Zystenrandschatten
Definition
Der Zystenrandschatten ist ein typisches Artefakt der Sonographie. Es handelt sich um eine schmale, echoarme bis echofreie Schattenbildung entlang der Fortsetzung einer tangential getroffenen Zystenwand. Der Zytsenrandschatten stellt ein wichtiges diagnostisches Kriterium zur Identifikation von Zysten dar.
Erscheinungsbild
Die Zystenrandschatten können sich beidseits oder einseitig der Zystenbegrenzung darstellen. Häufig nehmen die Randschatten eine nach distal in spitzem Winkel divergierende Form an und setzen sich über die eigentliche Zystenkontur hinaus fort. Die Darstellung ist abhängig vom Schallwinkel und kann sich bei Änderung der Sondenposition verändern oder vollständig verschwinden.
Entstehung
Der Zystenrandschatten entsteht überwiegend durch Brechung und Streuung der Ultraschallwellen an der Zystenwand, insbesondere wenn der Schallstrahl diese tangential trifft. An der Grenzfläche zwischen Geweben unterschiedlicher akustischer Impedanz kommt es zu einer Ablenkung des Schallstrahls aus seiner ursprünglichen Ausbreitungsrichtung, wodurch distal der Zystenwand ein schallarmes Areal entsteht, das sich als divergierender Randschatten darstellt.
Zusätzlich führt die Streuung der Schallwellen an der Zystenwand zu einer verminderten Rückkehr reflektierter Schallanteile zum Schallkopf und damit zu einer reduzierten Echogenität. Darüber hinaus tragen Schallabschwächung und teilweise Schallauslöschung beim Durchtritt durch die häufig bindegewebsreiche Zystenwand zur Ausbildung des Zystenrandschattens bei, was insbesondere bei zystischen Organen wie der Gallenblase sowie bei dysontogenetischen Zysten von Bedeutung ist.
Klinische Relevanz
Der Zystenrandschatten ist – neben der dorsalen Schallverstärkung – ein wichtiges sonographisches Zeichen zur sicheren Diagnose einer Zyste. Sein Nachweis unterstützt die Abgrenzung zystischer von soliden Läsionen.
Differentialdiagnose
Diagnostische Unsicherheiten können auftreten:
- im Bereich des Gallenblasenfundus,
- wenn dorsale Schallverstärkung und Zystenrandschatten kombiniert auftreten und dadurch ein Konkrement vorgetäuscht wird.
Eine Lageveränderung des Patienten oder eine Änderung des Schallwinkels kann zur Klärung beitragen.
Literatur
- W. G. Zoller, U. Gresser, N. Zöllner (Hrsg.) Einführung in die Ultraschalldiagnostik. Kurzgefaßtes Lehrbuch und Atlas. Karger Verlag, abrufbar unter: https://epub.ub.uni-muenchen.de/7872/1/7872.pdf, zuletzt besucht 03.02.2026.