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Aggression

(Weitergeleitet von Aggressivität)

Englisch: aggression

1 Definition

Unter der Aggression versteht man gegen die eigene Person oder andere Personen gerichtete negative Emotionen, die nach einer verbalen oder physischen Abreaktion suchen.

2 Auslöser

Beim Menschen tritt aggressives Verhalten in unterschiedlichen Funktionszusammenhängen auf:

  • Verteidigung eines Eigentums
  • Rivalität um Sexualpartner
  • Erwerb oder zur Verteidigung einer Rangordnungsposition
  • Frustration
  • Selbstverteidigung

Medikamente wie Piracetam, aktivierende Antidepressiva (z.B. Clomipramin), Antiepileptika, Levodopa, Theophyllin, Coffein, Fenetyllin, Methylphenidat und Appetitzügler können die Auslösung von Aggressionen fördern. Das gleiche gilt für Hormone wie Testosteron und L-Thyroxin.

3 Theorien

Es wurden verschiedene Theorien zur Erklärung der Entstehung von Aggressionen aufgestellt. Aus heutiger Sicht ist wahrscheinlich, dass alle Theorien beim Entstehen von Aggression eine Rolle spielen. Teilweise ist sie genetisch bedingt, teilweise erlernt. Die genauen Vorgänge sind allerdings so komplex, dass man sie bis heute nicht im Detail versteht.

3.1 Psychoanalytische Aggressionstheorie

Nach Sigmund Freud stellt der Thanatos, auch Todestrieb genannt, einen Gegenspieler zum Eros dar. Er sei verantwortlich für zerstörerische Handlungen eines Menschen, da auch er (wie alle Triebe) von Zeit zu Zeit abreagieren muss.

3.2 Instinkttheorie

Nach der Instinkttheorie von Konrad Lorenz und Irenäus Eibl-Eibesfeldt dient die Aggression unter Tieren der Erhaltung der eigenen Art.

3.3 Lerntheorie

Die Theorie 1965 entwickelte Theorie nach Albert Bandura geht davon aus, dass Aggressivität erlernt wird. Nach dieser Theorie wird aggressives Verhalten öfter gezeigt, wenn man durch dieses Verhalten bestimmte Wünsche durchsetzen konnte. Heutige Untersuchungen zeigen jedoch, dass Aggressionsverhalten auch genetische Grundlagen aufweist

3.3.1 Experiment von Bandura

Kinder im Alter von 3-6 Jahren wurden zufällig auf drei gleich große Gruppen aufgeteilt, wobei das Geschlechterverhältnis in allen Gruppen gleichmäßig verteilt war. Allen Kindern wurde nun der gleiche Film vorgeführt, jedoch war die Endszene für alle 3 Gruppen verschieden. In dem Film wurde physische und verbale Aggression dargestellt. Rocky, die Hauptperson, ging auf eine lebensgroße Plastikpuppe zu und schlug auf sie ein, schleuderte sie gegen die Wand und gab dabei aggressive Äußerungen von sich. Die Kinder der ersten Gruppe sahen als Endszene, dass Rocky von seinen Eltern für seine Aggressionen belohnt wurde. Die zweite Gruppe sah eine Endszene, in der Rocky von seinen Eltern bestraft wurde und in der dritten Gruppe gab es für Rocky keine Konsequenzen. Anschließend wurden alle Kinder durch die Wegnahme ihres momentanen Spielzeugs frustriert und in einen Raum gebracht, der neben anderen Gegenständen die gleiche Plastikpuppe enthielt, die während der Darbietung verwendet worden war. Es zeigte sich eindeutig, dass alle Kinder, denen ein sich aggressiv verhaltendes Modell präsentiert worden war, in der anschließenden Spielsituation deutlich mehr aggressive Verhaltensweisen insgesamt zeigten, als Kinder, denen ein nicht-aggressives Modell oder gar keins angeboten worden war.

3.4 Frustrations-Agressions-Theorie

Diese Theorie, die 1939 von von Dollard und Miller entwickelt wurde, geht davon aus, dass Aggression immer aus Frustration resultiert. Frustration wir hierbei als Störung einer Zielgerichteten Aktivität verstanden. Das Ausmaß der Aggression ist nach dieser Theorie von der Stärke der Frustration abhängig. Sie muss jedoch nicht die Person treffen, die für ihre Entstehung verantwortlich war, sondern kann sich auch gegen andere Personen richten. Diese Aussagen hatten auf die Aggressionsforschung zwar großen Einfluss, konnten aber so nicht aufrecht erhalten werden. Neal Elgar Miller, ein US-amerikanischer Psychloge, entwickelte die Hypothese schon 2 Jahre später weiter: Jede Frustration stelle zwar einen Anreiz für Aggression dar, allerdings seien manche Frustrationen zu leicht, um aggressives Verhalten auszulösen. Länger zurückliegende Frustrationen können auch noch sehr viel später zu Aggressionen führen. Als Ursache dafür würden beispielsweise frühkindliche Entbehrungen, erzwungener Gehorsam oder auch Misserfolge im Beruf in Frage kommen. Trotzdem bleibt daran problematisch, warum Menschen mit ähnlichen Frustrationserlebnissen unterschiedlich aggressiv reagieren.

Fachgebiete: Genetik, Psychologie

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