Tumeszenzanästhesie
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Loslegenvon lateinisch: tumescere - aufblähen
Synonyme: Tumeszenz-Lokalanästhesie, Tumeszenslokalanästhesie
Englisch: tumescent local anesthesia
Definition
Die Tumeszenzanästhesie, kurz TLA, ist eine Form der Lokalanästhesie. Die Schmerzfreiheit wird erzielt, indem eine Tumeszenzlösung in das Unterhautfettgewebe injiziert wird, die ein Lokalanästhetikum enthält.
Durchführung
Die Tumeszenzlösung besteht in der Regel aus isotoner Kochsalzlösung, einem Lokalanästhetikum (meist Lidocain, seltener Prilocain), einem Vasokonstriktor (üblicherweise Adrenalin) sowie – zur Reduktion des Injektionsschmerzes – Natriumbikarbonat. Eine gebräuchliche Rezeptur enthält beispielsweise 25 ml Lidocain 2 %, 1 ml Adrenalin und 8 mEq Natriumbikarbonat auf 1.000 ml Kochsalzlösung.[1]
Die Lösung wird mit Druck zwischen die Gewebeschichten der Unterhaut gespritzt, bis ein beträchtliches Reservoir unter der Haut deponiert ist. Nach einer Einwirkzeit von ca. 20 Minuten besteht eine ausreichende Anästhesie. Sollen die Gewebeschichten zusätzlich gelöst werden (z.B. vor einer Fettabsaugung), sind Einwirkzeiten von über 60 Minuten anzustreben.
Die TLA wird üblicherweise vom behandelnden Operateur selbst appliziert. Seltener erfolgt bei zusätzlicher Sedierung oder größeren Eingriffsvolumina die Anästhesie interdisziplinär unter Beteiligung eines Anästhesisten.
Dosierung
Durch die langsame Resorption des Lokalanästhetikums aus dem Fettgewebe sowie den Zusatz des Vasokonstriktors werden bei der TLA deutlich höhere Lokalanästhetikamengen toleriert als bei der konventionellen Infiltrationsanästhesie. Während die Maximaldosis für Lidocain mit Adrenalinzusatz bei ca. 7 mg/kg KG liegt, gelten bei der TLA Dosen von bis zu 35–55 mg/kg KG als sicher.[2]
Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.
Indikationen
Die Tumeszenzanästhesie wird eingesetzt, um lokal begrenzte Eingriffe in örtlicher Betäubung durchzuführen, für die andernfalls eine Vollnarkose oder rückenmarksnahe Regionalanästhesie (z.B. Periduralanästhesie) erforderlich wäre. Hierdurch entfällt das Narkoserisiko und stationäre Aufenthalte können vermieden werden.
Verbreitet ist der Einsatz der Tumeszenzanästhesie in der ästhetischen Medizin, z.B. bei Fettabsaugung, Facelift und Varizen-Operationen. Darüber hinaus findet sie zunehmend Anwendung in weiteren Fachgebieten, etwa bei der Implantation subkutaner Kardioverter-Defibrillatoren (S-ICD) oder in der Nervendekompressionschirurgie.[3]
Vorteile
- Bessere Platzverhältnisse: Durch das Einbringen größerer Mengen von Flüssigkeit wird das Gewebe gedehnt, bei der Fettabsaugung lösen sich so beispielsweise die Fettzellen aus ihrem Verbund.
- Gute Anästhesie: Durch das lokal begrenzte Einbringen von Lokalanästhetika resultiert eine langanhaltende Anästhesie.
- Geringes Blutungsrisiko: Durch den Zusatz von Vasokonstriktoren wird die Durchblutung der betroffenen Gebiete gedrosselt, das Blutungsrisiko wird dadurch reduziert.
- Antiseptik: Lokalanästhetika haben eine antibakterielle Zusatzwirkung.
Nachteile
Wesentlicher Nachteil ist das Risiko einer lebensbedrohlichen Lokalanästhetika-Intoxikation (LAST). Bei Überschreitung der Maximaldosis oder versehentlicher intravasaler Injektion kann es zu ZNS-Symptomen (Verwirrtheit, Krampfanfälle), kardiovaskulären Reaktionen (Arrhythmien, Blutdruckabfall) und – bei Verwendung von Prilocain – zu einer Methämoglobinämie kommen. Die Symptome können sich aufgrund der verzögerten Resorption erst mehrere Stunden nach dem Eingriff zeigen.[2]
Bei ausgedehnten Eingriffen kann es durch den großen Flüssigkeitsmangel zu Volumenüberlastung, selten auch einem Lungenödem kommen. Weitere mögliche Komplikationen sind Hautnekrosen oder Wundinfektionen bei größeren Infiltrationsvolumina sowie allergische Reaktionen auf das Lokalanästhetikum.
Kontraindikationen
- bekannte Allergie gegen das geplante Lokalanästhetikum
- schwere, nicht eingestellte Herzrhythmusstörungen
- schwere Gerinnungsstörungen bei geplanten großvolumigen Infiltrationen
Quellen
- ↑ De Riso S, Rubino C, Ziani F, et al. SMAS Plication Facelift and Platysmaplasty Under Tumescent Local Anesthesia: A 10-Year Retrospective Evaluation of Safety, Efficacy, and Patient Satisfaction in an Outpatient Setting. Aesthetic Plast Surg. 2026. doi: 10.1007/s00266-026-06050-4.
- ↑ 2,0 2,1 Uttamani RR, Venkataram A, Venkataram J, Mysore V. Tumescent Anesthesia for Dermatosurgical Procedures Other Than Liposuction. J Cutan Aesthet Surg. 2020;13(4):275-282. doi: 10.4103/JCAS.JCAS_192_19.
- ↑ Romero J, Bello J, Díaz JC, et al. Tumescent local anesthesia versus general anesthesia for subcutaneous implantable cardioverter-defibrillator implantation. Heart Rhythm. 2021;18(8):1326-1335. doi: 10.1016/j.hrthm.2021.03.008.