Probentransportbehälter" für die Mikrobiologie verwendet, wofür sie ungeeignet sind. So eingeschickte Punktatflüssigkeiten, Katheterspitzen, Gewebeproben oder sonstige Materialien sind unter sterilen Kautelen schwierig oder gar nicht aus dem Röhrchen zu bergen. Flüssigkeiten werden beim Öffnen verspritzt, andere Materialien werden möglicherweise gar nicht als solche identifiziert, weil sie nicht erkennbar sind.

Hier wurde ein Stück Gewebe in ein Abstrichröhrchen gesteckt. Erst später wurde es im Labor nach Entfernung des Patientenaufklebers entdeckt.

Grundsätzlich sind Abstrichtupfer zur Abnahme von Abstrichen gedacht. Für die Einsendung von anderen Probenmaterialien stehen entsprechende Behälter zur Verfügung, z.B. sterile Leerröhrchen für Flüssigkeiten oder sterile Becher mit Schraubdeckel für Gewebeproben.

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